Für meinen Mann Ken, dessen Einsichten über Männer den Plan für dieses Buch angeregt haben; für meine geliebten und unschätzbaren Töchter Lindsay und Lauren, weil ich noch immer von einem Tag träume, wo ihr euch völlig gefahrlos mit Männern verabreden und sie völlig gefahrlos heiraten könnt, für meine Mutter Joyce und meine Schwester Linda, die die Gefahr, die von bestimmten Männern ausgeht, nur allzu gut kennen, und für all jene Frauen, die ich im Laufe der letzten fünfzehn Jahre kennengelernt habe und die mir ihre Geschichten von Männern, die für sie die Falschen waren, anvertrauten – möge ihre Ehrlichkeit unser aller Leben mit mehr Einsicht, mehr Wissen, mehr guten Entscheidungen und, vor allem, mehr Sicherheit belohnen.

ÜBER DIE AUTORIN

Sandra L. Brown ist Psychotherapeutin und Dozentin. Sie hat in verschiedenen therapeutischen Einrichtungen gearbeitet und beschäftigt sich vor allem mit den Themen Frauen in problematischen Beziehungen, Abhängigkeit und Missbrauch. Sie lebt in North Carolina.

Einführung

Männer, die für uns die Falschen sind, gibt es überall. Als Frau weiß ich das. Aber als Mutter habe ich mir Sorgen um meine Töchter gemacht. Ich wollte sie davor schützen, sich auf eine ungesunde Beziehung einzulassen und vielleicht den falschen Mann zu wählen.

Als Psychotherapeutin, die Frauen behandelt, die sich auf eine zerstörerische Beziehung eingelassen hatten, stellte ich fest, dass es Frauen gab, die sich immer wieder »die Falschen« aussuchten. Und ich behandelte ebenfalls diese Männer als Therapeutin. Gerade weil Frauen die Mechanismen und Hintergründe ihrer ungesunden Partnerwahl nicht bewusst sind und weil sie bereit sind, ihre Warnsignale und Alarmglocken zu ignorieren, laufen sie Gefahr, immer wieder den gleichen Fehler zu machen. Deshalb ist es mein Ziel, auch Laien verständlich zu machen, wie diese Mechanismen aussehen und wann ein Mann für Frauen ein »gefährlicher Mann« ist. Ich verwende den Begriff »ge­fähr­licher Mann« bewusst. Aus meiner Sicht ist ein Mann für eine Frau nicht erst dann »gefährlich«, wenn er gewalttätig oder kriminell ist. Ich verwende das Wort »gefährlich« zur Beschreibung jedes Mannes, der der seelischen, körperlichen, sexuellen oder spirituellen Gesundheit seiner Partnerin schadet oder der sie finanziell ausbeutet.

Jedes der nachfolgenden Kapitel enthält Geschichten von einer oder mehreren Frauen, die sich mit einem gefährlichen Mann oder mit gefährlichen Männern einließen. Einige dieser Geschichten stammen aus meinen Psychotherapie-Sitzungen mit Frauen oder mit »gefährlichen« Männern selbst.

Für wie viele Frauen genau diese Geschichten repräsentativ sind, ist schwer einzuschätzen. Ich habe in meiner 15-jährigen therapeutischen Tätigkeit Hunderte solcher Geschichten gehört. Andere Geschichten in diesem Buch stammen von Frauen, die ich in meinem Privatleben gekannt habe, Frauen, bei denen ich sah, wie sie sich mit gefährlichen Männern einließen und zum Opfer wurden.

Ein paar meiner Freundinnen steuerten ebenfalls Geschichten über ihre eigenen Erfahrungen mit gefährlichen Männern bei der Partnersuche bei. Einige dieser Geschichten finden sich ebenfalls in diesem Buch. Wieder andere Berichte erhielt ich aufgrund eines Beitrags, den ich ins Internet stellte. Darin bat ich Frauen, mir von ihren Erfahrungen mit gefährlichen Männern zu berichten. Ich erhielt etwa fünfzig Antworten auf meinen Beitrag – aus den Vereinigten Staaten, Kanada, England, Australien, Israel und Indonesien. Einige dieser Geschichten finden sich auf den folgenden Seiten.

Allen Frauen, die ich interviewte, sei es persönlich oder via Internet, wurden gezielte Fragen gestellt, die ihre eigenen psychischen Probleme, die Botschaften aus ihrer Kindheit, die sie von ihren Herkunftsfamilien empfangen hatten, und ihre Ansichten über Gesellschaft, Kultur und Frauen beleuchteten. Die Fragen umfassten auch die bisherige Partnersuche der Frauen. Unter anderem wollte ich wissen, wie viele Beziehungen sie bisher hatten, wie viele Beziehungen sie mit gefährlichen Männer eingegangen waren, mit welchen Kategorien gefährlicher Männer sie zusammen waren, wie die Warnsignale der Frauen sich bemerkbar gemacht hatten, warum die Frauen diese Warnsignale nicht beachtet hatten, was es die Frauen gekostet hatte, sie nicht zu beachten, und was das Ergebnis gewesen war.

Es ist wichtig, dass wir begreifen, dass gefährliche Männer uns allen begegnen können – Frauen jeden Alters und jeglichen Bildungsstands; alleinstehenden, verheirateten und geschiedenen Frauen; Frauen aller Nationalitäten und aller Religionen; der kinderlosen Frau und der Mutter; der Stadt- und der Vorstadtfrau; Frauen in allen Berufen (sogar in Berufen, die sie darin schulen, zumindest einige der Symptome einer ungesunden Partnerwahl zu erkennen); der armen, der Mittelschicht- und der reichen Frau; der unerfahrenen oder erfahrenen Frau. Sich mit gefährlichen Männern einzulassen ist eine universelle Erfahrung von Frauen.

Die Geschichten der Frauen halfen mir auch, die Auswahlmuster der Frauen zu erkennen, und erleichterten es mir, ähnliche Erfahrungen zu bündeln, die uns möglicherweise helfen, weibliche Reaktionen auf verschiedene Typen solcher gefährlicher Männer zu verstehen. Sich in diesen Geschichten wiederzufinden dürfte nicht schwierig sein. Die meisten von uns sind bei ihrer Partnersuche schon gefährlichen Männern begegnet oder haben sich auf sie eingelassen.

Ein Buch wie dieses nutzen Sie am besten, wenn Sie aufrichtig und offen dafür sind, die Wahl Ihrer früheren Partner ehrlich zu bewerten. Keine Frau möchte sich »naiv« vorkommen, weil sie mit einem gefährlichen Mann zusammen war oder ihn geheiratet hat. Aber wer sein Verhalten erkennen und verändern will, dem bleibt nichts anderes übrig, als in Bezug auf seine eigene, persönliche Geschichte absolut ehrlich zu sein. Die Frauen, die mutig genug waren, ihre Geschichten zu erzählen, möchten, dass Sie nach den Ähnlichkeiten zwischen ihren Geschichten und Ihrer Geschichte suchen. Sie möchten, dass Sie der Versuchung widerstehen, sich Schlupflöcher zu suchen, um sagen zu können: Ich bin anders als sie. Wenn Sie das tun, werden Sie umso eher die Tatsache missachten, dass auch Sie verwundbar sind. Es ist nicht wichtig, wie sich Ihr Mann von den auf diesen Seiten porträtierten Männern unterscheidet, aber es ist wichtig zu ermitteln, inwiefern er diesen Männern ähnelt.

Wir möchten, dass Sie genau diesen Blick entwickeln – einen Blick, mit dem Sie potenzielle Ähnlichkeiten zwischen Ihrer Geschichte und den Geschichten dieser Frauen erkennen können. Dies bewahrt Sie vielleicht davor, sich mit einem gefährlichen Mann einzulassen. Statt nach Wegen zu suchen, um sagen zu können, Ihr Mann sei nicht wie diese Männer: Wie wäre es, wenn Sie sich – nur für einen Moment – wirklich gestatten würden herauszufinden, ob es Ähnlichkeiten gibt? Wie wäre es, wenn Sie es zuließen, mit der durch diese Frage aufgeworfenen Ungewissheit zu leben? Mit der Tatsache zu leben, dass Sie im Augenblick vielleicht nicht wissen, ob er gefährlich ist oder nicht? Sagen Sie nicht voreilig, er sei es eindeutig nicht, denn wenn Sie ihn in Ihrem Kopf erst einmal als sicher etikettiert haben, hören Sie unweigerlich auf, weiter nach irgendwelchen Anzeichen von Gefährlichkeit zu suchen.

Die Geschichten können Ihnen Einsichten vermitteln, wenn Sie sich dafür öffnen, etwas über die Männer in Ihrer Vergangenheit und die Männer in Ihrem jetzigen Leben zu lesen, darüber nachzudenken und auf Ihr inneres Ich zu hören. Wie eine Frau, die an einem unserer Workshops teilnahm, sagte: »Ich glaubte nicht, dass mein Mann wie diese Männer ist. Ich wollte mich nur allgemein informieren. Aber ich nahm diese Informationen mit nach Hause und wurde einfach aufmerksamer. Ich bemerkte Dinge, die mich stutzig machten, woraufhin ich die Tatsache aufdeckte, dass er ständig mit anderen Frauen Affären hatte. Ich ließ mich scheiden. Aber das hätte ich nie getan, wenn ich mich geweigert hätte, überhaupt zu erkennen, dass er zu einer dieser Kategorien gehörte. Ladies, ihr müsst einfach offen sein.«

Zu diesem Zweck sind die mittleren Kapitel dieses Buches (Kapitel 3 bis einschließlich Kapitel 10) der Beschreibung gefährlicher Männer gewidmet sowie der Art und Weise, wie sie sich um Frauen bemühen, mit ihnen ausgehen und Beziehungen eingehen und sie schließlich heiraten. Darüber hinaus bieten diese Kapitel Verteidigungsstrategien, um solche Männer zu identifizieren, bevor man sich zu sehr mit ihnen einlässt. Zunächst jedoch lege ich in den Kapiteln 1 und 2 die Grundlagen für das Verständnis der weiteren Kapitel. In Kapitel 1 unterbreite ich eine Arbeitsdefinition dessen, was ich mit dem Ausdruck »gefährlicher Mann« meine, und ich gebe einen Überblick über die verschiedenen Kategorien gefährlicher Männer. Außerdem befasse ich mich mit der Frage, welche dieser Männer krankhafte Störungen haben. In Kapitel 2 zeige ich, dass Frauen über eine biologisch eingebaute »Alarmanlage« verfügen, die sie vor Gefahren aller Art warnt, und ich erörtere die Frage, wie und warum viele Frauen es bis auf den heutigen Tag zulassen, dass dieser innere Alarmmechanismus entschärft wird.

Kapitel 11 und 12 beschäftigen sich mit den Warnzeichen, die eine schlechte Partnerwahl anzeigen, mit der Frage, was vernünftige Grenzen und gesunde Beziehungen ausmacht, und untersuchen, wie Frauen sich mit ihren eigenen Verhaltens- und Denkmustern selbst sabotieren. Kapitel 11 enthält außerdem einen Fragenkatalog mit dem Titel: »Laufe ich Gefahr, mich weiterhin auf gefährliche Männer einzulassen?« Versuchen Sie anhand dieses Tests festzustellen, ob bei Ihnen die Gefahr besteht, dass Sie bei der Partnersuche immer wieder die falsche Wahl treffen.

Das letzte Kapitel des Buches, Kapitel 13, enthält Erfolgsgeschichten von Frauen und bietet eine Vision für Ihren eigenen Erfolg. Sie können es schaffen, sich künftig Männer auszusuchen, mit denen gesunde und bereichernde Beziehungen möglich sind. Das Kapitel zeigt, wie andere Frauen genau dies getan haben.

Schließlich finden Sie am Ende des Buches ein Verzeichnis mit nützlicher Literatur zum Thema und eine Liste einschlägiger Websites von Organisationen, wo Sie Hilfe bekommen. Dieses Buch soll Ihnen helfen zu erkennen, einzuordnen, zu wählen und zu verändern – aber ob Sie es tun oder nicht, hängt ganz von Ihnen ab. Wenn Sie sich in einer Geschichte wiedererkennen, wehren Sie sich nicht dagegen. Es bedeutet nicht, dass Sie »schlecht« sind; es bedeutet lediglich, dass Sie in der Vergangenheit eine ungesunde Wahl getroffen haben. Und daraus können Sie heute lernen. Sich zu weigern, aus Kummer und Erfahrung zu lernen, ist ungeheuer unergiebig. Der einzige Unterschied zwischen einer Frau, die nur einmal eine Beziehung mit einem gefährlichen Mann hatte, und einer Frau, die fünf gefährliche Freunde hatte, ist, dass die erste Frau unmittelbar nach ihrer schlechten Partnerwahl offen war zu lernen. Die zweite Frau verweigerte die Lektion, machte Ausflüchte oder versäumte es sonst wie, sich dem Lernprozess zu öffnen.

Als Therapeutin macht es mich traurig, wenn ich eine Frau in ihren Fünfzigern oder Sechzigern sehe, deren Leben eine einzige lange Serie von Verhältnissen mit gefährlichen Männern gewesen ist. Vielleicht fing sie als junge Frau an, indem sie sich mit einem verheirateten Mann einließ, setzte das dann fort, indem sie zehn Jahre mit einem Abhängigen verbrachte, dann fünfzehn Jahre mit einem psychisch kranken Mann und noch einmal fünf mit einem emotionalen Räuber. Nun, gegen Ende ihrer mittleren Jahre, blickt sie zurück auf ein Leben, dem selbst der kleinste Moment des Glücks und der Ausgeglichenheit, wie eine Beziehung sie bieten kann, fehlt. Sie fragt sich, ob sie in den verbleibenden Jahren tatsächlich noch jemanden finden könnte, der anders ist als die Männer, die ihre Vergangenheit ausgemacht haben. Sie ist wütend, weil sie das einzige Leben, das sie hatte, mit Warten und Hoffen darauf verschwendet hat, dass diese Männer sich ändern würden. Jetzt weiß sie: Solche Männer ändern sich nicht. Nur ihre Entscheidungen für oder gegen einen Partner können sich ändern. Der Kummer war ihr schlussendlich eine Lehre, aber sie brauchte dreißig Jahre, um sie zu beherzigen.

Kapitel 1: Wie kommt es zu einer ungesunden Partnerwahl?

Gefährliche Männer kommen in jeglicher Ausprägung und Gestalt vor. Sie stehlen sich in unser Leben, indem sie, zumindest anfangs, ungeheuer normal erscheinen. Es gibt keine weithin sichtbaren, blinkenden Neonschilder. Es gibt keine Einheitsbeschreibung, wie sie aussehen oder sich verhalten. Es gibt keinen verräterischen Karrieretypus, keine verräterische Augenfarbe oder Gesichtsform. Sie fallen nicht auf, sie sehen aus wie jeder andere Mann, mit dem wir zusammen sein könnten. Das bedeutet, es liegt ganz bei uns, sie zu erkennen. Aber zu viele Frauen haben Geschichten, die folgendermaßen anfangen: »Ich wusste nicht, dass er so ist. Ich habe die frühen Anzeichen nicht erkannt. Ich habe seine Geschichte geglaubt.«

Millionen von Frauen gehen Beziehungen mit Männern ein, die für sie ungesund oder sogar für ihre Seele und ihren Körper schädlich sind. Im persönlichen Erkennungssystem vieler Frauen muss es etwas geben, das falsch läuft. Doch oft merken die Frauen selbst davon nichts. Es sind eher die Frauen in ihrer Umgebung, die dann ungläubig fragen: »Hat sie nicht gewusst, dass er Frauen betrügt, Frauen schlägt? … ein Alkoholproblem hat? … eine dubiose Vergangenheit hat?« Wir scheinen ganz feine Antennen dafür zu haben, wenn das Leben anderer Frauen betroffen ist. Aber wenn es um unser eigenes Leben geht, sind unsere Antennen oft stumpf. Wir behaupten, die Wahrheit darüber zu kennen, was zwischen »gefährlichen« Männern und den Frauen, die sich mit ihnen einlassen, passiert, aber trotzdem haben wir Beziehungen mit »gefährlichen« Männern oder heiraten sie.

Männer, die uns nicht guttun, haben schon immer unter uns gelebt, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Es ist unrealistisch, sich vorzustellen, man warte auf ein »Partnersuche- und Ehe-Utopia«, wo eine Partnerwahl immer gut ausgehen wird. Deshalb ist es gut, wenn wir lernen, wie wir bei der Auswahl eines Partners Sicherheit gewinnen können. Es ist an uns, die Anzeichen für Männer, die für uns schädlich sind, zu kennen und diese Anzeichen dann auch zu beachten. Zu verstehen, wie diese Männer sich verhalten oder sich uns präsentieren, ist eine Lebenskunst, die uns helfen kann, diese Männer von uns fernzuhalten oder aus unserem Leben zu verbannen. Was man nicht erkennt, dem kann man nicht aus dem Weg gehen. Dieses Buch soll Ihnen helfen, die typischen Fallen bei einer ungesunden Partnerwahl zu erkennen und sich anders zu entscheiden.

Warum Frauen sich »gefährliche« Männer aussuchen

Lassen Sie mich zunächst genau definieren, wie ich die Bedeutung des Ausdrucks »gefährliche Männer« inzwischen verstehe. Ich verwende das Wort »gefährlich« zur Beschreibung jedes Mannes, der der seelischen, körperlichen, sexuellen oder spirituellen Gesundheit seiner Partnerin schadet oder der sie finanziell ausbeutet. Der Schaden, der einer Frau durch ihren Partner zugefügt werden kann, beschränkt sich nicht auf das Körperliche oder Sexuelle. Diese Wahrheit über gefährliche Männer übersehen Frauen gern. Sie verstehen nicht, was einen Mann über Gewalt hinaus gefährlich macht. Diese Männer schaden Frauen auf eine Vielzahl unterschiedlicher Arten, die wir erkennen müssen. Diese Definition verschafft uns eine breite Grundlage, auf der wir Männer, die uns auch seelisch geschadet haben, erkennen können. Manche Frauen erleiden durch ihre Beziehung zu einem gefährlichen Mann einen seelischen Zusammenbruch, von dem sie sich monate- oder jahrelang erholen müssen. Ich lasse die Definition mit Absicht weitgefasst, damit sie auch Grenzfälle einschließt, nämlich Männer, die vielleicht aktuell nicht gefährlich sind, die aber aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur jederzeit auf eine oder mehrere der oben aufgeführten Arten ihren Partnerinnen schaden können.

Natürlich fragen sich Frauen, warum sie sich solche Männer aussuchen. Während meiner gesamten Recherche stellten Frauen regelmäßig diese Frage. Liegt es daran, dass Frauen von Einsamkeit überwältigt werden? Liegt es an unserer früheren Angewohnheit, mit einer schlechten Wahl zufrieden zu sein? Sind wir darauf programmiert zu glauben, jeder sei recht? Mögen wir den Nervenkitzel, ein Verhältnis mit einem gestörten Mann zu haben? Führen schmerzhafte Scheidungen zu einem erhöhten Risiko, gefährliche Männer auszuwählen? Tragen ungünstige Konstellationen in unserer Herkunftsfamilie dazu bei, dass wir die falsche Wahl treffen? Warum sind wir eine Gesellschaft von Frauen, die Beziehungen mit gestörten Männern haben? Warum nehmen die häuslichen Gewaltdelikte gegen Frauen nicht signifikant ab? All dies wirft die folgenden Fragen auf: Haben wir gelernt, gefährliche Männer und die Art und Weise, wie sie in unser Leben treten, zu erkennen? Oder halten wir lediglich im Leben anderer Frauen nach gefährlichen Männern Ausschau? Verstehen wir selbst dieses Phänomen gut genug, und haben wir dieses Wissen bislang angewendet, um uns in dieser Hinsicht zu verändern?

Die Antwort auf diese Fragen muss lauten: »Nein.« Das Bewusstsein, dass gefährliche Männer wirklich existieren, scheint ein Wissen zu sein, das viele Frauen auf ihr eigenes Leben nicht anwenden. Das allgemeine Bewusstsein von der Existenz gefährlicher Männer hat Frauen anscheinend nicht helfen können. Könnte dies daran liegen, dass wir von unseren Müttern oder anderen älteren Personen zwar vor »schlechten Männern« gewarnt wurden, dass wir diese Warnungen aber sehr naiv und zu allgemein fanden, um daraus Nutzen zu ziehen? Fehlt es uns doch an speziellem Wissen, damit wir solche ungesunden Beziehungsangebote sofort erkennen und uns anders entscheiden? Was auch immer die Gründe sind, die Wahrheit ist, wir haben es als Familien, als feministische Bewegung oder als Gesellschaft nicht geschafft, Frauen über gefährliche Männer und die Mechanismen, die zu einer ungesunden Partnerwahl führen, aufzuklären. Wäre es uns gelungen, würden Frauen heute anders auf diese Männer reagieren.

Es wäre sehr viel einfacher, wenn wir einen einzigen »Typ« Frau definieren könnten, der sich zu gefährlichen Männern hingezogen fühlt. Dann könnten alle Frauen, die dieser Beschreibung entsprechen, erkannt und über gefährliche Männer aufgeklärt werden. Aber auf gefährliche Männer reinzufallen und sie als Partner auszuwählen ist eine weit verbreitete »Seuche«, die sich nicht auf irgendeine Gruppe stereotyp definierter Frauen beschränkt. Frauen jeglicher Couleur suchen sich gefährliche Männer aus. Ja, es gibt Kindheitserfahrungen, Familienstrukturen, auch Missbrauchsgeschichten oder Störungen in Familien, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Frau, die aus einer solchen Familie kommt, sich von gefährlichen Männern angezogen fühlt und sich auf eine Beziehung mit ihnen einlässt. (Einige dieser speziellen Themen, die Frauen betreffen, werden in Kapitel 2 über Warnsignale und in den Kapiteln über die verschiedenen Kategorien gefährlicher Männer ausführlicher behandelt.)

Bagatellisieren und verherrlichen

Ein Problem sind auch die vielen unangemessenen Bezeichnungen für solche Männer. So werden sie oft als »echter Mann«, »Schlitzohr«, »Hallodri« oder »schlimmer Finger« bezeichnet. Mit diesen Ausdrücken wird ihr schädliches Verhalten aber nur beschönigt. Wir sagen vielleicht: »Er ist ein bisschen grob« oder »Er hatte ’ne hart Zeit« oder »Er ist halt ein echter Kerl«. Wir reden in Gemeinplätzen, mit denen wir die Besonderheiten seines Charakters umschiffen, und erzählen lieber von anderen Dingen: wer seine Familie ist, welche Besitztümer er hat, wo er lebt oder was er beruflich macht. Wir bagatellisieren seine Vergangenheit, seine negativen Persönlichkeitsmerkmale oder das Fehlen eines starken Charakters. Wir tun diese Dinge als Schnee von gestern ab, als seien sie für sein gegenwärtiges und künftiges Verhalten ohne Belang.

Wir neigen dazu, gefährliche Eigenschaften bei Männern für »normal« zu halten. Dies war der Abwehrmechanismus, auf den Frauen bei meinen Recherchen am meisten zurückgriffen. Viele Frauen, die an meinen Workshops teilnahmen, klagten, wenn sie meine Beschreibungen gefährlicher Männer ernst nähmen, »wäre keiner mehr übrig, mit dem man eine Beziehung eingehen kann«. Dies bedeutet, dass viele Frauen gefährliche Verhaltensweisen als ein normales Muster für erwartetes männliches Benehmen akzeptieren. Ich erlebe oft, dass Frauen Verhaltensauffälligkeiten und psychische Probleme bei ihren Männern erkennen, dann aber anfangen, sich ausschließlich auf die anderen Aspekte der Beziehung zu konzentrieren, wie etwa seine Verfügbarkeit, seine Attraktivität, seine Fähigkeit, sie zum Lachen zu bringen, oder seine Hilfsbereitschaft. Frauen verpacken die Probleme von Männern neu und geben ihnen andere Bezeichnungen.

Natürlich ist nichts davon neu. Kinofilme aus allen Epochen haben dasselbe Thema bereitwillig aufgegriffen: Der »gefährliche« Mann kriegt die »normale« Frau. West Side Story stellt Maria mit einem Straßenrowdy dar. Dirty Dancing machte in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts dasselbe. Humphrey Bogart verkörperte häufig Typen am Rand der Gesellschaft. Jahrzehntelang wurden wir mit romantisierten Bildern von gefährlichen Männern gefüttert. Heute ist die Bilderflut im Fernsehen und auf der Leinwand suggestiver und einflussreicher denn je. Wir sehen Britney Spears, ursprünglich ein Mitglied des Mickey Mouse Club, einer von Disney produzierten Fernsehserie, wie sie auf dem Boden herumschlittert, umgeben von Typen, die sie an einer Hundeleine halten. Einige Eminem-Videos zeigen junge Frauen, die an seinem Arm hängen, während er droht, Leute umzubringen. Und was ist mit Whitney Houston, die Musikpreise gewinnt, sich aber nicht von dem sehr gefährlichen Bobby Brown, der sie misshandelte, lösen konnte? Oder mit Pamela Anderson, dem blonden Sexsymbol, die zu viele Jahre der Misshandlung durch Tommy Lee ertrug, bevor sie ihm endlich den Laufpass gab? Sie alle zählen zu den weiblichen Rollenbildern unserer Kultur, und der Umstand, dass sie bei gefährlichen Typen landeten, lässt ihre Wahl als annehmbar für Frauen erscheinen.

Entwickeln Sie Ihre eigene Sprache für das Gefährliche

Ein Grund, warum eine Frau mit vier oder fünf gefährlichen Männern zusammen sein könnte, bevor sie anfängt, sich für gesündere Beziehungen zu entscheiden, ist, dass wir als Frauen nicht unsere eigene Sprache benutzen, um gefährlich so zu definieren, dass wir es verstehen, oder so, wie wir das Gefährliche erlebt haben. Vielleicht haben wir bislang nach einer fremden Definition von gefährlich gelebt, sei es die eines Mannes, unserer Mutter, unserer Kultur oder der Medien. Woher unser Verständnis dessen, was einen Mann gefährlich macht, auch immer stammt – oft versäumen wir es, eine für uns hilfreiche Sprache zur Beschreibung dieser Männer zu finden. Eine personalisierte, auf unseren eigenen Erfahrungen beruhende Sprache ist der Schlüssel zur Veränderung unserer Verhaltensmuster. Wir müssen definieren, was gefährlich ist, um niemals wieder auf den Falschen reinzufallen wie früher.

Möglich, dass man uns als Heranwachsenden von »schlechten Männern« erzählt hat, aber um bei unserer Partnersuche im späteren Leben die richtige Wahl zu treffen, müssen wir ein persönliches »Wissen« entwickeln, das aus unserer Vorgeschichte stammt. Mit »Vorgeschichte« meine ich, dass wir bestimmte Charakterzüge entwickelt haben, die uns veranlasst haben, bei der Partnersuche so und nicht anders auszuwählen. Mit »Vorgeschichte« meine ich aber auch die Sprache, mit der wir Männer immer beschrieben haben, sowie unsere persönlichen Muster bei der Partnersuche. Es geht vor allem darum, diese Männer zu erkennen, bevor wir uns mit ihnen einlassen. Nur wenn wir unsere persönliche Vorgeschichte genau erforschen, werden wir die Vorstellung davon, was ein gefährlicher Mann ist, am konkreten Gegenüber festmachen können. Und wir können unsere Entscheidungen dann anders treffen. Auf diese Weise können die in diesem Buch bereitgestellten Informationen Frauen helfen, ihre Partnerwahl anders zu gestalten. Eine noch klügere Vorgehensweise wäre es, wenn wir ein Wissen entwickeln könnten, das auf den Erfahrungen beruht, die andere Frauen mit gefährlichen Männern gemacht haben, ohne dass wir die Erfahrung selbst machen müssen.

Hierzu werden die Kapitel 11 und 12 Ihnen helfen, gestörte Verhaltensweisen in Beziehungen mit gesunden Verhaltensweisen zu vergleichen und beide einander gegenüberzustellen. In diesen Kapiteln geht es auch darum, zu zeigen, wie notwendig vernünftige persönliche Grenzen sind. Kapitel 11 enthält außerdem einen wichtigen Fragenkatalog: »Laufe ich Gefahr, mich mit weiteren gefährlichen Männern einzulassen?« Sobald Sie mit den in den ersten zehn Kapiteln des Buches bereitgestellten Informationen gerüstet sind, werden Ihre Antworten auf die Fragen Ihnen verraten, ob das Risiko, dass Sie sich weiterhin gefährliche Männer aussuchen, bei Ihnen niedrig, mittelhoch oder hoch ist. Kapitel 13 schließlich enthält ein paar Erfolgsgeschichten von Frauen, die ihr Leben geändert haben und die heute die aus ihrer Vergangenheit gelernten Lektionen beherzigen, um zu vermeiden, sich weiter mit gefährlichen Männern einzulassen. Diese Frauen führen ein glückliches, erfüllendes Leben. Die Geschichten dieser Frauen sind der Beweis dafür, dass das Ziel, gesündere Beziehungen zu führen, auch für Sie zum Greifen nahe ist!

Kategorien gefährlicher Männer

Aufgrund meiner jahrelangen Arbeit mit gefährlichen Männern und den Frauen, die sich mit ihnen einlassen, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass solche Männer sich üblicherweise in bestimmte Kategorien gliedern lassen. Ich möchte Ihnen nun acht »heiße« Typen vorstellen, die darauf brennen, Sie kennenzulernen:

1. Die Klette: Es handelt sich um einen bedürftigen Mann, der sich gerne als Opfer ausgibt. Im Gegenzug widmet er Ihnen für die permanente Erfüllung all seiner Wünsche sehr viel Aufmerksamkeit. Mehr als alles andere fürchtet er Zurückweisung, weshalb er auf andere Menschen in Ihrem Leben eifersüchtig ist. Er bittet Sie, Ihr soziales Leben aufzugeben und ihn zu Ihrem einzigen Lebensinhalt zu machen. Er überzeugt Frauen davon, dass er verletzt worden ist und dass die Liebe einer Frau ihn heilen könne, wenn die Frau sich ausschließlich auf ihn konzentriere. Er droht vielleicht sogar damit, sich etwas anzutun oder über die Verletzung »niemals hinwegzukommen«, wenn Sie nicht tun, was er von Ihnen verlangt. Frauen haben das überwältigende Gefühl, dass diese Männer »ihnen alles Leben aussaugen«.

2. Das ewige Kind: Er will ein Elternteil, nicht eine Partnerin. Er braucht Sie so sehr. Genau genommen braucht er Sie, damit Sie sein ganzes Leben für ihn managen. Es fällt ihm schwer, die Dinge zu tun, die von einem Erwachsenen erwartet werden, wie zur Arbeit zu gehen, Entscheidungen zu treffen, beständig zu sein oder sich wie ein Erwachsener zu benehmen. Er überschüttet Sie mit grenzenloser Liebe, aber seine Fähigkeiten, das Alltagsleben zu meistern, sind sehr begrenzt.

3. Der emotional nicht verfügbare Mann: Er ist verheiratet, getrennt, verlobt oder hat noch eine andere Beziehung. Er präsentiert sich gewöhnlich als »unglücklich mit« oder »noch nicht ganz raus« aus einer Beziehung, und er ist nur allzu gern bereit, nebenher eine Affäre mit Ihnen anzufangen. Eine anderer Typus des emotional nicht verfügbaren Mannes ist der Mann, der unablässig an seine Karriere, Bildungsziele, Hobbys oder andere Interessen denkt, was ausschließt, dass er jemals ein echtes Interesse an einer langfristigen Beziehung haben wird. Für den emotional nicht verfügbaren Mann gibt es immer einen Grund, warum er sich nicht voll und ganz auf Sie einlassen kann, und gewöhnlich hält er Sie gern immer wieder hin. Schließlich ist die Situation vorteilhaft für ihn, solange Sie bereit sind, sich weiter mit ihm zu treffen oder »gelegentlich« mit ihm zu schlafen, trotz der Tatsache, dass er sich auf eine ernsthafte Beziehung mit Ihnen nicht einlassen kann oder will.

4. Der Mann mit dem heimlichen Leben: Er hat geheime andere Leben, zu denen Frauen, Kinder, Jobs, Süchte, kriminelles Verhalten, Krankheit oder andere Geschichten gehören können, die Ihnen verborgen bleiben. Erst viel zu spät in der Beziehung kommen Sie hinter diese heimlichen Leben, zu einem Zeitpunkt, wo Sie bereits in die Beziehung involviert sind und sie vielleicht schon seinen schädlichen Einfluss spüren.

5. Der psychisch kranke Mann: Er kann nach außen normal wirken, aber wenn man eine Weile mit ihm zusammen ist, wird offenkundig, dass »etwas nicht stimmt«. Den meisten Frauen fehlt der geschulte Blick, um genau zu erkennen, was nicht in Ordnung ist, aber je nach seiner Diagnose kann er Sie vielleicht überzeugen zu bleiben, weil er gesund genug wirkt, um die Aufmerksamkeit von seinem psychischen Problem abzulenken. Möglich, dass er Sie emotional in Geiselhaft nimmt, indem er behauptet, »alle« würden ihn verlassen, oder dass er ein solches Chaos in Ihrem Leben anrichtet und Sie derart aus der Bahn wirft, dass sie keine Möglichkeit finden herauszukommen.

6. Der Süchtige: Die meisten Frauen erkennen nicht im Voraus, dass er ein Suchtproblem hat. Manche Frauen erkennen die Sucht nie, oder sie verstehen sie falsch und halten ihn für einen »Typen, der halt auf Spaß und Genuss aus ist«. Dieser »Spaß« kann Sex, Pornografie, Drogen, Alkohol, Erlebnishunger, Glücksspiel, Essen oder Beziehungen beinhalten.

7. Der misshandelnde oder gewalttätige Mann: Er gibt sich anfangs sehr aufmerksam und großzügig. Aber dann erscheint Mr. Hyde – der kontrolliert, Vorwürfe macht, beschämt, verletzt, vielleicht schlägt. Frauen, die denken, Misshandlung komme nur in Form körperlicher Übergriffe vor, übersehen möglicherweise die Warnzeichen für andere Arten von Misshandlung. Misshandlung kann verbal, seelisch, spirituell, finanziell, körperlich oder sexuell sein oder sich auch gegen das Gesellschaftssystem und seine Regeln richten. Jede dieser Spielarten von Misshandlung wird in Kapitel 9 beschrieben. Bei einem misshandelnden oder gewalttätigen Mann kann alles passieren, wenn er bestimmt, dass er die Kontrolle hat, und er wird immer die Kontrolle haben. Und misshandelndes oder gewalttätiges Verhalten wird stets schlimmer im Laufe der Zeit. Was in den ersten Monaten Ihrer Beziehung vielleicht als gelegentliches Beschimpfen begonnen hat, kann sich schließlich zu tätlichen Angriff auswachsen. Es geschieht nach Monaten oder Jahren, in deren Verlauf eine Frau sich mit Gewalttätigkeit abfindet, die in der Regel immer schlimmer wird.

8. Der emotionale Räuber: Dieser Mann hat einen sechsten Sinn, was Frauen betrifft, und er weiß, wie er die Verletztheit einer Frau ausnutzen kann. Ich nenne ihn »emotionalen« Räuber, weil er auf seine Opfer Jagd macht, indem er ihre emotionalen oder seelischen Verletzlichkeiten anvisiert. Er kann Frauen wittern, die unlängst sitzen gelassen wurden, die einsam sind oder die emotional oder sexuell bedürftig sind. Er ist ein Chamäleon und kann alles anbieten, was irgendeine Frau von ihm haben will. Er hat eine sensible Antenne sowohl für die Körper- und Augensprache von Frauen als auch für die subtilen Botschaften hinter ihren Worten. Er kann auf Andeutungen über das Leben einer Frau reagieren und sich in das verwandeln, was sie in dem Moment braucht. Diese Männer können sich als zerstörerisch erweisen.

Darüber hinaus gibt es einen gefährlichen Typus Mann, den ich als Kombi-Pack-Mann bezeichne. Das ist jeder Mann, der die Kriterien für mehr als eine der oben aufgeführten Kategorien erfüllt. Zum Beispiel kann ein Süchtiger auch gewalttätig sein, oder ein Mann mit einem heimlichen Leben kann außerdem süchtig sein. Süchtige sind fast immer emotional nicht verfügbar. Kletten und ewige Kinder haben fast immer Probleme, die auf psychische Erkrankungen zurückgehen. Emotionale Räuber haben immer ein heimliches Leben, denn ihr Treiben zu verheimlichen ist schon der halbe Spaß. Viele Kombinationen sind möglich, und manche sind ziemlich vorhersehbar. Meistens ist ein Mann umso gefährlicher, in je mehr Kategorien er sich einordnen lässt. Jede einzelne Kategorie bringt ihre eigenen Tücken und Symptome mit sich, die diesen speziellen Typus Mann zu einer schlechten Wahl bei der Partnersuche machen. Aber man füge nur eine weitere Kategorie hinzu, eine weitere Tücke und eine weitere Liste von Symptomen, und schon hat man einen Mann, der für eine Frau wirklich gefährlich werden kann.

Fazit: Sollten Sie nach der Lektüre der obigen Liste Ihren angehenden oder aktuellen Partner in einer oder mehreren der obigen Kategorien sehen, so ist das ein Warnsignal. Ich spreche in diesem Buch viel über Warnsignale, womit ich gleich im nächsten Kapitel anfange. Es ist wahrscheinlich, dass jeder Mann, der es auf diese Liste schafft, Ihnen am Ende großen Kummer bereiten wird.

Was verursacht schädliche oder krankhafte Verhaltensweisen?

Warum Frauen eine ungesunde Partnerschaft eingehen, ist die eine Frage. Die andere Frage, die diese Frauen interessiert, ist, wie es zu diesen schädlichen Verhaltensweisen von Männern kommt. Und wir als Therapeuten wollen ebenfalls die Ursachen dieser Verhaltensweisen kennen. Es gibt unterschiedliche Theorien. Mein Studium von gefährlichen Männern hat mehrere gemeinsame Faktoren zutage gefördert, die ihre frühe emotionale Entwicklung beeinflussten: schwerer (oftmals sexueller) Missbrauch in der frühen Kindheit; starke Vernachlässigung, Eltern oder andere Angehörige mit chronischen Abhängigkeiten, psychischen Erkrankungen oder chaotischen Lebensstrukturen. Falls es sich um einen psychisch kranken Mann handelt, könnten auch chemische Prozesse im Gehirn eine Rolle spielen, was manche Fachleute annehmen. Traumatologen konzentrieren sich auf Ereignisse in der Kindheit – wie Missbrauch oder Vernachlässigung –, welche die frühe Entwicklung prägten. Neuropsychiater konzentrieren sich auf Kopftraumata und neurologische Schädigungen, die sich auf Emo­tionsregulation, zügellose Wut und Gewissenlosigkeit auswirken. Andere Spezialisten untersuchen das soziale Lernen: wie der Einzelne sein krankhaftes Verhalten durch familiäre Verhaltensmuster und die Entwicklung eines gestörten Rollenbildes »erlernte«.

Inzwischen glaube ich all diesen Theorien ein bisschen, je nach der persönlichen Vorgeschichte der Person. Aber das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, dass das »Warum« seines Problems für Sie weniger wichtig ist als das, was Sie bei ihrer Partnerwahl ändern wollen. Warum er eine traurige Geschichte hat, ist nicht die Frage, die Ihnen nachhaltig helfen wird. Die Vorgeschichte, also wie er zu seinen Problemen oder sogar seiner Störung kam, werden Sie niemals ändern. Sie werden niemals seine Physiologie oder seine schlechten Angewohnheiten ändern. Sie werden ihn durch Ihre Liebe niemals ungefährlich, psychisch gesund oder gar zu einem Heiligen machen. Das Einzige, worum Sie sich Gedanken machen sollten, ist, wie Sie entscheiden, was zu tun ist, wenn Sie auf einen Mann treffen, über den Sie herausfinden, dass er für Sie schädlich oder sogar gefährlich ist.

Um die Sprache und die diagnostischen Kriterien ein wenig zu erhellen, die von einigen Experten benutzt werden, um psychische Krankheiten oder Persönlichkeitsstörungen zu definieren, habe ich das Buch am Schluss um einen Anhang ergänzt, der die meisten der klinisch anerkannten psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen beschreibt.

Doch ich nehme diese Informationen mit einer Warnung auf: Stürzen Sie sich nicht zu sehr in den Versuch, Ihren Mann zu diagnostizieren. Wie ich oben schon sagte, ist es weniger wichtig herauszufinden, welche klinische Diagnose am besten auf ihn passt, als zu entscheiden, was Sie an Ihrem eigenen Leben ändern wollen. Die Tatsache, dass ein Teil dieser Diagnosen unter dem Begriff »Persönlichkeitsstörungen« geführt wird, ist sehr wichtig. Man nennt sie so, weil die Persönlichkeit gezwungen war, sich um umgebungsbedingte oder emotionale Defizite herum zu entwickeln. Man kann es auch umgekehrt sehen, nämlich dass die Persönlichkeit sich wegen der Defizite nicht richtig entwickelt hat. Wenn unsere Kindheit beendet ist, hat sich unsere Persönlichkeit bereits entwickelt, zum Guten oder zum Schlechten. Man kann im Nachhinein nicht mehr ändern, wie sie sich entwickelt oder nicht entwickelt hat. Bereiche, die sich im Kindesalter nicht entwickelt haben, erzeugen krankhafte Verhaltensweisen.

Die acht Kategorien »gefährlicher« Männer beziehen diejenigen mit ein, die man als psychisch krank diagnostizieren könnte. Manche Frauen haben versucht, mich davon zu überzeugen, dass gewalttätige Männer, Süchtige und emotional nicht verfügbare Männer gewiss gefährlich, aber nicht unbedingt krank seien. Die Wahrheit ist, dass sie in vielen Fällen beides sind. Dennoch: Falls Sie meinen, er sei bloß gefährlich und nicht krank, muss ich Sie fragen, warum sie in Erwägung ziehen sollten, selbst mit einem »bloß gefährlichen Mann« eine Beziehung einzugehen.

Der Grat, der »gefährliche« von »psychisch kranken« Männern trennt, ist sehr schmal. In manchen Fällen sind beide nicht voneinander zu unterscheiden. Beispielsweise hat ein gewalttätiger Mann fast immer eine nicht diagnostizierte Störung, oder seine Gewalttätigkeit wird oft von Drogen und Alkohol angeheizt. Süchtige können ebenfalls an einer Persönlichkeitsstörung leiden. Und was ist mit dem armen, unverstandenen verheirateten Mann? Was in aller Welt könnte an ihm krank sein? So ungefähr alles! Nur weil jemand anders beschloss, ihn zu heiraten, heißt das noch lange nicht, dass er nicht psychisch krank ist. Menschen mit bestimmten Arten von Persönlichkeitsstörungen neigen stärker dazu, sich sexuell auszuleben, als andere Bevölkerungsgruppen.

Man kann Persönlichkeitsstörungen noch auf andere Weise betrachten. Sie deuten darauf hin, dass die Person »zu viel« von etwas ist. Dies bedeutet, dass sie, was ihre Persönlichkeit oder ihre Verhaltensweisen anbelangt, unausgeglichen ist. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung beispielsweise deutet auf zu viel Emotionalität, zu viele instabile Beziehungen, zu viel Wut hin. Eine dissoziale Persönlichkeitsstörung bedeutet zu viel Gewissenlosigkeit, zu viel Draufgängertum, zu viel Instabilität. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung deutet auf zu viel Selbstfokus, zu viel Interesse an seinen eigenen Fähigkeiten hin.

Was sollten Sie tun, wenn Sie bereits eine Beziehung mit einem »gefährlichen« Mann haben?

Vielleicht haben Sie dieses Buch zur Hand genommen, weil Sie bereits eine Beziehung mit einem Mann haben, der Ihnen nicht guttut oder der Ihnen schadet. Frauen, die sich regelmäßig diese Art gefährlicher Männer aussuchen, sind oft Frauen, die nach Hintertürchen suchen, um zu rechtfertigen, dass sie bei ihrem Mann bleiben. Vielleicht haben Sie bis zu dieser Seite versucht, eine Ausrede zu finden, warum es in diesem Buch nicht um Ihre Beziehung geht? »Er ist nicht wirklich so.« »Niemand ist vollkommen – ich meine, auch ich habe meine Macken.« »Er ist nicht immer so – nur manchmal.« Welche mentalen Verrenkungen Sie auch immer angestellt haben, um bei ihm bleiben zu können oder um zu begründen, warum er Ihnen nicht schadet – jetzt ist der richtige Moment, um anzufangen, Ihre diesbezüglichen Ansichten zu hinterfragen. Vielleicht denken Sie: »Aber ich bin seit fünfzehn Jahren mit ihm zusammen!« Wenn ja, dann möchte ich Ihnen gern die folgenden Fragen stellen:

• Wie viele Jahre wollen Sie noch in eine ungesunde Beziehung investieren?

• Worin investieren Sie überhaupt?

• Wie werden die nächsten fünfzehn Jahre aussehen?

• Wie wird es Ihnen bis dahin gehen?

• Wieso wollen Sie einen »gefährlichen« Mann?

Dies sind wichtige Fragen, die Sie sich selber stellen müssen. Ehrliche Antworten können helfen, zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen. Zur Prüfung solcher Entscheidungen bedarf es oftmals der äußeren Einsicht eines Experten. Wenn Sie nicht weiterwissen und sich mit einer Entscheidung quälen, empfehle ich Ihnen, sich bei einer sozialen oder psychologischen Beratungsstelle oder bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten Hilfe zu suchen. Wenn Sie befürchten, dass Ihr Partner gewalttätig auf Ihren Trennungswunsch reagieren könnte, sollten sie sich auch in dieser Hinsicht Hilfe holen. Am Ende des Buches sind Adressen von Hilfsorganisationen aufgelistet, bei denen Sie sich jederzeit melden können und sollten, wenn es nötig ist.

Nicht alle Männer sind gefährlich

Leserinnen fragen sich jetzt vermutlich: »Gibt es auf diesem Planeten überhaupt irgendwelche gesunden Männer?« Ja, die gibt es – wenn Sie gesund sind! Und Sie werden sich mit ihnen einlassen können, wenn Sie bereit sind, all jene Männer zu identifizieren und aus ihrem Leben zu verbannen, die nicht gesund sind, damit Sie über die Zeit, die Energie und die seelische Gesundheit verfügen, sich auf die gesunden Exemplare zu konzentrieren. Der ganze Zweck dieses Buches ist es, Ihnen zu helfen, Ihre emotionalen Ressourcen freizusetzen, damit Sie erkennen, was Ihnen schadet, und damit Sie anfangen können, sich darauf zu konzentrieren, gesünder auszuwählen. Das ist die gute Nachricht. Dieses Buch kann Ihnen die Fähigkeit vermitteln, sich einen gesünderen Mann auszusuchen.

Ich betrachte es als großen Segen, dass mein erster Freund, Michael, ein vernünftiger junger Mann war. Es trug sehr viel dazu bei, dass ich später in der Lage war, meine weniger vernünftige Beziehung mit dieser, meiner ersten Erfahrung zu vergleichen und beide einander gegenüberzustellen. Ich hatte eine Mustervorlage dafür, wie gesundes Verhalten in einer Beziehung aussieht. Sobald ich merkte, dass ich mich bei einer Auswahl hatte treiben lassen, halfen die Erinnerung und die Erfahrungen aus jener frühen Beziehung mir, mich darauf zu konzentrieren, was funktioniert hatte und warum es funktioniert hatte. In Kapitel 11 werden wir uns einige Beispiele für vernünftige versus unvernünftige Verhaltensmuster in Beziehungen ansehen. Dieses Material sollte ein gutes Versuchsfeld für Ihre neuen Beziehungen bieten, um zu sehen, welche Verhaltensmuster vernünftigen Interaktionen entsprechen. In allen Beziehungen gibt es Probleme, das ist unvermeidlich, aber es ist wichtig, dass Sie erkennen, welche Probleme auf eine gesunde Beziehung hindeuten und bei welchen es sich um Kämpfe handelt, die typisch für ungesunde Beziehungen sind.

Eine gesunde Liebesbeziehung kann eine stärkende Erfahrung sein. Sie kann Ihnen helfen einzusehen, dass nicht alle Männer gefährlich sind. Es gibt einige liebevolle und wunderbare Männer da draußen, die nur darauf warten, Sie kennenzulernen. Aber zuerst müssen Sie die ungesunden Männer vertreiben, damit Sie schnurstracks auf die gesunden zugehen können. Dies schaffen Sie am besten, wenn Sie aufhören, Zeit und Energie mit Männern zu verbringen, die Ihnen nicht guttun.

Begegnung mit Tori

Tori ist unser erstes Beispiel für eine Frau, die sich mit einem gefährlichen Mann einließ. Wir werden an mehreren Stellen in dem Buch immer wieder auf Tori zurückkommen.

Wer könnte einem Vietnamveteranen widerstehen, der seinem Land gut gedient hatte? Der freiwillig nach Irland ging, um die inneren Unruhen dort zu bekämpfen, und für seine Überzeugungen inhaftiert wurde? Der Söldnerarbeit wie Missionierungsarbeit erscheinen ließ? Der sich Dichter nannte und klassische Literatur las, um »seine Seele zu besänftigen«? Der auf seiner Harley gen Westen fuhr, um sich selbst zu finden? Der an der Trans-Alaska-Pipeline arbeitete und auf leibliche Genüsse verzichtete, um sein ehrlich verdientes Geld heim zu seinem Kind zu schicken? Der seine Malocherexistenz als Ehre empfand und nur »Heim, Herd und Glück« brauchte? Meine Freundin Tori nicht. Sie konnte Jay nicht widerstehen, weder seiner von ihm selbst berichteten Vorgeschichte noch den Sprüchen, die er klopfte.

Ihre Geschichte, so typisch für Frauen, die sich für gefährliche Männer entscheiden, beginnt mit einer Frau von überdurchschnittlicher Intelligenz, die ein zu großes Herz hat. Was das Thema Psychologie betraf, war Tori keine Anfängerin. Sie war zur Therapie gegangen und war sogar mit einem Psychotherapeuten verheiratet gewesen. Sie war stolz darauf, fast jedes veröffentlichte Selbsthilfebuch gelesen zu haben. Aus diesen Gründen betrachtete sie sich nie als eine Frau, die gefährliche Männer anziehen würde, weshalb sie sich nie Sorgen machte. Und weil sie sich nie Sorgen machte, lernte sie niemals etwas über gefährliche Männer und verstand es noch weniger, vor ihnen auf der Hut zu sein. Da zu dieser Grundhaltung noch unendliche Geduld und eine stets optimistische Einstellung, dass jeder irgendwann sein volles Potenzial ausschöpfen werde, kam, war Tori ein wehrloses Opfer für eine Beziehung mit einem gefährlichen Mann.

Zu viele Frauen sind davon überzeugt, dass sie pathologische, gewalttätige, psychisch kranke oder andere gefährliche Männer weder anziehen noch von ihnen angezogen werden. Aber das hat sich als unwahr erwiesen. Sogar Tori mit ihrem Wissen über Therapie und Psychologie wehrte sich gegen die Vorstellung, dass ihr Mann gestört sei, als ich es ihr nahelegte. Jay »sähe nicht aus«, als sei er gestört. Wo bleibe die geifernde, schlurfende Erscheinung mit dem gläsernen Blick des extrem Geistesgestörten, der medizinisch behandelt wird? Da diese Symptome fehlten, blieb sie noch ein Jahr bei ihm. In diesem Jahr prüfte sie ihn eingehend, als befände er sich unter einem Mikroskop, ohne jedoch die Symptome, die da waren, zu sehen. Sie wartete, dass sich mitten auf seiner Stirn das dritte Auge zeigte, bevor sie ihn zum »unmöglichen« Partner erklären würde. Sie wollte, dass sich ein offenkundiger Hinweis zeigte, dass er eine Störung habe. Dabei entwickelt sich eine psychische Störung normalerweise ziemlich schleichend, zumindest am Anfang.

Sobald Tori zu der Überzeugung gelangte, dass Jay wahrscheinlich tatsächlich gefährlich war, spielte sie eine ganze Zeitlang zunächst mit dem Gedanken, dass »er sich erholen könnte, wenn er nur zur Therapie ginge«. Tori wollte lieber glauben, dass Jahrzehnte psychologischer Forschung zu rücksichtslosen Männern in seinem Fall nicht beweiskräftig seien. Auch sie weigerte sich – wie zu viele Frauen – zu glauben, dass jemand mit Jays Naturell permanent gestört sei. In den Kapiteln 2 und 10 können Sie mehr über Tori lesen.

Jede Frau muss selbst entscheiden, was sie tun wird, wenn sie direkt mit einem gefährlichen Mann konfrontiert wird. Werden Sie reagieren wie Tori? Werden Sie

• zu lange brauchen, um die Anzeichen und Symptome für einen gefährlichen Mann zu erkennen?

• sie erkennen, aber trotzdem weiter an ihm interessiert sein oder mit ihm zusammen sein?

• seine Probleme bemerken und dann wünschen und hoffen, dass er gesund wird?

• Ihre Energie auf den Versuch verwenden, ihn zu einer Therapie zu bewegen?

• mit ihm zusammen sein, obwohl er sie emotional aussaugt?

Oder werden Sie es anders machen?

Ich glaube nach wie vor, dass viele Menschen sich ändern und weiterentwickeln können. Ansonsten hätte ich dieses Buch nicht geschrieben. Ich habe es geschrieben, weil ich glaube, dass Frauen, die bislang immer wieder mit gefährlichen Männern zusammen waren, lernen können, andere, gesündere, sprich: vernünftigere, Entscheidungen bei der Partnerwahl zu treffen.

Ich habe viele Frauen gesehen, die sich später selbst ein besseres Leben geschaffen haben, durch Veränderung und Entwicklung!

Damit dieses Buch sich in irgendeiner Form nachhaltig auf Ihre Fähigkeit auswirkt, Männer, die Ihnen schaden, zu entdecken, bevor Sie sich mit ihnen einlassen, werden Sie mit Ihrem eigenen Glaubenssystem bezüglich solcher Männer ringen müssen. Sie werden sich jedweder inwendigen Neigung, inakzeptables Verhalten auf Seiten der Männer, mit denen Sie zusammen sind, zu bagatellisieren oder zu verherrlichen, bewusst werden müssen. Sie werden Ihre Warnsignale wieder verstehen und ernst nehmen müssen. Sie werden sich bewusst machen müssen, dass es Männer gibt, die sich auf Dauer nicht positiv verändern werden. Werden Sie die Herausforderung annehmen?