Ellen Forsström & Angélique Ohlin

Mein Garten – ein Traum

Inspirationen für naturnahe Gärten

Jan Thorbecke Verlag

Inhalt

Einleitung

KAPITEL 1. Eine eigene Welt

KAPITEL 2. Ein Lobgesang auf den Schatten

KAPITEL 3. Eine nachgiebige Hand

KAPITEL 4. Der Natur auf die Sprünge helfen

KAPITEL 5. Ein Sinn für Schönheit

KAPITEL 6. Das Wilde wagen

KAPITEL 7. Dinge, die schön altern

KAPITEL 8. Ein stilles Plätzchen

KAPITEL 9. Willkommen!

KAPITEL 10. Eine anregende Arbeit

KAPITEL 11. Auskosten bis zum Schluss

KAPITEL 12. Inspirationsskizzen

Über die Autorinnen

Über das Buch

Impressum

Hinweise des Verlags

Leseempfehlung

Einleitung

Wie kreiert man einen Garten, der einen wie Musik direkt ins Herz trifft? Eine ganz eigene Welt, in der man verweilen mag? Diese Frage haben wir ? die Gärtnerin Angélique Ohlin und die Autorin Ellen Forsström ? uns gestellt, nachdem wir einen Sommer lang durchs Land gereist sind und private Gärten besucht haben.

Wir haben grüne Oasen gesehen, die uns gleich in Tatendrang versetzt haben. Haben Erlebnisse geteilt, die Stück für Stück unsere Vorstellungen konkretisiert haben, wie ein Garten auszusehen hat. Immer wieder sind wir in diese Gärten zurückgekehrt, Mal um Mal, im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Bei jedem unserer Besuche wurden wir von der gleichen Energie erfüllt. Dennoch dauerte es eine ganze Weile, bis wir die Antwort auf das Rätsel, eine Erklärung für die Magie, die diesen Gärten innewohnt, fanden.

Was zeichnete diese Gärten aus? Besonders gut gepflegte und eingefasste Beete? Nein. Eine Vielzahl unterschiedlichster Pflanzen mit exotischen Namen und kleinen Etiketten daran? Auch nicht. Ein Golfrasen? Im Gegenteil!

Es musste etwas anderes sein. Aber was? Wir konnten es nicht in Worte fassen. Alles, was wir hatten, war dieses intensive Gefühl in der Magengegend. Nun war es an der Zeit, den Kopf zu benutzen, um den gemeinsamen Nenner zu finden. All das, damit wir uns einen eigenen Garten Eden schaffen konnten. Aus der Suche nach dem gemeinsamen Nenner wurde eine Reportage, die schnell zu einem ganzen Buch heranwuchs. Dieses Buch enthält unsere ganz persönliche Beschreibung von Gärten, in denen wir uns wohlgefühlt haben.

Diese Gärten sind alles andere als perfekt. Sie sind einfach und anspruchslos, sie sind eins mit der sie umgebenden Natur, in ihrer dicht verwobenen Vegetation nehmen die Blumen sich Freiheiten heraus, sind selbst ausgesäte Pflanzen willkommen. Sie sind in das Grün eingebettet. Und dort, in diesen Gärten, fühlt es sich an, als sei die Zeit stehen geblieben. Dort in der Stille will man verweilen, sich in einem Korbstuhl unter dem Ahorn niederlassen und philosophieren.

Es geht darum, eine Stimmung zu erzeugen. Einen solchen Garten anzulegen, ist nicht aufwendiger. Aber man braucht Fingerspitzengefühl. Es spielt keine Rolle, ob Sie den Rasen mit der Nagelschere schneiden oder jedes Halm Unkraut auszupfen, dadurch kommen Sie Ihrem Traumgarten nicht näher. Eher im Gegenteil. Diese Gärten sind nicht auf eine arbeitssame, präzise Art schön. Unter ästhetischen Gesichtspunkten aber sind sie wundervoll. Was oft genauso schwer zu erreichen ist. Weil es so einfach ist, vielleicht zu einfach. Vielleicht wollen die meisten von uns es sogar genau so haben, wir ahnen es nur nicht, es fällt uns nicht ein. Sogar das Selbstverständliche wird plötzlich schwierig.

Der Ausgangspunkt liegt in der Lichtung im Wald, so etwas müssen Sie kreieren. Ihre eigene kleine Welt. Graben Sie die Hände in die Erde, Sie haben es in sich. Nicht im Kopf, sondern im Bauch, in der Seele. Bei der Arbeit an diesem Buch haben wir viel über die Geschichte der Gartenkunst gelesen, und es ist verblüffend, wie beliebt diese Art von Garten über Jahrhunderte hinweg war. Vom Mittelalter bis heute wurden die gleichen Ideen wieder und wieder hervorgeholt und entstaubt. Wir haben Beschreibungen gefunden, die genau auf dieses Gefühl passen, auf das wir aus sind. Denn das ist es, was wir vermitteln wollen: ein Gefühl. Das Gefühl, dass Zeit und Raum aufhören zu existieren, das Gefühl, das ­einen direkt ins Herz trifft. Diese Gärten sind wie Bühnen, auf denen zeitlose Theaterstücke aufgeführt werden, die das zum Inhalt haben, was wichtig ist, wie Ehrfurcht und Dankbarkeit. Es hätte auch ein Kochbuch, eine Gedichtsammlung, eine Musik-CD sein können. Aber das Buch handelt nun einmal von Gärten …

KAPITEL 1

Eine eigene Welt

„Ich stehe auf Zehenspitzen und versuche hineinzusehen. Doch es gelingt nicht. Die dichte Buchenhecke ist zu hoch. Irgendwo muss es doch eine Öffnung geben. Ich fange an zu suchen, laufe den Gehweg auf und ab. Dort, eine schwere, schmiedeeiserne Pforte zwischen starken Steinpfosten. Darüber eine Ramblerrose, die in einem weiten Bogen über der Pforte rankt. Zweige, die sich gelöst haben, fallen wie ein Vorhang aus weißen Blüten herab. Einer verfängt sich in meinem Haar, als ich mich über die Pforte beuge.

Ach, ich bin so neugierig! Aber es ist immer noch schwierig, etwas zu sehen. In die eine Richtung erahne ich Teile eines weißen, etwas in die Jahre gekommenen Holzmöbels im Schatten eines krummen, knorrigen Apfelbaums. All das verborgen hinter etwas, das wie eine große Fliederlaube aussieht. Ein Pfad aus Kopfsteinpflaster, der an der Pforte beginnt, einen Haken schlägt und hinter einem kugelförmigen Liguster verschwindet. Direkt neben dem Liguster scheint jemand eine alte Gießkanne vergessen zu haben, ein Paar abgetragene Handschuhe mit Blumenmuster liegen auf dem Griff. Ich gehe hinein …“

Eine Spielfläche erzeugen

Ein wichtiger gemeinsamer Nenner der Gärten, die wir so lieben, ist, dass wir sie wie eine eigene Welt erleben. Sie sind von der Umgebung abgeschirmt, eingerahmt von üppigem Gebüsch, Gehölzen oder geschnittenen Hecken – einfach eingebettet in das Grün wie riesige Lauben. Menschen brauchen Rahmen, weil sie sicher fühlen wollen und weil sie sich eine eigene kleine Spielfläche erschaffen wollen. Einen Ort, an dem das Stück, der Garten in seiner ganzen Pracht, aufgeführt werden kann. Damit sind nicht die Äcker des Bauern oder die Kunststoffmöbel des Nachbarn gemeint. Nein, hier legt man selbst fest, welche Stimmung man erzeugen möchte.

Ein Garten, der nicht von einem Sichtschutz umgeben ist, lässt sich vielleicht mit einem Haus vergleichen, bei dem Wände und Dach fehlen: Es ist schwer, einen behaglichen Ort zu finden, an dem man sich aufhalten mag. Eine Terrasse ohne Schutz in irgendeine Richtung ist wie eine Aussichtsplattform, auf der man nicht nur den Blicken anderer, sondern auch dem Sonnenlicht schutzlos ausgesetzt ist. Ohne Begrenzungen kommt das Auge nicht zur Ruhe; man nimmt unweigerlich das wahr, was sich außerhalb der Grundstücksgrenze abspielt. Stellen Sie sich einen gemütlichen Innenhof in der Stadt vor, mit einem großen Baum und einen schönen Möbel, auf dem Sie sitzen und die Beine baumeln lassen. Plötzlich nimmt jemand eine Gebäudeseite weg und die Straße mit all den Autos wird sichtbar. Der Ort ist derselbe, fühlt sich aber ganz anders an.

Um einen Garten anzulegen, der genau das Gefühl weckt, das wir erreichen wollen, sind zwei Zutaten nötig: ein Rahmen und eine Aufteilung in Räume. Der Garten sollte eine Verlängerung des Hauses sein, mindestens einen zusätzlichen Raum bieten, vielleicht sogar mehrere. Zusammen bilden Haus und Garten eine Einheit mit derselben Formensprache. Durch den Garten kommt das Haus zur Geltung. Die Planung ist das A und O, so einfach ist das. Zunächst das Gerüst: Bäume, Hecken und Wege sind das Skelett des Gartens. Dann kann man das Ganze mit Poesie würzen, mit Storchschnabel, Frauenmantel und Sterndolde.

Der Rahmen

Man kann das Gerüst nicht einfach weglassen, denn dann erhält man ein unruhiges Bild statt der gewünschten verschwenderischen Fülle. Stellen Sie sich Ihren Garten wie eine Lichtung im Wald vor. Dort, wo das Haus steht, ist alles offen, doch je näher man der Grundstücksgrenze kommt, desto verschlossener wirkt er. Bäume drängen sich zusammen mit Pfeifensträuchern, Haselnuss und Flieder. Der Garten stellt so eine ruhevolle Öffnung mitten in all dem Grünen dar.

Wie wäre es mit einem Rahmen rund um den Garten aus hohen, schmalen Hainbuchen-Hecken mit Blättern, die auch im Winter nicht abfallen, sich aber bewegen und die Begrenzung auf eine spannende Weise transparent machen? Wer viel wagen möchte, versucht sich an einer hohen, kompakten Ziegelmauer mit rankendem Efeu. Der Garten soll geheimnisvoll bleiben. Man muss nach der Öffnung suchen. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, als Sichtschutz eine hohe Hecke an die Straße zu setzen. Lassen Sie in diesem Fall die Begrenzung zur Straße etwas niedriger und platzieren Sie Ihre geschützte Oase weiter hinten im Garten.

Eine Hecke, einen Bretterzaun, eine Mauer oder Hauswand können wir nutzen, um Blühendes vor einem ruhigen Hintergrund abzugrenzen. Denn so sehr wir auch die perfekte Rose und die einzelnen Blütenblätter der Pfingstrosen lieben, so ist es doch der Aufbau des Gartens, der die Atmosphäre schafft. Es ist die ordentlich geschnittene Eibenhecke, die dafür sorgt, dass die zarte Akelei und die Margerite, die sich sanft im Wind bewegen, zur Geltung kommen. Außerdem steht das Gerüst auch noch, wenn die Blumen schon ihre Schuldigkeit getan haben. Das macht den Garten das ganze Jahr über interessant, z. B. wenn die Kälte des Winters die Blätter des Efeus in Kunstwerke und die Buchsbaumhecken in weiß gepuderte Stickereien verwandelt. Als Faustregel gilt, dass Sie ein gutes Drittel des Gartens mit winterharten Pflanzen bestücken sollten.

Aufteilung

Wenn Sie Ihren Garten in mehrere Räume aufteilen, wirkt er dadurch spannender und lädt zu Entdeckungstouren ein. Sie legen so mehrere Spielflächen an, die verschiedene Funktionen, Farbgebungen und Stimmungen haben können. In einem solchen Garten will man umherspazieren, sich hinter Fliederbüschen, Buchenhecken oder unter der mit Ramblerrosen berankten Pergola verstecken. Und bei einem zarten Spalier mit einer robusten Rispen-Hortensie fragen wir uns nach ein paar Jahren verwundert, wer dort eigentlich wen stützt.

„Räumlichkeit“ ist, seinen morgendlichen Kaffee an einem schönen, abgeschiedenen Ort trinken zu können und nicht gleichzeitig auf das noch nicht umgegrabene Gemüsebeet sehen zu müssen. Trauen Sie sich, Räume abzugrenzen, arbeiten Sie mit mehreren Ebenen. Das können z. B. große, üppige Büsche und Bäume an den äußersten Rändern des Gartens und in Form geschnittene Buchsbaum-, Lavendel- oder Liguster-Hecken in der Reihe dahinter sein. Auch sollten Sie „Schleusen“ zwischen den Räumen einbauen, wie Pforten, Alleen, Portale und Terrassierungen. Variieren Sie und denken Sie groß, es lohnt sich! Der Aufbau eines Gartens sollte Spannung erzeugen. Was befindet sich hinter der Fliederlaube, auf der anderen Seite der Kirsche oder hinter der moosbewachsenen Steinmauer? Offene Lichtungen wechseln sich mit engen, verschlungenen Passagen ab.

Ist der Garten auf diese Weise in verschiedene kleinere Räume aufgeteilt, wirkt er tatsächlich größer. Doch er darf auch nicht zu kleinteilig werden, denn sonst wirkt es schnell bemüht. Die verschiedenen Teile des Gartens sollen eine Einheit bilden. In einem gut durchdachten Garten denkt der Betrachter nicht über den Aufbau nach, denn alles wirkt ganz natürlich. Und fängt er dann doch einmal an, sich Gedanken zu machen, sollte es eine Weile dauern, bis er versteht, wie alles zusammenhängt.

Es beginnt mit einem Rahmen und endet mit einem gemütlichen, schattigen Plätzchen, an dem man sich gern aufhält. Ein Ort zum Verweilen, der mit den Jahren immer schöner wird, wenn die Baumrinde rissiger, die Büsche dichter und die Gänseblümchen immer zahlreicher werden …

PFLANZEN, DIE EINRAHMEN UND AUFTEILEN

Hecken:

Hoch: Eibe, Taxus x media

Hainbuche, Carpinus betulus

Buche, Fagus sylvatica

Liguster, Ligustrum vulgare

Niedrig:

Buchsbaum, Buxus sempervirens

Lavendel, Lavandula angustifolia

Rosen, z. B. ‘Louise Bugnet’ und ‘Mme Boll’

Büsche:

Sargents-Apfel, Malus sargentii

Kupfer-Felsenbirne, Amelanchier lamarckii

Schlehdorn, Prunus spinosa

Flieder, Syringa vulgaris

Pfeifenstrauch, Philadelphus coronarius

Kletterpflanzen an Mauern, Holzzäunen und Pergolen:

Rosen, z. B. Ramblerrose Rosa helenae

Geißblatt, Lonicera

Wilder Wein, Parthenocissus quinquefolia

Rispen-Hortensien, Hydrangea paniculata

Efeu, Hedera helix

Waldrebe, Clematis

Echter Hopfen, Humulus lupulus

KAPITEL 2

Ein Lobgesang auf den Schatten