Walter Kardinal Kasper

im Gespräch mit Raffaele Luise

Das Feuer des Evangeliums

Mein Weg mit Papst Franziskus

Patmos Verlag

Anmerkungen


1 Im Folgenden sind die Fragen von Raffaele Luise kursiv gesetzt, die Antworten von Kardinal Walter Kasper nicht kursiv.

2 Vgl. Walter Kardinal Kasper, Papst Franziskus – Revolution der Zärtlichkeit und der Liebe. Theologische Wurzeln und pastorale Perspektiven, Stuttgart 2015.

3 Vgl. Raniero La Valle, Chi sono io, Francesco. Cronache di cose mai viste, Mailand 2015.

4 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 36f.

5 Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute.

6 Vgl. Papst Franziskus, Laudato si’. Über die Sorge für das gemeinsame Haus. Die Umweltenzyklika mit Einführung und Themenschlüssel, Stuttgart 2015. [Anm. d. Red.]

7 Bei seinem Besuch der europäischen Institutionen in Straßburg am 25. November 2014 hat Papst Franziskus die Multipolarität der Welt und die Notwendigkeit der Transversalität deutlich hervorgehoben. Vgl. dazu in diesem Buch S. 110.

8 Vgl. Philip Jenkins, Die Zukunft des Christentums. Eine Analyse der weltweiten Entwicklung im 21. Jahrhundert, Gießen 2006. [Anm. d. Red.].

9 Vgl. Raffaele Luise, Chiedi alla sabbia. Sulle tracce di Charles de Foucauld, Assisi 2008 [Anm. d. Red.].

10 Vgl. Pressekonferenz mit Papst Franziskus auf dem Rückflug nach Rom, 30. November 2014.

11 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 32.

12 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 26f.

13 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 28.

14 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 29.

15 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 15.

16 Deutsche Ausgabe: Charles Taylor, Ein säkulares Zeitalter, Frankfurt am Main 2009. [Anm. d. Red.]

17 Pietro Parolin, Per una economia della dignità, in »Osservatore Romano«, 2. April 2015.

18 Vgl. Papst Franziskus, Für eine Wirtschaft, die nicht tötet. Wir brauchen und wir wollen Veränderung, Stuttgart 2015. [Anm. d. Red.]

19 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 150 Anm. 158: »In der Philosophie ist der Begriff Transversalität angesichts der nicht hintergehbaren Pluralität unserer globalisierten Welt grundlegend geworden. Er steht für eine Theorie vernünftiger Kommunikation und kreativer Interaktion zwischen unterschiedlichen ethnischen, kulturellen, religiösen und anderen Gruppierungen. Dabei sucht er den Relativismus und die wechselseitige Gleichgültigkeit eines postmodernen anything goes ebenso zu vermeiden wie die neokolonialistische eurozentrische Ausschließlichkeit und einseitige Normativität der westlichen Moderne. […] In Lateinamerika findet sich dieser Denkansatz vor allem bei dem aus Argentinien stammenden E. Dussel, u. a.: Der Gegendiskurs der Moderne. Kölner Vorlesungen, Wien 2012.« [Anm. d. Red.]

20 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 116.

21 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 117f.

22 Der Vertrag wurde mittlerweile unterzeichnet und ist seit Jahresbeginn 2016 in Kraft. [Anm. d. Red.]

23 Vgl. Kardinal Péter Erdő, Relatio post disceptationem (13. Oktober 2014), Nr. 40.

24 Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, 47–52. [Anm. d. Red.]

25 Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes. Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, 16.

26 Christliche Theologie spricht »analog« von Gott, das heißt: Aussagen über Gott sind möglich, weil aus der Erfahrung der Schöpfungswirklichkeit gewonnene Begriffe im »übertragenen« Sinn (analog) auf den Schöpfer Anwendung finden können. Apophatische oder negative Theologie betont, dass in dieser analogen Übertragung von Begriffen auf Gott das Anders-Sein Gottes gewahrt bleiben muss: »Zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf kann man keine so große Ähnlichkeit feststellen, dass zwischen ihnen keine noch größere Unähnlichkeit festzustellen wäre« (4. Laterankonzil). [Anm. d. Red.]

27 Vgl. Pressekonferenz mit Papst Franziskus auf dem Flug von Manila nach Rom, 19. Januar 2015.

28 Der Redaktionsschluss des Interviews von Raffaele Luise lag vor Juli 2015. Vom 14. bis 25. Oktober 2015 fand die sogenannte »Ordentliche Synode« über Berufung und Sendung der Familie statt. Am 19. März 2016 veröffentlichte Papst Franziskus das nachsynodale Apostolische Schreiben »Amoris laetitia«. In der vorliegenden deutschsprachigen Ausgabe des Interviews nimmt Kardinal Kasper dazu Stellung.

29 Papst Franziskus, Die Freude der Liebe. Das Apostolische Schreiben »Amoris laetitia« über die Liebe in der Familie. Mit Themenschlüssel. Einführung von Jürgen Erbacher, Ostfildern 2015. [Anm. d. Red.]

30 Mit dem (wertneutralen) Begriff »Proselyt« (»Hinzugekommener«) wurden ursprünglich Konvertiten zum Judentum bezeichnet. Heute versteht man unter »Proselytismus« oder »Proselytenmacherei« ein aufdringliches Bemühen, andere zu veranlassen, ihren Glauben zu wechseln, im schlimmsten Fall mit religionsfremden oder unethischen Mitteln. Für Papst Franziskus ist wahre Mission oder Evangelisierung »nicht Proselytenmacherei, sondern Lebenszeugnis«. [Anm. d. Red.]

31 »Die Menschheit hat ein Recht darauf, dem ungerechten Angreifer Einhalt zu gebieten, aber auch der Angreifer hat ein Recht darauf, zurückgehalten zu werden, damit er nicht Böses tut«, Pressekonferenz mit Papst Franziskus auf dem Rückflug von Korea nach Rom, 18. August 2014. [Anm. d. Red.]

32 Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium. Dogmatische Konstitution über die Kirche, 8. [Anm. d. Red.]

33 Vgl. Johannes Paul II., Ut unum sint. Enzyklika über den Einsatz für die Ökumene, 13–14 [Anm. d. Red.]

34 Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche; Gemeinsame offizielle Feststellung des Lutherischen Weltbundes und der Katholischen Kirche (1999).

35 Kongregation für die Glaubenslehre, Dominus Iesus. Erklärung über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche (2000).

36 Vgl. Dominus Iesus 17: »Die kirchlichen Gemeinschaften hingegen, die den gültigen Episkopat und die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt haben, sind nicht Kirchen im eigentlichen Sinn; die in diesen Gemeinschaften Getauften sind aber durch die Taufe Christus eingegliedert und stehen deshalb in einer gewissen, wenn auch nicht vollkommenen Gemeinschaft mit der Kirche.« [Anm. d. Red.]

37 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Unitatis redintegratio. Dekret über den Ökumenismus, 4: »Alle in der Kirche sollen unter Wahrung der Einheit im Notwendigen je nach der Aufgabe eines jeden in den verschiedenen Formen des geistlichen Lebens und der äußeren Lebensgestaltung, in der Verschiedenheit der liturgischen Riten sowie der theologischen Ausarbeitung der Offenbarungswahrheit die gebührende Freiheit walten lassen, in allem aber die Liebe üben.« [Anm. d. Red.]

38 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 80.

39 Shakespeare, Hamlet, 1.Akt, 5. Szene: The time is out of joint. [Anm. d. Red.]

40 Vgl. Kasper, Papst Franziskus, 83.

41 Katholische Bischöfe sind verpflichtet, regelmäßig (in der Regel alle fünf Jahre), den Papst in Rom zu besuchen und über ihre Ortskirchen zu berichten. [Anm. d. Red.]

42 Am 25. Januar 2015 teilten der Lutherische Weltbund und der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen mit, dass Papst Franziskus zum Auftakt des Reformationsgedenkens an einem gemeinsamen Gottesdienst am 31. Oktober 2016 in schwedischen Lund, dem Sitz des Lutherischen Weltbundes, teilnehmen wird, zusammen mit dem Präsident und dem Generalsekretär des Weltbundes sowie katholischen und lutherischen Bischöfen aus Schweden. [Anm. d. Red.]

43 Vgl. Walter Kardinal Kasper, Martin Luther. Eine ökumenische Perspektive, Ostfildern 22016. [Anm. d. Red.]

44 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Unitatis redintegratio. Dekret über den Ökumenismus, 8. [Anm. d. Red.]

45 Antonio Bello, 1935–1993, war seit 1986 Bischof des italienischen Bistums Molfetta; 2007 wurde der Prozess seiner Seligsprechung eingeleitet. [Anm. d. Red.]

46 Ansprache von Papst Franziskus bei der Begegnung mit Führern anderer Religionen und anderer christlicher Konfessionen während der Apostolischen Reise nach Tirana, 21. September 2014. [Anm. d. Red.]

47 Kasper, Papst Franziskus, 88.

48 Vgl. Ansprache von Papst Franziskus während seines Besuches beim Präsidenten des türkischen Amtes für Religionsangelegenheiten am 28. November 2014. [Anm. d. Red.]

49 Vgl. den als Geleitwort publizierten Brief von Papst Benedikt XVI. in: Marcello Pera, Perché dobbiamo dirci cristiani. Il liberalismo, lEuropa, letica. Con una lettera di Benedetto XVI, Mailand 2008; dt. Ausgabe: Marcello Pera, Warum wir uns Christen nennen müssen. Plädoyer eines Liberalen. Mit einem Vorwort von Papst Benedikt XVI., Augsburg 2010. [Anm. d. Red.]

50 Franziskus, Evangelii gaudium. Apostolisches Schreiben über die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute, 254.

51 Die Styx ist in der griechischen Mythologie ein Fluss der Unterwelt, in Dantes Göttlicher Komödie machen die Sümpfe der Styx den fünften Kreis der (neun) Höllen aus. [Anm. d. Red.]

ÜBER DEN AUTOR

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© Kardinal Walter Kaspar Stiftung, Vallendar

Walter Kardinal Kasper, geb. 1933, Dr. theol., Professor für Dogmatik, 1989–1999 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 2001 zum Kardinal erhoben, 2001–2010 Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum sowie Mitglied der Kongregationen für die Glaubenslehre und für die Orientalischen Kirchen.

Walter Kardinal Kasper ist Hauptautor des ersten Bandes des Katholischen Erwachsenenkatechismus und Hauptherausgeber der dritten Ausgabe des Lexikons für Theologie und Kirche. Zu seinen zahlreichen theologischen Publikationen zählen unter anderem: Der Gott Jesu Christi; Jesus, der Christus; Einführung in den Glauben; Theologie und Kirche (2 Bände); Katholische Kirche. Wesen – Wirklichkeit – Sendung; Wege zur Einheit der Christen. Schriften zur Ökumene I (Walter Kasper Gesammelte Schriften 14); Einheit in Jesus Christus. Schriften zur Ökumene II (Walter Kasper Schriften 15). Seine Gesammelten Schriften erscheinen im Verlag Herder, Freiburg. Anlässlich des Reformationsgedenkens 2017 veröffentlichte er den Essay: Martin Luther. Eine ökumenische Perspektive (Ostfildern 2016).

Bei seiner ersten Angelus-Ansprache empfahl Papst Franziskus Kaspers Buch Barmherzigkeit. Grundbegriff des Evangeliums – Schlüssel christlichen Lebens (Freiburg im Breisgau 5. Aufl. 2012) zur Lektüre. Eine Hilfe zum theologischen Verständnis des Pontifikats von Papst Franziskus erschien 2015 Papst Franziskus – Revolution der Zärtlichkeit und der Liebe. Theologische Wurzeln und pastorale Perspektiven (Stuttgart 2015).

ÜBER DAS BUCH

SEin offensichtlicher Gleichklang verbindet den Papst aus Argentinien und den deutschen Kardinal. Für beide ist »Barmherzigkeit« der Schlüsselbegriff ihres Gottes- und Kirchenbildes. In diesem Interview antwortet Kardinal Walter Kasper offen auf Fragen zu den zentralen und strittigen Punkten des Pontifikats von Papst Franziskus: zur Erneuerung der Ehe- und Familienpastoral, zum Einsatz für eine Wirtschaft, die nicht tötet, und für eine ganzheitliche Ökologie, zum neuen Aufbruch zu einer »Ökumene der Freundschaft«, zum Dialog mit den Religionen und Kulturen der Welt und zum neuen Stil des Papstes, seinen Wurzeln und den Widerständen, die er erfährt.

Das Gespräch des Kardinals mit dem italienischen Vatikanexperten Raffaele Luise ist ein Schlüssel, um den Weg von Papst Franziskus zu verstehen, und ein leidenschaftliches Plädoyer, ihm zu folgen.

Auch als Printausgabe erhältlich.

www.patmos.de/ISBN978-3-8436-0771-1

IMPRESSUM

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Titel der Originalausgabe:

Testimone della Misericordia

Il mio viaggio con Francesco

Conversazioni con Raffaele Luise

© 2015, Garzanti, S.r.l., Mailand

Gruppo editoriale Mauri Spagnol

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Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2016 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern

Umschlaggestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

Umschlagabbildung: Kardinal Walter Kasper Institut, Vallendar

ISBN 978-3-8436-0771-1 (Print)

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LESEEMPFEHLUNG

Walter Kardinal Kasper

Martin Luther

Eine ökumenische Perspektive


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»Viele Christen erwarten zu Recht, dass das Gedenken von 500 Jahren Reformation uns ökumenisch einen Schritt dem Ziel der Einheit näher bringen werde. Wir dürfen diese Erwartung nicht enttäuschen.« So schreibt Walter Kasper zu Beginn seines Essays über Martin Luther, ein deutliches Signal aus dem Mund des früheren Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Jede Zeit projiziert die eigenen Wünsche und Anliegen auf Martin Luther – deshalb gilt es nach Kasper, Luther aus den interessegeleiteten Vereinnahmungen und Übermalungen früherer und heutiger Luther-Jubiläen zu befreien. Luthers Welt und seine Botschaft stehen in der Zeit des Umbruchs zwischen Mittelalter und Neuzeit und sind modernen Menschen von heute zunächst fremd. Hört man diesem »fremden Luther« aber erst einmal zu, entdeckt man, wie aktuell seine Botschaft für Christen aller Konfessionen ist – und was ihn mit Papst Franziskus und dessen Einsatz für Barmherzigkeit verbindet. Noch einmal Kasper: »Die Botschaft von der Barmherzigkeit Gottes war Luthers Antwort auf seine persönliche Frage und Not wie auf die Fragen seiner Zeit; sie ist auch heute die Antwort auf die Zeichen der Zeit und die drängenden Fragen vieler Menschen.«

3. Auflage 2017

96 Seiten | Hardcover mit Leseband

ISBN 978-3-8436-0769-8 (Print)

ISBN 978- 3- 8436-0770-4 (eBook)

Inhalt

Zur Einführung

Die Botschaft der Barmherzigkeit

Ganzheitliche Ökologie:
»Laudato si’«

Der familiensynodale Prozess: Grundlinien

Ein neuer Stil:
Nicht Räume besetzen, sondern Prozesse anstoßen

Wurzeln und Widerstände

Für eine Wirtschaft, die nicht tötet

Ein Papst aus Argentinien spricht zu Europa

Das Evangelium und die Weltpolitik

Der familiensynodale Prozess: Fragestellungen

Leben aus verantworteter Freiheit: »Amoris laetitia«

Nicht nur Papst, sondern Bruder: Der Weg des Dialogs

Das Geheimnis der Einheit hat schon begonnen:
Ökumene der Freundschaft

Dialog der Religionen in einer zerrissenen Welt

Das Feuer des Evangeliums: Kirche der Seligpreisungen

Bibliografie

Zu den Autoren

Anmerkungen

Zur Einführung

Mit der herausragenden Gestalt von Papst Franziskus hat die Kirche einen langen Weg der Reformen und des Wandels angetreten. Auf dem festen Fundament der Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils hat der südamerikanische Pontifex eine dynamische Architektur aus offenen Prozessen entworfen, offen für eine spirituelle und strukturelle Reform der Kirche, eine pastorale Umkehr der Papsttums selbst und eine grundlegende Neubestimmung des Dialogs mit der Welt und der Moderne – eine Neubestimmung mit Konsequenzen von epochaler Tragweite. Doch gerade der Radius und die Radikalität der päpstlichen Botschaft haben im Innern des Vati­kans und in Teilen der kirchlichen Hierarchie Misstrauen und Widerstand hervorgerufen und berechtigte Fragen nach den Zielen dieses Pontifikats aufgeworfen. Um Licht in diesen komplexen und entgegen allem Anschein nicht selbsterklärenden Weg zu bringen, könnten wir uns keinen besseren Experten wünschen als Walter Kardinal Kasper, einen der profiliertesten Theologen der Kirche von Rom und engen Mitarbeiter von Papst Franziskus. Von ihm stammt die Inspiration zum Thema der Barmherzigkeit, dem Dreh- und Angelpunkt des Bergoglio-Lehramts, und damit auch die Inspiration zum familiensynodalen Prozess, der die Nagelprobe des gesamten Pontifikats ist.

Kardinal Kasper wird uns zu einem tieferen Verständnis der Persönlichkeit von Papst Franziskus hinführen und uns alle Aspekte seines Pontifikats von innen heraus erhellen, wobei der synodale Weg zur Erneuerung der Familienpastoral (2014/2015) sowie das zeitlich wie inhaltlich daran anschließende Heilige Jahr der Barmherzigkeit besonders im Zentrum stehen sollen. Den Hintergrund bilden die großen theologischen Fragen, die insbesondere die Herausforderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs und die Wiederaufnahme des seit der Aufklärung unterbrochenen Dialogs mit der Moderne betreffen.

Nicht zuletzt in dem Bestreben, die ganze Brisanz eines Lehramts, das so viele Überraschungen bietet, gleichsam live kommentieren zu können, haben wir gemeinsam mit Kardinal Kasper beschlossen, in unserer langen Unterredung, die wir in den letzten Oktobertagen des Jahres 2014 begonnen und im Juni 2015 beendet haben, dem Verlauf des Pontifikats und des synodalen Wegs zu folgen.

Darüber hinaus aber entsteht in diesem Gespräch mit Walter Kasper auch ein kostbares Porträt des deutschen Kardinals, der im Dialog zwischen der römischen Kirche und den christlichen Konfessionen, den großen Religionen und den Kul­turen der Welt eine maßgebliche Rolle spielt: das Bild eines Mannes von großem menschlichem, intellektuellem und spirituellem Feinsinn und einer mustergültigen nichtklerikalen, zutiefst menschlichen Gläubigkeit.

Raffaele Luise

Das Feuer
des Evangeliums

Das Haus atmet eine leidenschaftliche intellektuelle und spirituelle Intensität. Hier, nur wenige Schritte vom Vatikan entfernt, lebt seit etlichen Jahren der deutsche Kardinal, der Franziskus zum Kernstück seines Pontifikats inspiriert hat: der Barmherzigkeit. Mit der Barmherzigkeit versucht Papst Franziskus, das Christentum zu seiner ursprünglichen Quelle zurückzuführen und die Frage nach Gott im säkularen Zeitalter neu zu stellen. Doch auch der Weg zu einer synodalen Kirche – die größte Revolution, die der Reformpapst in den Jahren 2014 und 2015 in Angriff genommen hat – wurzelt in der Barmherzigkeit.

Der tiefe Gleichklang zwischen dem Papst, einem »Kind des Südens«, und diesem quicklebendigen 82-jährigen Deutschen ist sofort zu spüren und zeigt sich auch in der Normalität ihrer Umgangsformen und ihres Lebensstils. Ja, Franziskus und Kasper sind zwei normale Menschen. Man mag dies für selbstverständlich halten, doch das ist es nicht, denn oft umgibt katholische Würdenträger eine sakrale Aura. Zumal in der Römischen Kurie, die Bergoglio durchaus kritisch als den »letzten europäischen Hofstaat« bezeichnet hat. Dort begegnet man ihnen, den streng blickenden Klerikern, die der argentinische Papst einmal mit »sauren Chilischoten« verglichen und bei denen er in seiner Weihnachtsansprache 2014 nicht weniger als 15 Krankheiten diagnostiziert hat – angefangen bei geistlichem Alzheimer über existenzielle Schizophrenie bis hin zu dem Gefühl, unentbehrlich zu sein.

Und normal ist, wie Kasper gerne sagt, auch die hochgewachsene, lächelnde deutsche Schwester, die seinen Haushalt führt. »Sie ist nicht so fromm und salbungsvoll wie manche anderen Ordensfrauen«, bemerkt er augenzwinkernd.

Hinter Berninis Kolonnaden ist die Sonne untergegangen, und die ersten Abendschatten erobern die kleine Piazza in der Città Leonina, zwischen den vatikanischen Mauern und dem Passetto di Borgo. Ein köstliches Stückchen vom päpstlichen Rom, das mich, warum auch immer, an eine Ecke der Pariser Île-de-France erinnert.