KRIEMHILD UND ALOYS FINKEN

KLOSTERGÄRTEN

Paradiese der Stille

JAN THORBECKE VERLAG

Mönch und Nonne im Klostergarten von Lana, Südtirol

Kreuzganggarten des Mainzer Doms

Inhalt

Einleitung

Kloster Reichenau

Kloster Bronnbach

Kloster St. Lioba

Kloster Schäftlarn

Kloster Oberzell

Kloster Ebrach

Der Garten des Bischofs von Trier

Abtei Maria Laach

Abtei Rommersdorf

Kloster Himmerod

Abtei St. Hildegard

Kloster Seligenstadt

Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria, Fulda

Kloster Steinfeld

Kloster Kamp

Kloster Memleben

Kloster Michaelstein

Kloster Drübeck

Karte und Adressen

Bildnachweis

Literatur

Über die Autoren

Über das Buch

Impressum

Hinweise des Verlags

Leseprobe

Einleitung Klostergärten, sollte man meinen, sind ein Auslaufmodell, denn immer mehr Klöster haben Mühe, genügend Nachwuchs zu finden. Doch Papst Franziskus hat das Jahr 2015 zum „Jahr des geweihten Lebens“, also der Orden, ausgerufen, was vielleicht einigen bedrängten Gemeinschaften Hoffnung geben kann. Klostergärten aber finden sich nicht nur bei noch aktiven Ordensgemeinschaften. Häufig sind von Gemeinden oder von eigens gegründeten Vereinen ehemalige Klosteranlagen restauriert worden und werden auch als Museen sowie für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt.

AIn vielen Fällen wurden die ehemaligen klösterlichen Kräuter-, Gemüse-, Obst-, Pracht- bzw. Prälatengärten ganz oder teilweise nach vorhandenen Plänen des jeweiligen Klosters oder nach dem Vorbild anderer Klosteranlagen restauriert – meist geschah dies nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Interesse an diesen Gärten und an der Vielfalt vergessener Würz- und Gemüsepflanzen scheint beständig zu wachsen. Oft werden sie von Freiwilligen liebevoll gepflegt.

Sucht man nach den Anfängen, so stößt man unvermeidlich auf den Vater des abendländischen Mönchtums, Benedikt von Nursia (um 480–547), der für das von ihm gegründete Kloster Montecassino (529) eine Regel verfasste, die zur Richtschnur des nach ihm benannten Ordens wurde. Für Benedikt waren alle Mitglieder des Klosters, ob als Freie oder Sklaven eingetreten, ebenbürtig, für ihn war auch körperliche Arbeit neben gemeinsamem Gebet und Gottesdienst, privater Lektüre und Meditation in gleicher Weise unverzichtbar. Motto war: Ora et labora! („Bete und arbeite!“) „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, daß sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können. So brauchen die Mönche nicht draußen herumzulaufen, denn das ist für sie überhaupt nicht gut“ (Regula Benedicti 66, 6f.). Näheres zu den Gärten erfährt man bei Benedikt nicht. Sie sind sicher nicht an der aufwendigen Gestaltung römischer Stadt- oder Gutsgärten orientiert, aber ihre Bepflanzung mit Nutz-, Heil- und Würzpflanzen dürfte diesen Gärten entsprochen haben. Um 820 wurde Benedikts Regel für die Klöster im ganzen fränkischen Reich verbindlich.

Sucht man weiter nach den Anfängen klösterlicher Gärten in Deutschland, stößt man auf zwei Dokumente: den St. Galler Klosterplan und ein Buch in Versform, De cultura hortorum, kurz Hortulus („Kleiner Garten“) genannt – die erste Gartenbauanleitung des Mittelalters in Westeuropa des berühmten Reichenauer Abtes Walahfrid Strabo (808/9–849). Er zeigt sich in dieser Schrift nicht nur als Kenner der spätantiken Gartenliteratur über Kräuter und ihre medizinische Wirkung, sondern als Gärtner, der seinen Garten persönlich eifrig und liebevoll bestellt und sich seiner schwieligen Hände nicht schämt.

Wenn Natur und Mensch sich in Liebe vereinigen, wird entweder ein Gedicht daraus oder ein Garten.

ZISTERZIENSERMÖNCH

Der St. Galler Klosterplan – eher ein Musterplan für Klöster als ein konkreter Bauplan für den Neubau dieser Abtei – wurde für den Abt dieses Klosters auf der Reichenau gezeichnet, als Strabo dort schon Mönch war. Er selbst lebte wohl zu dieser Zeit zu weiteren Studien im Kloster Fulda in dessen berühmter Schule, die von Rhabanus Maurus, einem bedeutenden Theologen, Dichter und Gelehrten seiner Zeit, geleitet wurde. Vielleicht war er auch schon am kaiserlichen Hof in Aachen, wohin Kaiser Ludwig ihn als Lehrer und Erzieher seines jüngsten Sohnes Karls des Kahlen berufen hatte. Hier traf er die bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit. Schließlich ernannte Kaiser Ludwig ihn 838 zum Abt seines Heimatklosters, das er mit Unterbrechung bis zu seinem Tod 849 leitete, als er auf einer Gesandtschaftsreise in das Herrschaftsgebiet seines ehemaligen Schülers in der Loire ertrank. Auf der Reichenau hatte er am Abtshaus seinen kleinen Garten angelegt. Sein Gartengedicht widmete er übrigens einem St. Galler Abt, seinem geliebten ehemaligen Lehrer Grimald, den er sich im dortigen Obstgarten sitzend vorstellt, im Hortulus lesend, umgeben von seinen Schülern, die Pfirsiche pflücken und sie ihrem Lehrer in den Schoß legen.

Im St. Galler Klosterplan für ein großes Kloster sind an der Südseite, von Osten nach Westen, drei Gärten eingezeichnet:

– ein Kräutergarten unmittelbar an der Apotheke und dem Arzthaus, fast identisch mit dem Garten Strabos;

– ein Obstgarten, der gleichzeitig Friedhof der Mönche ist;

– ein Gemüsegarten.

In jedem Beet der Gärten wird stets nur eine Pflanzenart angebaut. Die Beete im St. Galler Klosterplan scheinen sehr schmal gewesen zu sein, wohl aus praktischen Gründen. Bereits Columella, ein römischer Schriftsteller des 1. Jahrhunderts nach Christus, dessen Werk sicher in der Reichenauer Bibliothek stand, riet dazu, die Beete nur so breit anzulegen, dass derjenige, der Unkraut jätet, leicht bis in die Mitte reicht und nicht gezwungen ist, über die jungen Pflanzen zu laufen. Wie wir von Walahfrid wissen, sind seine Beete von Holzbohlen eingefasst und überragen den Wegesrand:

Und ich umzäune mit Holz es im Viereck, damit es beharre,

Über dem ebenen Boden ein wenig höher gehoben“ (III, 48f.).

Diese Gartenanlage ist schlicht und praktisch. Das ist sicher so gewollt. Dort kann der Abt auch, wenn nichts zu jäten ist, die Pflanzen betrachtend meditieren. Meditieren sollen die Mönche ebenfalls. Dafür gibt es im St. Galler Klosterplan einen vom Kreuzgang umgebenen offenen Raum, in dessen Mitte, im Schnittpunkt der sich kreuzenden Wege, ein Baumname eingetragen ist, vielleicht als Symbol für den Baum des Lebens (Gen 2,9). Damit scheint die später so beliebte Form des Kreuzgartens hier schon vorgegeben.

Um die ganze Breite des damaligen Wissens anzudeuten, dessen Wurzeln aus der Antike stammen, soll hier noch ein drittes Dokument erwähnt werden, das Lorscher Arzneibuch. Das um 800 verfasste Werk gilt als die früheste medizinische Schrift des abendländischen Mittelalters. Nach der Erörterung der Frage, ob die christliche Lehre es gestatte, Kranken aktiv zu helfen – die Frage wird bejaht – oder ob das ein Verstoß gegen den Heilsplan Gottes sei, enthält die Handschrift praktische medizinische Erörterungen und fast 500 Rezepte für Arzneimittel.