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Uns eint mehr, als uns trennt

Ein ökumenisches Glaubensbuch

Im Auftrag des Kontaktgesprächskreises der

Deutschen Bischofskonferenz und des Rates der

Evangelischen Kirche in Deutschland

Herausgegeben vom Konfessionskundlichen

Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim

und dem Johann-Adam-Möhler-Institut für

Ökumenik in Paderborn

Patmos Verlag / Gütersloher Verlagshaus

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar.

Copyright © 2017 Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München,

und Patmos Verlag der Schwaben Verlag AG, Ostfildern

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Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

Umschlaggestaltung: Gute Botschafter GmbH, Haltern am See

Gütersloher Verlagshaus

Print: ISBN 978-3-579-08671-2

E-Book: ISBN 978-3-641-20869-1

Patmos Verlag

Print: ISBN 978-3-8436-0877-0

E-Book: ISBN 978-3-8436-0880-0

www.gtvh.de

www.patmos.de

Inhalt

Grußwort

Kirchenpräsident Christian Schad

Grußwort

Bischof Dr. Gerhard Feige

1. Der Anlass: 500 Jahre Reformation – 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil

2. Die Frage nach Gott

2.1. Die Gottesfrage in der modernen Welt

2.2. Der dreieinige Gott: Die Trinität

2.3. Der Glaube

3. Der Glaube an Gott den Schöpfer

3.1. Die Schöpfung

3.2. Der Mensch

3.3. Gott und das Leid (Theodizee)

4. Der Glaube an Jesus Christus

4.1. Offenbarung und Bibel

4.2. Christus: Wahrer Gott und wahrer Mensch

4.3. Rechtfertigung und Heiligung

5. Der Glaube an den Heiligen Geist

5.1. Lebendiger Glaube

5.2. Die Kirche

5.3. Taufe – Abendmahl – Buße

5.4. Die letzten Dinge: Tod und ewiges Leben

6. Glaube und Leben

6.1. Geistliches Leben: Das Vaterunser

6.2. Die Zehn Gebote

Ausblick: Offene Fragen unter Christen: Sakramente, Amt und Kirche

Die Autorinnen, die Autoren und die Redaktion

Grußwort

Kirchenpräsident Christian Schad

2017 erinnern Christen gemeinsam an »500 Jahre Reformation«. Dieses Jahr verdient auch deshalb eine besondere Bedeutung, als es weder die Unterschiede zwischen den Konfessionen in den Fokus stellen, noch einer undifferenzierten Einheit das Wort reden wird. Das Datum soll nicht zur eigenen Profilierung dienen, sondern es will das feiern, was gemeinsam ist: den Glauben an Jesus Christus als lebensverändernde Kraft. Es ist nicht selbstverständlich, sondern stellt ein Novum dar, dass eine Kirche, die ein für sie entscheidendes Jubiläum begeht, dies nicht abseits oder gar gegen die anderen Kirchen tut, sondern auf die anderen zugeht und sie einlädt. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich den Geschwistern in der christlichen Ökumene zugewandt und sie eingeladen, 2017 ein Christusfest zu feiern. Die gemeinsame Freude am Evangelium wird dabei im Zentrum stehen.

Besonders erfreulich ist diese Zielsetzung, weil die gemeinsame Geschichte der Kirchen kein freundschaftliches Nebeneinander und problemloses gegenseitiges Tolerieren, sondern von heftigen, mitunter grausamen Kämpfen gekennzeichnet war. In Deutschland ging es dabei vor allem zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche um die Vorherrschaft im religiösen und weltlichen Bereich und um die theologische Wahrheit, die oft der eigenen zu- und der anderen abgesprochen wurde. Wie wohltuend ist es da, wenn sich gerade die Kirchen miteinander auf den ausrichten, der die Kirche trägt: Jesus Christus. Mit dem Blick auf ihn gewinnen beide Kirchen Perspektiven – für sich und für die Welt. Indem wir gemeinsam auf Gott sehen, der sich in Jesus offenbart hat, und versuchen, dem göttlichen Geheimnis immer entsprechender zu leben, kommen wir unweigerlich und erfreulicher Weise auch näher zueinander. Von daher zeigt die ökumenische Entwicklung der letzten Jahre immer deutlicher, dass die bekannte These von Papst Johannes XXIII. stimmt, die durch Papst Johannes Paul II. und dessen Enzyklika »Ut unum sint« (1995; 20) lehramtlich bestätigt wurde: »Das, was uns verbindet, ist viel stärker als das, was uns trennt.«

Diese Einsicht wird durch den vorliegenden Text mit Leben erfüllt. Das Johann-Adam-Möhler-Institut (röm.-kath.) und das Konfessionskundliche Institut (ev.) verschweigen in ihrem Text zwar nicht die Unterschiede, aber sie gründen darauf nicht die eigene Identität. Vielmehr wird der gemeinsame Glaube an Jesus Christus sorgfältig entfaltet. Der Text legt dar, dass die wesentlichen Einsichten des Glaubens über Gott und seine Schöpfung gemeinsam ausgesagt werden können. Er fungiert in diesem Sinne als kleine ökumenische »Taschendogmatik«, als kompakte Darstellung der Lehrinhalte des christlichen Glaubens. Deutlich wird dabei, dass das, woran Christen unterschiedlicher Konfessionen glauben, gemeinsam gesagt und bekannt werden kann. Unterschiedlich scheint eher das, was die Kirchen über sich selbst denken. Daran wird weiter zu arbeiten sein. Allerdings kann dies nicht verdecken, dass die ökumenischen Schritte aufeinander zu es erlauben, 2017 ein gemeinsames Christusfest zu feiern. In aller Unterschiedlichkeit ist es den Kirchen möglich, gemeinsam zu glauben und zu handeln. Und diese Gemeinsamkeit herauszustreichen, ist nicht nur zentral in einer Welt, die diese Unterschiede kaum noch kennt, geschweige denn nachvollziehen kann, sondern auch für alle Menschen, die nicht (mehr) christlich geprägt sind oder einen anderen religiösen Hintergrund haben. Insofern ist dieser Text auch eine kleine »Taschenfibel« für alle, die erste Schritte eines differenzierten Kennenlernens des christlichen Glaubens gehen wollen.

Es ist das Verdienst der beiden Institute zu zeigen, welch beeindruckende Fülle des Glaubens heute gemeinsam verantwortet werden kann. Wer also wissen will, was Christen der beiden, in unserem Land sogenannten »großen« Kirchen gemeinsam glauben, kann dies in diesem Buch mit Hilfe der sorgfältigen und exakten Darstellung nachvollziehen.

So wünsche ich dieser Publikation viele interessierte Leserinnen und Leser, auf dass deutlich werden kann: Die Konfessionen sind keine Gegenspieler mehr, sondern Farben der einen Wahrheit in Jesus Christus, die gemeinsam zum Leuchten gebracht werden will.

Kirchenpräsident Christian Schad

Ko-Vorsitzender des Kontaktgesprächskreises

Grußwort

Bischof Dr. Gerhard Feige

In der Vorbereitung auf den 500. Jahrestag des Beginns der Reformation, den wir 2017 begehen, haben die evangelische und die katholische Kirche in unserem Land eine ermutigende Erfahrung gemacht: Ein gemeinsamer Blick auf die Reformation ist möglich, ohne sie einseitig als leuchtende Geburtsstunde der Neuzeit oder ebenso einseitig allein als Ursache der Spaltung der westlichen Christenheit zu sehen.

Denn darin bestand und besteht bis heute ja die Herausforderung: ein Geschehen, das in den Kirchen unterschiedlich bewertet wird, gemeinsam in den Blick zu nehmen und darauf aufbauend zum ersten Mal in der Geschichte die durch die Reformation ausgelösten Ereignisse so weit wie möglich in ökumenischer Verbundenheit zu begehen. Eine Frucht dieses Prozesses besteht darin, dass beide Kirchen zum einen offen und ehrlich die negativen Folgen der Reformation sowie der Spaltung der abendländischen Christenheit in den Blick nehmen und einander um Verzeihung bitten, dass zum anderen aber auch die positiven Folgen Martin Luthers sowie der anderen großen Gestalten der Reformation deutlich werden. Wir feiern 2017 miteinander ein Christusfest. Damit wird deutlich, was die christlichen Kirchen miteinander verbindet und zugleich das Kernanliegen der Reformation bedeutet, nämlich zu einem tieferen Glauben an Jesus Christus und an sein Wirken für die Menschen zu gelangen.

Heute können katholische und evangelische Christen gemeinsam zentrale Glaubensinhalte formulieren, obwohl wir uns der schmerzlichen Tatsache bewusst sind, dass wir immer noch in getrennten Kirchen leben. Das deutlich zu machen, ist auch das Anliegen der vorliegenden Publikation, die gemeinsam vom Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim und dem Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik in Paderborn auf Bitten des Kontaktgesprächskreises der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland erstellt worden ist.

In sieben Kapiteln möchte die Publikation interessierten und ökumenisch aufgeschlossenen Lesern einen Überblick geben, in welchen grundlegenden Glaubenseinsichten bereits ein Konsens zwischen unseren Kirchen besteht und wie viel schon gemeinsam formuliert werden kann. Der vorliegende Text orientiert sich dem Aufbau nach an der trinitarischen Gotteslehre. Schon die Charta Oecumenica von 2001, ein Text, der Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa enthält, verweist gleich zu Beginn auf den gemeinsamen Glauben »an den Dreieinigen Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist«. Damit ist eine fundamentale Gemeinsamkeit der Christen ausgesagt, die dazu ermutigt, »diese Einheit, die immer Gottes Gabe ist, sichtbar werden zu lassen« (CO I.1). Die Vergewisserung unserer gemeinsamen Grundlagen sollte ein beständiger Teil unserer ökumenischen Arbeit sein, denn nur dann können wir darauf aufbauend weitere Schritte auf die Einheit der Christen zugehen. Der vorliegende Text benennt aber neben dem, was Christen schon gemeinsam sagen können, in einem letzten Kapitel auch die offenen Fragen in den Themenbereichen Sakramente, Amt und Kirche, die einer sichtbaren Kircheneinheit noch im Wege stehen. Sie dürfen nicht vergessen oder ausgeklammert werden und sind keinesfalls ein Anlass zur Resignation. Wir leben immer mehr in dem Bewusstsein, durch die Taufe in Christi Leib eingegliedert und damit schon eins zu sein. Das konnte die große Mehrheit der Kirchen in Deutschland mit der Taufanerkennung 2007 bekräftigen. Im Bewusstsein der schon gewachsenen Gemeinsamkeiten können wir ermutigt auch in den noch ungeklärten Fragen weiter im Dialog bleiben. Damit nehmen wir unsere Berufung und unseren Auftrag als Glieder des Leibes Christi wahr.

Ich danke den beteiligten wissenschaftlichen Instituten, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und allen, die mitgeholfen haben, die Idee einer gemeinsamen Formulierung zentraler Glaubensinhalte Wirklichkeit werden zu lassen. Ich wünsche dem vorliegenden Text eine gute Aufnahme und Rezeption und viele ökumenisch interessierte Leserinnen und Leser, die zu Botschafterinnen und Botschaftern der Ökumene in ihrem jeweiligen Lebensumfeld werden. Ökumene lebt durch Menschen, die sich für das Miteinander der Kirchen einsetzen. So ist mein Wunsch, dass dieser Band die Leserinnen und Leser anregt, den eigenen christlichen Glauben in seiner katholischen oder evangelischen Ausprägung tiefer zu entdecken und zugleich den Reichtum und die Buntheit dessen erkennen zu lassen, was unseren gemeinsamen christlichen Glauben ausmacht.

Bischof Dr. Gerhard Feige

Ko-Vorsitzender des Kontaktgesprächskreises