Inhalt

Einleitung

Genesis 1
Das friedvolle Reich

Eine zweifache Annäherung

Die Rhythmen der Schöpfung

Tage und Worte

Die Welt als Sprache

Die Gestaltung der Bühne

Geschaffen als Abbild Gottes

Einheit und Verschiedenheit

Ein zusätzlicher Tag?

Fragen zum Nachdenken

Genesis 2
Der Garten der Freude

Dürsten nach Leben

Der Garten Gottes

Ein Baum oder zwei?

Das menschliche Projekt

Grenzen: gut oder schlecht?

Vom Anderen empfangen

Geschaffen für die Gemeinschaft

Der richtige Begleiter

Fragen zum Nachdenken

Genesis 3
Der Widerstreit der Weisheiten

Die Weisheit der Schlange

Duell auf den Tod

Ein Davor und ein Danach

Eine Verkettung von Konsequenzen

Begründung der Wahrheit

Das göttliche Urteil

Schwangerschaft und harte Arbeit

Einstweilige Schutzvorkehrungen

Eine „Erbsünde“?

Fragen zum Nachdenken

Genesis 4
Wo ist dein Bruder?

Hirten und Bauern

Die verwirrende göttliche Logik

Warum ich?

Eifersucht oder Solidarität

Der Schrei vergossenen Blutes

Der Spirale der Gewalt entgegentreten

Fragen zum Nachdenken

Offenbarung 17–22
Eine Geschichte von zwei Städten

Wiederherstellung und Verwandlung

Städte des Frevels

Zum Haus des Herrn

Verantwortung oder Privileg?

Der Herr der Geschichte

„Unterwirf dich den Herrschern“

Babylon und das neue Jerusalem

Die Mutter der Abscheulichkeiten

Die Stadt des Lichts

Auf dem Pilgerweg in die Stadt

Fragen zum Nachdenken

ÜBER DEN AUTOR

ÜBER DAS BUCH

IMPRESSUM

HINWEISE DES VERLAGS

Einleitung

Ich bin
das Alpha und das Omega,
der Erste und der Letzte,
der Anfang und das Ende.
(Offenbarung 22,13)

Wer hat sich zuweilen nicht schon einmal nach dem Anfang oder dem Ende des Universums und der Geschichte der Menschheit gefragt? Indem wir diese Fragen stellen, ist uns oft nicht bewusst, dass wir den Bereich der empirischen Beobachtung verlassen und uns etwas annähern, das zeitgenössische Physiker eine „Einzigartigkeit“ („singularity“) nennen. In ihrem tiefsten Wesen liegen diese einmaligen Ereignisse jenseits aller Kategorien, mit deren Hilfe wir uns normalerweise den Sinn der Welt zu erschließen vermögen. Vom menschlichen Verstand können sie nie vollständig erfasst werden. Es sollte uns daher auch nicht überraschen, dass die Bibel sie als herausragende Augenblicke betrachtet, als Momente, die uns die Wirklichkeit Gottes ins Bewusstsein rufen, das unergründliche Geheimnis, das einem jeden Dasein Berechtigung und Bedeutung verleiht.

Um jedoch das Angesicht Gottes in den vom Anfang und Ende handelnden biblischen Erzählungen zu entdecken, brauchen wir Kenntnis davon, wie diese Kapitel gelesen werden sollen. Vielen unserer Zeitgenossen bleiben sie aufgrund verschiedener Ursachen ein versiegeltes Buch. Wenn wir die Texte nicht richtig einordnen können, laufen wir Gefahr, sie als Märchen oder Science-Fiction-Erzählungen von der Hand zu weisen. Oder unsere vorgefertigten Ideen, die Resultate unserer religiösen Erziehung und die Vorurteile der modernen Welt, bilden zwischen uns und dem Text einen Filter. So entziehen wir uns den tatsächlichen Höhepunkten der biblischen Offenbarung, einer Lehre, die noch immer von großem Wert für die Bedeutung des Universums (Kosmologie), des menschlichen Lebens (Anthropologie) und vor allen Dingen des Wesens unseres Gottes (Theologie) ist. Sobald wir aber den Schutt, der uns von einer guten Annäherung fernhält, beseitigt haben, spenden uns die Geschichten, die heute ebenso relevant sind wie vor tausenden von Jahren, zur Beantwortung jener Fragen ein außergewöhnliches Licht.

Dieses Buch basiert auf Bibeleinführungen, die in Taizé als Teil der dort stattfindenden internationalen Jugendtreffen gehalten wurden. Es behandelt die ersten vier Kapitel des Buches Genesis und den letzten Teil des Buches der Offenbarung. Das Buch versteht diese Schriften weder als überholte Alternativen zu wissenschaftlichen Erklärungen noch wie einen Film über das, was war oder sein wird. Es versucht vielmehr, in ihnen eine tiefgreifende Betrachtung über die Bedeutung des Universums und der Menschheit im Licht des Glaubens an Gott zu erkennen. Richtig gedeutet, sprengen die biblischen Texte die Ketten einer geschlossenen Welt, um unser Dasein in einen möglichst weiten Zusammenhang zu stellen. Sie erlauben uns, im Herzen des Daseins eine unerschöpfliche Quelle der Energie zu entdecken, einen Mittelpunkt der Einheit, der in einem mit allen geteilten Leben Vollendung schenkt.