Hans-Joachim Simm (Hg.)

Und ich sah einen neuen Himmel

Jenseitsvorstellungen in den Religionen der Welt

Patmos Verlag

INHALT

Vorbemerkung

Vedismus

Rig-Veda: Bitte an den flammenden Soma um seliges Leben – Drei Fluchlieder

Ās’valāyanagṛhya-Sūtra: Leichenverbrennung und Bestattung

Upanishaden: Der Weg zu Atman-Brahman – Das Eingehen in Brahman und die Erlösung – Jenseits von Gut und Böse

Hinduismus – Sikhismus

Śvetāśvatara-Upanishad: Höher noch ist das Höchste Brahman

Bhagavad Gītā: Was ist das höchste Selbst

Buddhismus

Majjhima-Nikāya: Und weil es eben ein Jenseits gibt – Solchen Gemütes, innig, geläutert – Erstaunlich, o Herr, außerordentlich ist es – Die Götterboten

Chinesische Religionen – Konfuzianismus – Daoismus – Zen-Buddhismus – Shintoismus

Buch der Riten: Sobald jemand gestorben war

Das kanonische Liederbuch der Chinesen: Wildenten sind am Kingstrom weit

Buch der Riten: Die provisorische Ahnentafel eines Verstorbenen

Das kanonische Liederbuch der Chinesen: Der König Wen ist in der Höh – Am günst’gen Tag, gereinigt, bringst du

Daode jing: Die Erkenntnis des Dao als des Ewigen ist aller Weisheit Anfang

Dschuang Dsï: Die Reise ins Jenseits

Wang Jih siu: King t’u wen, die Schrift über das Reine Land

Hui Neng: In diesem Moment ist nichts, was kommt

Jainismus

Viyāhapannatti: Die Daseinskette

Uvavāiya: Die Befreiten und ihre Stätte

Tibetischer Buddhismus

Das Tibetische Totenbuch: Der Pfad der guten Wünsche zur Errettung aus dem gefährlichen engen Durchgangsweg des Bardo

Der XIV. Dalai Lama: Logik der Liebe

Mesopotamische Religionen

Gilgamesch-Epos: Neunte bis Elfte Tafel

Zoroastrismus – Mithraismus

Avestā: Tod und Bestattung

Hā dōkht Nask: Die Seele nach dem Tod

Avestā: Wo sind die Werke

Yasht: Die letzten Dinge

Ägyptische Religion

Pyramidentexte: Der Fährmann – Spruch am Himmelstor – Der Tote als Gefährte des Morgensterns

Sargtexte: Spruch für das Gelangen zu Orion – Der Tote erscheint als zauberreicher Gott – Wunsch nach der Wandelbarkeit der Gestalt – Totenklage aus einem ramessidischen Grab

Ägyptisches Totenbuch: Vom Heraustreten der Seele in das Tageslicht

Judentum

Toten- und Ahnenkult

Die individuelle Zukunftserwartung

Das Völkergericht

Das künftige Heil

Jesaja: Die neue Weltordnung

Ezechiel 1: Da tat sich der Himmel auf

Maleachi 4: Denn siehe, es kommt ein Tag

Äthiopischer Henoch: Die Himmels- und Unterweltreisen

Der Sohar: Die drei Seelenglieder nach dem Tode

Griechische Religion

Homer: Odyssee (Die Nekyia)

Hesiod: Theogonie

Platon: Phaidon (Leben im Jenseits)

Plutarch: Über die Seele

Plotin: Vierte Enneade (Über die Unsterblichkeit der Seele)

Keltische Religion

Máel Muire Othain: Nachrichten über den altirischen Totengott Donn

Imram Bráin: Die Reise Bráns

Römische Religion

Vergil: Aeneis (Aeneas’ Abstieg in die Unterwelt)

Cicero: Tusculanische Gespräche

Christentum

Das Neue Testament: Offenbarung des Johannes

Offenbarung des Petrus

Augustinus: Bekenntnisse

Hildegard von Bingen: Das Buch vom verdienstlichen Leben

Meister Eckhart: Von der Stadt der Seele

Martin Luther: Ein Sermon von der Bereitung zum Sterben

Gnosis – Mandäer – Manichäismus

Poimandres

Das Perlenlied

Rechter Ginzā: Die jenseitige Welt

Psalm an die Seele

Islam

Der Koran: Sure 45 (Warnung an die Ungläubigen) – Sure 81 (Das Einhüllen) – Sure 82 (Die Spaltung)

Sahieh al-Bukharī: Der Gläubige wird sich auf das Treffen mit seinem Schöpfer freuen

Germanische und nordische Religion

Die Lieder-Edda: Völuspā (Die Weissagungen der Seherin)

Die Prosa-Edda: Ein zweiter Sohn Odins ist Balder – Hermod reitet ins Totenreich

Bahai-Religion

Baha’u’llah: Ährenlese

Das Buch der Gewißheit

Anmerkungen und Nachweise

Vorbemerkung

»Dem stumpfen Narren kommt die Überfahrt nicht in den Sinn, / Der von der Güter Blendwerk sich betäuben ließ. / Er denkt: ›Diesseits ist die Welt, die jenseits gibt es nicht!‹ / So fällt er wiederkehrend meiner Herrschaft zu«, warnt der Gott Yama, in seiner Unterweisung über das Geheimnis der Unsterblichkeit, Naciketas, den Sohn des Brahmanen Vājaśravas.

In den Religionen der Welt nehmen die Vorstellungen über das Jenseits von Beginn an einen herausragenden Platz ein. Am Anfang stand eine anschauliche Bildwelt, standen detaillierte Beschreibungen jenseitiger Räume, die geographisch lokalisiert waren. Im Lauf der historischen Entwicklung der Religionen fand eine Abstraktion und Vergeistigung dieser ursprünglich konkreten Orte statt.

So haben Naturreligionen das Jenseits noch nahe an die wahrnehmbare Wirklichkeit gebunden, an die Gräber selbst sowie an Höhlen, Bäume oder Flüsse. Mit der Zeit entstanden in den Mythologien und in frühen Glaubenssystemen genaue Topographien des Jenseits, die in besondere Seelenlandschaften ausgeprägt wurden: Paradies und Hölle, Elysium und Hades, Walhall und Hel – Stätten des Gerichts, der Belohnung oder Bestrafung und der Gnade. Dabei war der Übergang zwischen Diesseits und Jenseits oft fließend, indem die Orte dieser Welt auf die andere projiziert wurden. Ebenso spiegelten sich soziale Strukturen der Lebenswelt im Totenreich und in seinen Hierarchien wider.

Die vorliegende Sammlung enthält Texte über das Jenseits aus den Religionsschriften, vom Vedismus, Hinduismus und Buddhismus über die antiken Religionen bis zu den großen Monotheismen. Dabei werden sowohl die Unterschiede sichtbar als auch die Zusammenhänge und Übereinstimmungen des Nachdenkens über die Seele und ihr Weiterleben nach dem Tod, ihren Weg in die andere Welt, der Bestattungsriten, Himmelsreisen und Unterweltbegegnungen, der Offenbarungen, Visionen und Erlösungshoffnungen, der Frage nach der Auferstehung, der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, dem ewigen Leben oder der Wiedergeburt. In der Zusammenschau der Auffassungen über das Jenseits tritt nicht nur Vergleichbares, Analoges, ja Identisches und zugleich ganz Verschiedenes zu Tage, sondern es werden auch direkte Synkretismen erkennbar, im Zusammenfließen religiöser Ideen unterschiedlicher Herkunft. Die Entstehungsbedingungen und Begegnungsformen der Religionen und ihrer Jenseitsvorstellungen werden deutlich, sei es daß sie durch Wanderungen der Völker oder gleichzeitig entstanden sind, oder aber durch Verdrängungen, wie beispielsweise im Verhältnis des Vedismus zu der seinerzeit existierenden Industalkultur, durch Integration aus politischem Kalkül, wie im römischen Imperium, das die Mithrasverehrung und andere Mysterienkulte, wie den Fruchtbarkeitskult der kleinasiatischen Göttin Kybele als Magna mater pflegte. Die Übernahme und Angleichung älterer Religionsformen ist im Tibetischen Buddhismus, der Elemente der zur Zeit seiner Einführung vorherrschenden Bön-Religion aufnahm, offenkundig. Von weitreichender Bedeutung ist der Einfluß des Zoroastrismus auf die späteren hellenistischen, insbesondere gnostizistischen Religionsbewegungen, mit der Symbolik von Licht und Finsternis, der Polarität von Gott und Teufel, Gut und Böse auch auf das Christentum.

Selbst wenn mit dem zunehmenden Abstrakterwerden des Gottesbegriffs auch die Bilder vom Jenseits an Konkretheit verlieren, bleibt grundsätzlich in allen Glaubensrichtungen der Gedanke der Transzendenz und die Sehnsucht nach einer Welt wirksam, die über das Diesseits hinausreicht: »Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde«, heißt es in der Offenbarung des Johannes. Die Beschreibungen der Orte des Jenseits verweisen allesamt auf die Fähigkeit des Menschen, über sich selbst hinauszudenken, das Unfaßbare zu erfassen, es bildhaft darzustellen, und damit auf den Wunsch, auch das letzte Geheimnis zu ergründen. So sind die betreffenden Schriften keineswegs als bloße Phantasiezeugnisse zu betrachten, sie sind als eine eigene literarische Gattung zu verstehen, die Auskunft gibt über die jeweilige ethnische Verfaßtheit der Regionen, in denen sie entstanden, sowie über Entwicklung kultureller und religiöser Vorstellungen.

Viele Themen und Motive zeigen sich durchgehend in den unterschiedlichen Religionen, so die Beschreibung der Orte der Götter, in Himmelsregionen, in der Unterwelt und zwischen den Welten. In fast allen Religionen finden sich Totenbegleiter, Geleiter ins Jenseits, in Gestalt von Göttern selbst, wie dem Hermes psychopompos, von vergöttlichten Menschen oder von Tieren mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Auch das Zurückkommen oder Zurückgeholtwerden aus dem Totenreich ist ein übergreifendes Motiv, am bekanntesten in den Mythen von Orpheus, von der mesopotamischen Ischtar, dem japanischen Izanagi, aber auch in der keltischen Religion, wenn die Sonne, die den Menschen ins Jenseits geleitet, den Helden Cuchulainn sogar dreimal aus dem Jenseits zurückführt. Belohnung oder Bestrafung im Jenseits, wie sie in den meisten Religionen gedacht werden, sind die grundlegenden ethischen Aspekte des Lebens nach dem Tode.

Markante Anweisungen zum rechten Leben und zum rechten Sterben werden in allen Religionen gegeben, sie finden sich in der Bhagavad Gītā, im Ägyptischen und im Tibetischen Totenbuch, im Alten und im Neuen Testament und noch in Martin Luthers Sermon von der Bereitung zum Sterben.

Die Vorbereitungen auf das Jenseits bestimmen stets auch die rechte Art und Weise des diesseitigen Lebens, denn so wie in den frühen Religionen das Jenseits eine Projektion des Diesseits darstellte, wird umgekehrt das Jenseits mehr und mehr zur Richtlinie für das Verhalten im Diesseits. Daher spielen Bestattungsrituale eine wichtige Rolle, schon im Vedismus, der den Ritus der Bestattung und die Totenopfer detailliert beschreibt, aber auch in der altägyptischen Religion, im Zoroastrismus, in den chinesischen Religionen, bei den Etruskern, den Kelten, den Germanen und im römischen Reich, wo der Ahnenkult nicht nur den Familienzusammenhalt über die Generationen hinweg sichern sollte, sondern geradezu staatstragend wurde.

Die entscheidende Frage im Zusammenhang mit dem Jenseits ist die nach dem Schicksal der Seele (in manchen Religionen auch des Körpers) der Verstorbenen unmittelbar nach dem Tod. Vor dem Zugang zum Paradies oder der Verbannung in die Hölle, dem Betreten des Elysiums oder dem Vergessenwerden im Hades, dem Erreichen des alles auflösenden Nirvāṇa oder dem Absturz in die finstere Hundehölle stehen Zwischenbereiche, in denen der Tote sich zunächst noch einmal zu bewähren hat, so im Tibetischen Totenbuch mit dem detailliert beschriebenen Bardo, einem Zwischenzustand, der beides ermöglicht, den Aufstieg oder den Absturz, im Zoroastrismus mit dem Bild einer Brücke, über die die Seelen zu gehen haben, um entweder in die Hölle zu stürzen oder das blühende Jenseits zu erreichen.

Im alten Ägypten herrschte die Vorstellung eines Jenseitsgerichts vor, bei dem die zu Lebzeiten ausgeführten Taten auf eine Schale der Seelenwaage gelegt werden, deren Gegengewicht eine Feder der Göttin Ma’at darstellt. Im Katholizismus ist es die Lehre vom Purgatorium, dem Fegefeuer, das die Seelen reinigt und sie dem Himmel zuführt, sei es nach dem Jüngsten Gericht oder unmittelbar nach dem individuellen Tod.

Jenseitsreisen sind ein weitverbreitetes Motiv, von den Trancereisen der Schamanen bis zu Elias’, Paulus’, Mohammeds und anderer Fahrten in den Himmel. Anschaulich wird die Jenseitsreise, die Begegnung mit dem Schattenreich der Unterwelt in der berühmten Nekyia der Odyssee oder bereits im Gilgamesch-Epos beschrieben, aber auch im germanischen Mythos von Balder oder dem keltischen Brán – ein Motiv, das in der Literatur eine große und breite Tradition entfaltete, von Vergil über mittelalterliche Aeneas-Romane bis zu Dantes Divina commedia und Goethes Faust.

In den Jenseitsvorstellungen aller Religionen kommt der Gedanke eines universalen Gesetzes der Gerechtigkeit und der kosmischen Ordnung zum Ausdruck, das außerhalb der göttlichen und menschlichen Welt existiert und diese bestimmt, wie es die ägyptische Ma’at verkörpert, die sumerische Satzung Me oder das hinduistische Dharma darstellt. Die Forderung nach rechtem Denken, Reden und Handeln, wie sie explizit der Zoroastrismus und der Buddhismus erheben, gilt letztlich für alle Religionen.

Vedismus

Die vedische Religion wurde zwischen 1600 und 1400 v. Chr. von indo-iranischen Einwanderern aus Zentralasien in den Norden Indiens eingeführt, wo sie die bestehende Industalkultur verdrängte. Der Vedismus kennt, innerhalb der einen, für alle gültigen Weltordnung (ta), eine große Zahl von Göttern. Sie bezeichnen, wie Agni (Feuer, Licht, Intelligenz1), Vāyu (Wind), Sūrya (Sonne), Naturerscheinungen oder, wie Indra (höchster Gott, Quelle der Fruchtbarkeit), Varuṇa (himmlische Ordnung, Herrscher der Nacht2), Mitra (Freund, Herrscher des Tages), Strukturen der Weltordnung.

Kultisches Zentrum des Vedismus ist das Opfer, von Priestern, den Brahmanen3, durchgeführt. Durch den Ritus, insbesondere das Opfer an Agni, wird die als chaotisch empfundene Welt der Asuras, der ›Titanen‹ oder Dämonen, zum Kosmos umgestaltet, von den beschützenden Göttern, den Devas, geordnet. Im Feueropfer werden Schöpfung, Zerstörung und Neuschöpfung symbolisiert. Innerhalb der Opferrituale kommt dem Somaopfer eine besondere Bedeutung zu. Der Soma (avestisch: haoma) ist der Trank des ›Nicht-Todes‹ (amta), der kulturgeschichtlich vermutlich an die Stelle des indoeuropäischen Nadhu-Trankes (des indogermanischen Met) getreten ist. »Wir tranken Soma, wurden nun unsterblich, / erlangten Glanz und fanden auch die Götter; / Was kann uns schaden nun der Bösen Rotte? / Unsterblicher, des Sterblichen Gewalttat?«4 Allen Menschen steht ein Paradies offen, das Land der Väter (pitloka), die himmlische Totenwelt. Dies gilt jedoch vornehmlich für die Wohlhabenden, die reiche Opfer darbringen können. So werden die gesellschaftlichen Verhältnisse des Diesseits in gewisser Weise auf das Jenseits übertragen. Sogar die Götter sind nicht unsterblich, sie müssen gegen den Tod ankämpfen.

Die Gläubigen erhofften sich nach dem Tod eine Wiedervereinigung mit den Ahnen im Jenseits. »Man glaubte in der rigvedischen Zeit […] an eine Art automatisches Weiterleben im Himmel der Vorväter und König Yamas5 oder der Götter. Der Verstorbene […] lebte im Jenseits von den ›guten Werken‹ (suktá), die er im diesseitigen Leben durch beständiges Opfern und durch Gaben (iṣṭāpūrtá) an die Dichter und Priester erworben hatte. Eine Hölle, wie im späteren Hinduismus und Buddhismus, gab es dagegen noch nicht, nur einen schrecklichen dunklen Ort ohne Essen und Trinken und Nachkommen. Er drohte denjenigen, die sich gegen die vedischen Normen vergangen hatten: Mördern von Dichter-Priestern, ›Tötern der Kuh‹ (d. h. der Dichtung) oder Zauberern, deren Vergehen und Bestrafungen ausführlich beschrieben sind. Diese des Nachts ausschwärmenden dunklen Gestalten, fliegenden Werwölfe und als Eulen, Geier und Hunde getarnten Unholde sollen von Indra mit zermalmender glühender Waffe ›wie Töpfe‹ zerschmettert werden.«6 Der Tote erhält durch die Leichenverbrennung einen neuen, besseren Körper. Um ein vollkommen himmlisches Leben zu führen, muß die Seele den Körper und die Lebensfunktionen wiedererlangen. Bereits durch rituelle Übungen in diesem Leben, durch Tapas7, kann der Übergang aus dem Diesseits in die andere Welt vorbereitet werden.

Die grundlegenden Schriften der vedischen Religion bestehen aus den geoffenbarten Sammlungen (Saṃhitās): g-(Rig-)Veda (Hymnen an die Götter, Ritualtexte), Yajur-Veda (Opfersprüche), Sāma-Veda (Lieder) und Atharva-Veda (Zaubersprüche).

Diesen folgen die Brāhmaṇas (Ritual- und Opfertexte), die Āraṇyakas (sogenannte Waldbücher) und die Upanishaden (Geheimlehren, philosophische Ausdeutungen des Veda) sowie ferner Sūtras (Ritualanweisungen). Die älteren Upanishaden thematisieren unter anderem die Frage nach dem Leben im Jenseits. Die Brāhmaṇas hatten bereits die Vorstellung eines Wiedertods (punarmtyu) ausgebildet, wonach im Jenseits ein erneuter Tod möglich ist, der aber überwunden werden kann durch Erkennen. Die Upanishaden entwickelten daraus die Lehre von der Seelenwanderung und der Wiedergeburt sowie die Idee der Selbstverantwortung des Menschen für ein künftiges Leben: Jede Handlung bewirkt ein Karma, das ursächlich die folgenden Existenzformen bestimmt. Die philosophischen Reflexionen der Upanishaden über die Einheit, die aller Vielfalt zugrunde liegt, und die zu erreichende Identität von Brahman (der höchste Geist des Absoluten) und Ātman (das wahre Selbst, das Wesen des Selbst), leiten bereits zu Gedanken des Hinduismus über. Besonders die Śvetāśvatara-Upanishad8 wird als ›Tor‹ zum Hinduismus betrachtet.

Rig-Veda

Bitte an den flammenden Soma9 um seliges Leben10

Wo unauslöschlich Licht erglänzt,

wo Himmelsglanz entzündet ist,

An den Ort bring mich, flammender,

der ewig, unvergänglich ist.

Wo König ist Vivasvats11 Sohn,

und wo des Himmels Heiligtum,

Wo ewig strömt des Wassers Born,

da mache du unsterblich mich.

Wo man durch Wunsches Kraft sich regt

am dritten höchsten Himmelsdom,

Wo glanzbegabt die Räume sind,

da mache du unsterblich mich.

Wo Wunsch zugleich Erfüllung ist,

und höchster Ort dem Flammenroß,

Wo Sehnsucht und Befriedigung,

Da mache du unsterblich mich.

Wo Freude, Lust und Wonne thront,

wo Fröhlichkeit und Seligkeit,

Wo sich der Lust Verlangen stillt,

da mache du unsterblich mich.

Drei Fluchlieder12

Bitte an Indra-Soma um Vertilgung der Frevler und Dämonen

Verbrennt, versenkt, o Indra-Soma, das Gespenst,

o Stiere stürzt, die sich des Dunkels freun, herab;

Zerbrecht der Toren Hälse, senget nieder sie,

zerschlagt, zerstoßt, zertretet die gefräßigen.

Den Bösewicht verbrühe selbst des Frevels Glut

o Indra-Soma, wie der Topf, der überkocht,

Werft ew’gen Haß auf jeden, der die Beter haßt,

der Fleisch verschlingt, von graus’gem Anblick, schurkenhaft.

Die Übeltäter, Indra-Soma, stürzt hinab

in Finsternis und in des tiefsten Brunnens Grund,

Daß auch nicht einer aus der Tiefe wiederkehrt;

das wirke siegend eure ungestüme Kraft.

Vom Himmel schleudert, Indra-Soma, eur Geschoß,

das von der Erde tilge den, der Böses sinnt;

Aus den Geklüften bildet euren Himmelsblitz,

mit dem ihr trefft das hochgewachsne Nachtgespenst.

Vom Himmel, Indra-Soma, schleudert nun herab

die gluterhitzten Steingeschosse beide ihr,

Gesellt der jungen blitzversehnen Schar, verstoßt

die Fresser in den Abgrund, laßt verstummen sie.

Euch, Indra-Soma, möge dies Gebet umfahn,

wie rings des Leibes Gurt ein Rossepaar;

Den Anruf, den ich um euch lege weisheitsvoll,

und diese Bitten segnet wie ein Herrscherpaar.

Gedenkt an uns auf euren schnellen Gängen doch,

die bösen Geister, die Zerbrecher, tilget aus;

O Indra-Soma, nimmer sei dem Frevler Glück,

der voller Arglist jemals Feindschaft uns erweist.

Bitte um Vertilgung der Frevler und Lügner

Wer mich, wenn ich nichts Arges denkend wandre,

mit lügenhaften Zornesworten anfährt;

Wie Wasser; das mit hohler Hand gefaßt wird,

sei nichtig er, der Nicht’ges spricht, o Indra.

Wer den, der arglos redet, tückisch anfällt,

den glücklichen beschädiget mit Absicht,

Den soll der Schlange Soma überliefern

und in den Schoß des Untergangs ihn setzen.

Wer uns die Kraft des Trunks verdirbt, o Agni,

der Roß und Rinder und der eignen Leiber,

Der fall in Not, der Feind, der Dieb, der Räuber,

der mög’ verkümmern an sich selbst, an Kindern.

Verkümmern mög’ er an sich selbst, an Kindern,

tief lieg’ er unter den drei Erden13 allen;

Verschrumpfen möge dessen Macht, o Götter,

der uns bei Tag, bei Nacht zu schaden trachtet.

Der weise Mann weiß klar zu unterscheiden,

wenn wahre Red’ und Lüge sich bekämpfen;

Was wahr ist, was das bessere von beiden,

das fördert Soma, Unwahrheit vertilgt er.

Nicht wahrlich liebt den falschen Heuchler Soma,

noch den, der Herrschaft trügerisch behauptet;

Er schlägt den Nachtgeist und er schlägt den Lügner;

sie beid’ erliegen unter Indras Andrang.

Wenn, Agni, ich ein falscher Spieler wäre,

wenn heuchlerisch die Götter ich verehrte; –

Doch warum zürnst du uns, o Wesenkenner14?

Die Lügenredner laß ins Elend stürzen.

Heut will ich sterben, wenn ich Zauber übte,

und wenn ich quälte eines Menschen Leben,

Drum gehe seiner Freunde der verlustig,

der lügnerisch mich einen Zaubrer nannte.

Der mir dem reinen »Zaubrer bist du« sagte,

der selbst ein Unhold »heilig bin ich« prahlte,

Den töte Indra mit der großen Waffe,

tief unter alle Wesen sink er nieder.

Fluch wider die dämonischen Geister

Die gleich der Eule in der Nacht einherschleicht,

mit trügerischem Sinn den Leib verbergend,

Die sinke tief in bodenlose Brunnen,

und Steine mögen schmetternd sie erschlagen.

Verteilet euch, o Maruts15, in den Häusern;

sucht auf, ergreift, zermalmt die bösen Geister,

Die Vögeln gleich hinschwirren durch die Nächte,

und die mit Schmutz bewerfen heil’ges Opfer.

Vom Himmel schleudre deinen Pfeil, o Indra,

den Soma schärfte, schärf ihn neu, o Mächt’ger,

Von vorn, von hinten, oberwärts, von unten

erschlag die bösen Geister mit dem Felsstück.

Es rennen dort die hundegleichen Geister,

zu schäd’gen Indra, ihn, den niemand schädigt;

Der starke schärft für Böse seine Waffe,

jetzt schleudre er den Blitz auf die Gespenster.

Indra war der Vernichter der Zaubergeister und der Opferstörer,

die sich wider ihn rotten;

der starke greift die, welche des Nachts spuken,

an wie ein scharfes Beil den Waldbaum,

wie wenn er Trinkbecher zerbräche.

Den Käuzchengeist, den Uhugeist vernichte,

den Hundegeist, den Kuckucksgeist erschlage,

Den Vogelunhold und den Geierdämon,

wie mit dem Mühlstein triff die Geister, Indra.

Nicht möge uns der Zaubrer Wut erreichen,

fort jag’ er die gepaarten Frevelgeister,

Vor ird’scher Not beschütze uns die Erde

und vor der himmlischen behüt die Luft uns.

Den männlichen Bezaubrer töte, o Indra,

das Weib auch, das mit Zauberei sich brüstet;

Die Götzen tilge, die mit krummen Hälsen,

nicht mög’ die Sonn’ sie sehen, wenn sie aufgeht.

Blick hin, blick um dich, o Indra und Soma,

seid wachsam, werft euren Mordstrahl auf die Gespenster,

euren Donnerkeil auf die Zauberer.

Ās’valāyanagṛhya-Sūtra16

Leichenverbrennung und Bestattung17

Wenn ein Mann, der das heilige Feuer angelegt hat, sterben sollte, so soll er gen Osten, Norden oder Nordosten18 ausziehen. Die Feuer verlangt es nach dem Dorf, so sagt ein Sprichwort, sie segnen ihn, um wieder ins Dorf zu kommen, und möchten ihn gesund machen, so steht geschrieben. Wieder genesen, soll er Soma, ein Tier oder ein einfaches Opfer opfern und heimkehren, oder auch ohne zu opfern. Wenn er aber stirbt, so lasse man ein Stück Erde aufgraben in südöstlicher oder südwestlicher Richtung, so daß die Grube südwärts oder südostwärts geneigt ist. Einige sagen südwestwärts geneigt. So groß ein Mann mit emporgehobenen Armen ist, so lang sei sie, ein Klafter breit, eine Spanne tief. Die Leichenstätte biete nach allen Seiten einen freien Ausblick und sei mit vielen Pflanzen bewachsen. Pflanzen mit Dornen und mit Milchsaft soll er mit den Wurzeln ausgraben und entfernen […]. Wo nach allen Seiten Wasser abfließt, das ist das erforderliche Merkmal für die Leichenstätte als Verbrennungsplatz.

Haupthaar, Bart, Körperhaare und Nägel beschneiden sie dem Toten […]. Reichlich Streugras und Schmelzbutter besorge man. Die Schmelzbutter mengt man in diesem Fall in saure Milch, das ist das Opferschmalz für die Väter.

Nun bringen sie nach dieser Gegend die Feuer und die Opfergeräte, hinterdrein bejahrte Männer in ungerader Zahl und ohne ihre Frauen den Toten. Einige sagen auf einem Wagengestell, das mit Rindern bespannt ist. Als Tier für das Totenopfer eine Kuh oder eine einfarbige Ziege. Einige sagen: eine schwarze. Am linken Vorderfuß fesseln sie sie und treiben sie hinter ihm. Hinterdrein die Angehörigen mit der heiligen Schnur unterhalb der Schulter, mit losen Haaren, die Ältesten zuvorderst, die Jüngsten zuletzt. Nachdem sie so an der Stätte angelangt sind, besprengt der Bestatter mit einem S’amīzweige19 dreimal nach links herumgehend den Platz mit Wasser, indem er spricht: »Geht fort, geht auseinander, zerstreut euch! Ihm haben die Väter diese Stätte bereitet. Yama gewährt ihm einen Ruheplatz, verschönt durch Tages- und Nachtwechsel, durch die Regenzeit.« (Rig-Veda X 14,9). Am südöstlichen Rand der Grube setzt er das Opferfeuer, auf dem nordwestlichen das Hausfeuer, auf dem südwestlichen das südliche Feuer. Dann schichtet innerhalb des Feuerplatzes einer, der es versteht, den Holzstoß. Nachdem sie auf diesem heiliges Gras und ein schwarzes Tierfell, mit den Haaren nach oben, hingebreitet haben, legen sie den Toten darauf, indem sie ihn links vom Hausfeuer heranbringen, und zwar so, daß sein Haupt dem Opferfeuer zugekehrt ist. Zu seiner Linken legen sie die Frau und einem Adeligen seinen Bogen. Ihr Schwager, der die Stelle des Gatten vertritt, oder ein Schüler oder ein alter Diener heiße sie aufstehen mit dem Vers: »Erhebe dich, o Weib, zu der Welt der Lebenden. Du liegst neben einem Toten, komm! Du bist eingetreten in diesen Ehestand mit dem Gatten, der deine Hand ergreift und dich besitzen will« (RV X 18,8). Wenn der ungebildete Diener sie aufstehen heißt, soll der Bestatter den Vers murmeln. Den Bogen nimmt er mit dem Vers: »Den Bogen nehme ich aus der Hand des Toten, für uns zur Macht, zum Ruhmesglanz, zur Stärke. Du dort, wir hier, wir wollen als tapfere Männer alle Widersacher und Feinde überwinden« (RV X 18,9). Bei einem Ungebildeten gilt das Gesagte. Nachdem er die Sehne aufgezogen hat, soll er, bevor er die letzte Schicht geschichtet hat, den Bogen zerbrechen und ihn darauf werfen.

Dann lege er folgende Opfergeräte hinzu. In die rechte Hand des Toten den Opferlöffel, in die linke die Upabhrt20, an die rechte Seite das Holzmesser, an die linke den Löffel für das Agnihotra21, auf die Brust den Dhruvālöffel22, auf das Haupt die Schalen, auf die Zähne die Preßsteine, an die Nasenlöcher die beiden Sruvalöffel23. Wenn nur einer vorhanden, indem er ihn zerbricht. An die beiden Ohren die beiden Prās’itraharana24. Wenn nur eines vorhanden, indem er es zerbricht. Auf den Bauch den Holztopf und den Becher, in den die abgeteilten Opferportionen kommen, auf den Schoß den Pflock, die beiden Reibhölzer auf die beiden Oberschenkel, Mörser und Stößel auf die beiden Unterschenkel, auf die Füße die beiden Getreideschwingen, wenn nur eine vorhanden, indem er sie zerschneidet. Die vertieften Geräte füllen sie mit gesprenkelter Butter. Den unteren und oberen Mahlstein nehme der Sohn nach Hause, ebenso alle Geräte von Kupfer, Eisen und Ton. Nachdem er die Netzhaut der toten Kuh herausgezogen hat, bedecke er damit Kopf und Gesicht des Toten mit den Worten: »Mit den Kuhteilen lege dir einen Panzer gegen das Feuer um, decke dich mit Fett und Schmer zu, damit dich nicht der dreiste, lüsterne Agni, kühn geworden, mit seiner Glut umarme, um dich zu verbrennen!« (RV X 16,7) Die beiden Nieren nehme er heraus und lege sie in die beiden Hände des Toten mit den Worten: »Eile an den beiden Hunden, den Saramāsöhnen25, den vieräugigen, gefleckten vorüber auf dem richtigen Wege und gelange zu den leicht zu findenden Vätern, die mit Yama an der Tafelrunde schwelgen!« (RV X 14,10) In die Rechte die rechte, in die Linke die linke. Das Herz auf sein Herz. Nach einigen auch zwei Mehlklöße in seine Hände. Nur beim Fehlen der Nieren, so sagen andere. Nachdem er die ganze Opferkuh Glied um Glied darübergelegt und mit dem Fell zugedeckt hat, segnet er die Weihwasserschale mit den Worten: »Kippe, o Agni, diesen Becher nicht um. Dieser Becher, der den Göttern und den somawürdigen Manen lieb ist, der die Trinkschale der Götter ist, aus ihm zechen die unsterblichen Götter.« (RV X 16,8). Indem er das linke Knie beugt, opfere er im südlichen Feuer Butterspenden mit den Worten: »Dem Agni! Amen! Dem Liebesgott! Amen! Der Welt! Amen! Der Gnade! Amen!« Eine fünfte Butterspende auf die Brust des Toten mit den Worten: »Aus diesem wurdest du geboren, möge er aus dir geboren werden, N N26, für die Himmelswelt. Amen!«

Er gibt den Befehl: Zündet gleichzeitig die Feuer an. Wenn das Opferfeuer den Leichnam zuerst erreicht, so soll man wissen, daß es ihn jetzt in der Himmelswelt erreicht hat. Jener wird dort glücklich sein, ebenso dieser Sohn hienieden. Wenn ihn das Hausfeuer zuerst erreicht, so soll man wissen, daß es ihn jetzt in der Luftwelt erreicht hat. Jener wird dort usw. Wenn das südliche Feuer ihn zuerst erreicht, so soll man wissen, daß es ihn jetzt in der Menschenwelt erreicht hat. Jener wird dort usw. Bei gleichzeitigem Erreichen nennen sie das das höchste Glück. Während er verbrennt, segnet der Bestatter ihn in gleicher Weise mit den Worten: »Zieh hin, zieh hin auf den alten Pfaden, auf denen unsere Vorfahren gegangen sind. Beide Könige, die sich der Seligkeit erfreuen, den Yama und den Gott Varuṇa, wirst du schauen.« (RV X 14,8)

»Komm dort im höchsten Himmel mit den Vätern, mit Yama zusammen, mit deinen Opfern und guten Werken. Alles Fehlerhafte zurücklassend kehre zu deinem Hause zurück an, nimm einen Leib an, in Schönheit erstrahlend!« (RV X 14,8)

»Eile vorbei« usw. (RV X 14,10)

»Deinen beiden Wächtern, o Yama, den vieräugigen Hunden, den wachsamen Pfadhütern, denen empfiehl ihn, o König, und verleih ihm Wohlsein und Gesundheit!« (RV X 14,11)

»Verbrenn ihn nicht, o Agni, brenn ihn nicht an, versenge nicht seine Haut, nicht seinen Leib! Wenn du ihn gar gemacht haben wirst, o Jātavedas27, dann entlaß ihn zu den Vätern!« (RV X 16,1)

»Wann du ihn, o Jātavedas, gar gemacht haben wirst, dann übergib ihn den Vätern! Wenn er die Reise ins Jenseits machen wird, dann soll er Höriger der Götter werden.« (RV X 16,2)

»In die Sonne soll das Auge gehen, die Seele in den Wind; geh in den Himmel und geh zur Erde je nach der Bestimmung. Oder geh ins Wasser, wenn dir dort beschieden ist, oder wohne mit deinen Gliedmaßen in den Pflanzen!« (RV X 16,3)

»Der Bock ist dein Anteil, den verbrenne mit deiner Hitze, den soll eine Glut verbrennen, ihn deine Flamme. Was deine freundlichen Formen sind, o Jātavedas, mit denen führe ihn in die Welt der Frommen!« (RV X 16,4)

»Gib ihn, o Agni, wieder heraus den Vätern, der dir geopfert jetzt nach eigenem Ermessen wandelt. Wieder Leben annehmend soll er seine Hinterbliebenen aufsuchen, er soll einen Leib bekommen, o Jātavedas!« (RV X 16,5)

»Was der schwarze Vogel an dir genagt hat, die Ameise, die Schlange oder ein wildes Tier, Agni der Allfresser soll das wieder heil machen und der Soma, der in die Brahmanen eingegangen ist.« (RV X 16,6)

»Pūṣan28 soll dich von hinnen befördern, der kundige Hüter der Welt, dem kein Vieh verloren geht. Er möge dich diesen Vätern überbringen, Agni den leicht auffindbaren Göttern.« (RV X 17,3)

»Der das ganze Leben begleitende Lebensgeist soll dich behüten, Pūsan soll dich auf der weiten Reise vorangehend schützen! Wo die Frommen wohnen, wohin die gegangen sind, dorthin soll dich Gott Savitr29 bringen.« (RV X 17,4)

»Pūsan kennt alle diese Himmelsgegenden genau, er soll uns auf gefahrlosestem Wege führen, der Heilgebende […], durch den die Männer heil bleiben, der Wachsame soll vorausgehen des Weges kundig.« (RV X 17,5)

»Auf dem weiten Weg der Wege ward Pūsan geboren, auf dem weiten Weg gen Himmel, auf dem weiten Weg auf der Erde. Zu beiden liebsten Heimatstätten geht er hin und her des Weges kundig.« (RV X 17,6)

»Kriech unter bei dieser Mutter Erde, der geräumigen, gütigen! Ein junges Mädchen zart wie Wolle ist sie für den, der Priesterlohn gibt. Sie soll dich schützen vor dem Schoß der Vernichtung.« (RV X 18,10)

»Wölbe dich empor, o Erde, drücke ihn nicht, gewähre ihm gute Unterkunft, guten Unterschlupf. Wie die Mutter ihren Sohn mit dem Rockzipfel, so bedecke ihn, o Erde!« (RV X 18,11)

»Sich aufwölbend soll die Erde fein feststehen, denn tausend Pfeiler sollen angebracht werden. Dies Haus soll in Schmalz schwimmen und ihm allezeit, hier Schutz gewähren.« (RV X 18,12)

»Ich stemme die Erde über dir empor. Indem ich diese Scholle niederlege, möchte ich selbst nicht zu Schaden kommen. Diese Säule sollen dir die Väter halten, Yama soll dir hier Häuser bauen!« (RV X 18,13)

»Für die einen klärt sich der Soma, andere warten auf das Schmalzopfer. Für die der Honigtrank fließt, auch zu denen soll er der Tote eingehen.« (RV X 154,1)

»Die durch Kasteiung unbezwingbar, die durch Kasteiung zum Himmelslicht gegangen sind, die durch Kasteiung sich Ruhm erwarben, auch zu denen usw.« (RV X 154,2)

»Die in den Schlachten kämpfen, die als Helden ihr Leben opferten, oder welche tausendfältigen Lohn den Priestern gaben, auch zu denen usw.« (RV X 154,3)

»Auch die, welche früher das Gesetz pflegten, wahrten, mehrten, zu den sich kasteienden Vätern, o Yama, auch zu denen usw.« (RV X 154,4)

»Die Seher, die tausend Weisen kennen, die die Sonne bewachen, zu den sich kasteienden, in Kasteiung neugeborenen Rishis30, auch zu denen usw.« (RV X 154,5)

»Die zwei breitnasigen Lebensräuber, die […] Boten des Yama gehen unter den Menschen umher. Die sollen uns jetzt hienieden das schöne Leben wieder schenken, auf daß wir die Sonne sehen können.« (RV X 14,12)

Wer von einem sachkundigen Mann verbrannt wird, der geht schon mit dem Rauch gen Himmel, so steht geschrieben. Nordöstlich vom Opferfettier grabe er eine knietiefe Grube und lasse eine Sumpfpflanze Avala31, S’īpāla oder ähnliche hineinlegen. Von dort kommt er heraus und geht zugleich mit dem Rauch gen Himmel, so steht geschrieben. Der Bestatter spricht den Vers:

»Diese Lebenden sind jetzt von den Toten geschieden. Unser Gebet war heute erfolgreich. Wir sind jetzt zu Tanz und Scherz weitergegangen, noch recht lange unser Leben ausdehnend.« (RV X 18,3) Bei diesen Worten gehen sie linksum kehrend fort, ohne sich umzusehen. Kommen sie an einen Ort, wo stehendes Wasser ist, so tauchen sie einmal unter und auf, gießen eine Handvoll Wasser aus, indem sie seinen Familiennamen und seinen Namen aussprechen, steigen aus dem Wasser, legen andere Kleider an, die ersten einmal ausdrückend, lassen sie mit dem Saum nach Norden zum Trocknen liegen und bleiben sitzen, bis die Sterne sichtbar werden. Oder wenn noch ein Rest der Sonne sichtbar ist, sollen sie sich heimbegeben, die Jüngsten zuvorderst, die Ältesten zuletzt. Wenn sie zu Hause angelangt sind, bohren sie den Stein, das Feuer, Kuhmist, geröstete Körner, Sesamkörner und Wasser. In dieser Nacht sollen sie keine Speise kochen, sondern von gekaufter oder fertiger leben. Drei Nächte lang sollen sie nichts Scharfes oder Gesalzenes essen […]

Das Sammeln der Totengebeine findet nach der zehnten Nacht der dunklen Monatshälfte an einem der ungeraden lunaren Tage unter einem einfachen Sternbild statt. In einem Krug ohne Verzierungen und ohne Zitzen den Mann, in einem Krug ohne Verzierungen mit Zitzen die Frau, und zwar tun es bejahrte Männer in ungerader Anzahl ohne ihre Frauen. Mit milchgemischtem Wasser besprengt der Bestatter mit einem S’amīzweige, dreimal nach links herumgehend, die Stätte mit den Worten:

»O kühle Erde mit kühlen Pflanzen, o erfrischende mit erfrischenden Pflanzen, vereinige dich fein mit dem Froschweibchen32 und erfreue diesen Agni!« (RV X 16,14)

Jeden einzelnen Knochen sollen sie mit dem Daumen und vierten Finger einlegen in den Krug, ohne zu klappern, zuerst die Füße, den Kopf zuletzt. Nachdem sie sorgfältig gesammelt und mit einer Schwinge von der Asche gereinigt haben, sollen sie an einer Stelle, wo von keiner Seite Wasser zuläuft, abgesehen von dem Regenwasser, den Krug dort in einer Grube beisetzen mit den Worten: »Kriech unter« usw. (RV X 18,10) Mit dem folgenden Vers (s. o.) soll er Sand hinabschütten. Nachdem er ihn hinabgeschüttet hat, spreche er folgenden Vers (s. o. RV X 18,11). Nachdem er mit dem Vers: »Ich stemme dir die Erde usw.« (s. o. RV X 18,13) den Krug mit einer Scherbe zugedeckt hat, kehren sie, ohne sich umzusehen zurück, und nachdem sie sich mit Wasser benetzt haben, sollen sie ihm eine Totenspende darbringen.

Upanishaden

Der Weg zu Atman-Brahman33

Denn durch Wahrhaftigkeit, durch heißes Bemühen ist dieser Ātman zu erlangen, durch ganzes Erkennen, durch Keuschheit zu jeglicher Zeit. Denn im eignen Innern ist er ein schimmerndes Lichtwesen, welches die Büßer, deren Sünden getilgt sind, sehen können.34

Nicht wird er mit dem Auge erfaßt, noch mit dem Wort, nicht35 mit anderen Göttern, nicht durch Kasteiung und Opferwerk. Wer aber durch Ungetrübtheit der Erkenntnis reinen Herzens ist, der schaut ihn dann, sich in den Ungeteilten versenkend.36

Dieser Ātman kann nicht durch Belehrung erfaßt werden, nicht durch Geistesgabe noch durch viel Gelehrsamkeit. Nur wen er sich erwählt, der kann ihn erfassen; dem enthüllt sich selbst dieser Ātman.37

Das Eingehen in Brahman und die Erlösung38

Wie die fließenden Ströme im Meere verschwinden, indem sie Namen und Form ablegen, so geht der Weise, von Namen und Form erlöst, in den himmlischen Geist ein, der höher als das Höchste ist. Wer nämlich das höchste Brahman kennt, der wird selbst zu Brahman. In seiner Familie wird keiner geboren, der das Brahman nicht kennt. Er überwindet den Schmerz, überwindet das Übel, von den geheimen Herzensknoten39 befreit, wird er unsterblich.40

So wie diese fließenden, dem Meere zueilenden Ströme, wann sie das Meer erreicht haben, verschwinden, und ihre Namen und Form vergehen und es nur noch das Meer heißt, so verschwinden die sechzehn Bestandteile41 des Schauenden, deren Ziel der Geist ist, wenn sie in den Geist eingegangen sind, und ihre Namen und Form zergehen, und es heißt nur noch Geist. Er wird teillos, unsterblich.42

Jenseits von Gut und Böse43

Ihn quält nicht mehr der Gedanke: welches Gute habe ich nicht getan, welches Böse habe ich getan? Der, welcher solches weiß, befreit seine Seele von diesen beiden. Denn von diesen beiden befreit seine Seele, wer solches weiß. (Taittirīya-Upanishad)44

Es wird der Herzensknoten und alle Zweifel werden gelöst; alle seine Werke werden ausgetilgt, wer ihn, der zugleich jenseits und diesseits ist, erschaut. (Muṇḍaka-Upanishad)45

Wie an einem Lotusblatt das Wasser nicht haftet, so haftet keine böse Tat mehr an dem, der also weiß. (Chāndokya-Upanishad)46

Wenn das Dunkel verschwunden, dann gibt es weder Tag noch Nacht, nicht Seiendes noch Nichtseiendes, nur glücklich ist er. (Śvetāśvatara-Upanishad)47

»In mir ist die ganze Welt entstanden, auf mir ruht das All. In mir vergeht alles, ich selbst bin das zweitlose Brahman48.

Kleiner als klein bin ich und ebenso werde ich groß. Ich bin die ganze bunte Welt. Ich bin der Alte, ich der Geist, der Herr, ich bin ganz golden, ich das Brahman von glückbringender Erscheinung.

Ohne Hand und Fuß bin ich doch von unbegreiflicher Stärke, ich sehe ohne Augen, höre ohne Ohren. Ich bin wissend, und nicht gibt es einen gesonderten Kenner von mir. Ich bin immerdar Erkenntnis.

Für mich gibt es nicht mehr Gut und Bös, nicht Verwesung, nicht Geburt, Leib, Sinne und Vernunft.

Für mich gibt es nicht Erde, nicht Wasser und Feuer, nicht Wind, nicht Äther.«

Wer also die Form des höchsten Ātman erkannt hat, den im Verborgnen ruhenden, teillosen, zweitlosen, den allem zuschauenden, der frei von Sein und Nichtsein ist, der geht ein in die reine Form des höchsten Ātman. (Kaivalya-Upanishad)49

Hinduismus – Sikhismus

Mit dem Sammelbegriff »Hinduismus« werden die religiösen Formationen des traditionellen Indiens benannt. Die Inder selbst nennen ihre Religion Sanātana dharma (das absolute und ewige Weltgesetz). Sie zeichnet sich durch eine große Pluralität der Glaubensformen aus. Der Veda, die geoffenbarten Schriften (Śruti) des Vedismus, wird von allen Hindus anerkannt, und Ähnlichkeiten zwischen den unterschiedlichen religiösen Richtungen gibt es bei der Lehre von Leben, Tod und Erlösung (mokṣa). Sie wird erreicht durch das Beenden der Folge von Wiedergeburten, das Entrinnen aus dem Saṃsāra. Voraussetzungen dafür sind Liebe (bhakti), Handeln (karma) und Erkenntnis (Jñāna).

Nach hinduistischer Auffassung entwickelt sich die Welt in Perioden, die sich wiederholen und deren jede vier Zeitalter umschließt, die jeweils zur Verschlechterung der Lebensverhältnisse führen: vom »Goldenen Zeitalter« (kta) bis zum Kālī-Yuga, der Zeit des Verfalls. Ein großer Brand am Ende des letzten Zeitalters zerstört die Welt. Nach einer Ruhephase beginnt dann der Weltprozeß erneut. Die Entwicklung des Kosmos wird als Folge einer göttlichen Wechselwirkung gedacht, die sich in einer Dreigestalt (trimūrti) manifestiert: Brahma als erschaffende Energie, Vishnu als Bewahrer und Shiva als Verkörperung des zerstörenden Feuers. Das von den Brahmanen begründete Kastensystem prägt die soziale Ordnung, die religiöse wird vom Karmagedanken, der Wiedergeburtslehre und dem Glauben an einen höchsten Gott (Indra) in einem polytheistischen Götterhimmel bestimmt. Dem Menschen soll nach seinem Tod mit bestimmten Riten zum Übergang in die Welt der Väter (pitloka), das Reich des des Totengottes Yama (Yamaloka), in das Paradies (Indraloka) verholfen werden. Hier entsteht der Mensch neu, ausgestattet mit einem jugendlichen Körper. Ohne Totenritual vermag er nicht in die Jenseitswelt zu gelangen, dann wird er ein gefährlicher Geist (preta)1, der den Lebenden auflauert. Trotz der vielfachen Höllenvisionen spielt die Vorstellung der Hölle, die der Totengott Yama beherrscht, im Hinduismus eine untergeordnete Rolle. Sowohl im Himmel als auch in der Hölle ist der Aufenthalt nicht ewig. Die endgültige Erlösung übersteigt beide Orte. »Hölle ist das Ausdehnen von Tamas (Trägheit, geistige Dunkelheit), Himmel ist das Ausdehnen von Sattva (innere Harmonie, Einheit mit dem Selbst).«2

Das altindische Epos Mahābhārata ist, neben dem Rāmāyaṇa, das bedeutendste indische Erzählwerk, entstanden wohl zwischen dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem 4. Jahrhundert n. Chr. Hier werden die vedischen Anschauungen über Erlösung und Unsterblichkeit neu überdacht. Der Himmel des Brahman ist nicht manifest; selbst der Tod verliert sich in ihm. Aus diesem Jenseits sind alle Wesen entstanden, und in ihm werden sie wieder vergehen. Dies erkannt und damit Wissen um das Selbst erlangt zu haben verleiht – fast paradoxerweise – Unsterblichkeit. Eingefügt in das Mahābhārata ist unter anderem das religionsphilosophische Gedicht Bhagavad Gītā (»Gesang des Erhabenen«), das die Ideale der hinduistischen Weltanschauung fokussiert, in der Metaphysik (»Wer in der Todesstunde mein gedenkend scheidet aus dem Leib, / Der gehet in mein Wesen ein, darüber kann kein Zweifel sein.«3) ebenso wie in der Ethik (»Dreifältig ist das Höllentor, wodurch die Seele geht zugrund: / Begierde, Zorn und Habsucht sind’s – darum laß fahren diese drei!«4). Die Konsequenz für das Diesseits ist aber nicht Passivität, sondern rechtes Handeln, das nicht dem Eigennutz dient.

In den reformerischen, aufgeklärten Lehren Srī Rāmakrishnas (1836–1886) sowie seines Nachfolgers Svāmī Vivekānanda fand das hinduistische Gedankengut einen überzeugend modernen, entschieden humanistisch geprägten Ausdruck.

Der Sikhismus ist eine synkretistische Verbindung hinduistischer Vorstellungen (Geburtenkreislauf, Karmalehre, Erlösung durch Liebeshingabe an Gott) und islamischer Lehren (Verehrung nur eines Gottes, Bilderverbot). Die Religion der Sikhs wurde Ende des 15. Jahrhunderts in Nordindien von Guru Nānak (1469–1538) begründet. Das Gurū Granth Sāhib5, das als göttlich verehrte, heilige Buch der Sikhs, stellt den Novizen Erlösung in Aussicht, und zwar durch Meditation über Gottes Namen und das Eintauchen in Gottes Sein, ohne daß Kaste, Ritual oder Asketentum eine Rolle spielen. Gott ist der Erhalter und Zerstörer – sogar des Todes. Er ist nicht verwickelt in die Māyā6. Er ist der Herrscher, ewig, omnipräsent und allwissend, jenseits der Meßbarkeit, Aussprechlichkeit oder sichtbaren Vorstellung. Er ist die Quelle des Lichts, der Schönheit und der Barmherzigkeit.

Der Kosmos der Sikhs ist in drei Bereiche gegliedert: Himmel, Erde und Unterwelt. Als »Sac Khazug« bezeichnen die Sikhs das »Reich der Wahrheit«; die fünfte und endgültige Stufe des spirituellen Aufstiegs wird »Sac Khand« (›Himmel‹) genannt, die Wohnung des Einen ohne Form, in der die Gläubigen die Vereinigung mit Gott erreichen. Die Welt und die Lebewesen (und die Seelen) sind wirklich, aber nicht ewig; sie sind aus Gott entstanden und werden wieder in ihn zurückkehren. Zwar glauben auch die Sikhs, wie die Hindus, an die Wiedergeburt, doch ist es nach ihrer Lehre möglich, schon im gegenwärtigen Leben die »Mukti« (hinduistisch: mokṣa), die Erlösung aus dem Kreislauf, zu erreichen: »Auf dem unermeßlich langen Weg ins Jenseits / begleitet dich Gottes Name als Proviant. / Auf der Strecke, wo Sandstürme und tiefe Finsternis alles verdunkeln, / ist Gottes Name deine einzige Leuchte. / Auf dem Pfad, wo keiner dich kennt, / ist Gottes Name dein unverkennbares Erkennungszeichen. / Wo versengend brennende Hitze dich peinigt, / ist es Gottes Name, der angenehm kühlen Schatten über dich ausbreitet. / Wo innerer Durst deinen Geist quält, / da regnet der Nektar von Gottes Namen auf dich nieder.«7

Śvetāśvatara-Upanishad8

Höher noch ist das Höchste Brahman

Höher noch ist das Höchste Brahman, das gewaltige, das in jedem Gebilde in allen Wesen verborgene. Die dieses als den einen Umhüller des Alls, als den Herrn erkennen, die werden unsterblich.

Ich kenne diesen Geist (puruṣa), den großen, sonnenfarbigen, jenseits des Dunkels. Wer ihn erkennt, gelangt über den Tod9 hinaus; keinen anderen Weg gibt es für diesen Gang.

[…]

Ein großer Machthaber fürwahr ist der Geist: er ist der Förderer dem Sattva10, ist Herr über jenes ganz reine Ziel11, ist das Licht, der Unvergängliche.

Daumengroß wohnt der Geist als Inneres Selbst immerdar im Herzen der Menschen. Mit dem Herzen, durch Andacht, mit dem Gemüt kann man ihn sich zur Anschauung bringen.

In der neuntorigen Stadt wohnt der Leib-Inhaber12, der Schwan und flattert nach draußen, – er, der über die ganze Welt gebietet, die unbewegliche und die bewegliche.

Handlos und fußlos greift er und läuft er, augenlos sieht er, ohrenlos hört er; er kennt alles Wißbare, aber keiner ist da, der ihn kennt. Ihn nennen sie den Geist, den Ersten, Großen.

Feiner als das Feine, größer als das Große weilt das Selbst im Versteck13 der Kreatur; man schaut es durch des Schöpfers Gnade (prasāda) als wunschlos, Größe, als den Herrn.

Ich kenne ihn, der nicht altert, den Uralten, das Selbst von allen, den alldurchdringend allgegenwärtigen, dem Ungebildete Geburt und Vergang zuschreiben, den aber die Gottesgelehrten den Ewigen nennen.

Bhagavad Gītā14

Achter Gesang: Was ist das höchste Selbst

Arjuna15 sprach:

Was ist das Brahman? und was ist das höchste Selbst? was ist das Werk?

Was ist’s, das ob den Wesen all und über allen Göttern steht?

Wie und wer kann in diesem Leib schon über allen Opfern stehn?

Und in der Todesstunde, wie erkennen die Bezähmten dich?

Der Erhabene sprach:

Brahman ist ew’ges, höchstes Sein, sein Wesen ist das höchste Selbst,

Die Schöpfung, die den Ursprung all der Wesen wirkt, ist »Werk« genannt.

Werden über den Wesen steht, über den Göttern der Urgeist,

das bin ich,