Hans Gerhard Behringer

Die Heilkraft der Feste erfahren

– Den Jahreskreis neu entdecken

Patmos Verlag

Hinführung

Über diesem Buch steht eine Grundwahrheit, die Hermann Hesse seinen weisen Siddhartha so ausdrücken lässt: »Von jeder Wahrheit ist das Gegenteil ebenso wahr. Nämlich so: eine Wahrheit lässt sich immer nur aussprechen und in Worte hüllen, wenn sie einseitig ist. Einseitig ist alles, was mit Worten gesagt werden kann, alles einseitig, alles halb, alles entbehrt der Ganzheit, des Runden, der Einheit … Die Welt selbst aber, das Seiende um uns her und in uns innen, ist nie einseitig.«1

Ein Buch über die Tiefendimension des Jahreskreises

Menschen feiern gerne. In Ost und West, in Nord und Süd ist das allen Gesellschaften, Völkern, Kulturen und Generationen gemeinsam: Im Laufe des Jahreskreises gibt es eine große Fülle von Festen, auf die sich die allermeisten freuen und gerne mitfeiern, manche gehen auf sie mit gemischten Gefühlen zu. Dennoch sind sie ein Grundbestandteil unseres Lebens. Sie werden in die Jahresplanung mit hineingenommen, bestimmen zum Beispiel das Schuljahr, werden von Kindergärten gefeiert, in Seniorenkreisen und Altenheimen bedacht, und bestimmen die Urlaubsplanungen in Firmen, Betrieben und Behörden und weithin das Familienleben. Immer mehr Menschen suchen nach Riten und Ritualen, um die altüberkommenen Feste neu zu gestalten. Strömungen des so genannten New Age und viele neu entstehende Gruppen nehmen das auf. Esoterische Gemeinschaften und auch spirituelle Bewegungen oder gar Kulte greifen diese Offenheit der Menschen von heute auf. Wie spiegeln sich die alten Rituale in den neu entstehenden? Was wird dabei auf- und angenommen, was wird umgeformt und umgedeutet? Inwiefern könnten wir die altvertrauten Feste wieder beleben und neu fruchtbar werden lassen, um diesem Interesse entgegenzukommen?

Dieses Buch hat seit 1997 insgesamt 8 Auflagen erlebt2 und einen breiten Leser/innenkreis bewegt und bereichert. Heute nun liegt es in Ihren Händen, mit einem neuen Titel, in neuem Gewande, um – sorgsam neu bearbeitet und aktualisiert – noch einmal einer vielfältigen Leserschaft Impulse zu geben für ein erfüllendes und gelingendes Leben. Als ein Begleitbuch durchs Jahr zeigt es immer wieder neue Dimensionen auf, die uns stärken, aufbauen und weiterbringen.

Im Folgenden wird angeregt, Inhalte des Lebens und des Glaubens, wie sie von den Festen des Kirchenjahres im Jahreslauf repräsentiert werden, »ganzheitlich« erfahrbar und zugänglich zu machen. Es soll daher kein wissenschaftliches Buch sein im Sinne der Darstellung von akademischen Auseinandersetzungen, auch kein belehrendes Buch, sondern ein Buch, das eigenes entdeckendes Lernen ermöglicht. – Was heute zunehmend mehr zählt, ist der existenziell-existenziale Tiefen- und Praxisbezug. Immer wieder haben mir in meiner psychotherapeutischen Praxis, in der Seelsorge, bei Trainings, Vorträgen, Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen Menschen deutlich gemacht, dass so etwas fehlt: eine Hinführung zum Festkreis, zu seiner Tiefendimension, ein Materialbuch als Ent­deckungshilfe, als Lebenshilfe für jede und jeden.

Denn in den Festen lebt etwas, was prägt, fest verwurzelt ist in der eigenen Seelentiefe, was nicht nur Lehre ist, nicht nur »Wort«. Tradition lebt hier in Farben, Formen, Bildern, Gerüchen und Geschmäckern, Gesängen und Musik, in Anschau-, Antast- und Mitmachbarem, im Tun und Sich-Beteiligen und Mit-Hineingenommensein in die Gemeinschaft, ob als Teilhaber/in oder Zuschauer/in eines Festes, einer Vorführung, eines Spieles oder einer Prozession, oder allein mit sich oder im kleinen, vertrauten Kreis.

Es könnte sein, dass wir hier auch in ökumenischer Weise von­einander zu lernen hätten: evangelische, katholische und orthodoxe Christen, vom Reichtum des in verschiedenen Gegenden von Menschen praktizierten Glaubens- und Erlebensgutes.

Das ist das Besondere am Jahreskreis: Er spricht alle an, wirkt sich auf jeden aus, wird von jedem erlebt – mehr oder weniger bewusst. Vielleicht kann ein vertieftes Erleben seiner verschiedenen Feste, Stadien und Etappen das erreichen, worum sich so viele mühen: Die Strömungen und Herausforderungen unserer Welt mit ihrem Suchen und Fragen nach Spiritualität und einer »neuen Zeit« anzunehmen, grundlegend anzuerkennen und zu verstehen und mit den ursprünglichen, lebendigen und lebensschaffenden Intentionen des christlichen Festkreises zu verbinden.


Und die multikulturelle Perspektive?

Mag sein, dass manche von Ihnen beim Lesen erwarten, eine integrative Zusammenschau von Festen und Feiern verschiedener Kulturen zu finden in ihrer Wirkung auf das Leben und die Kultur. Fakt ist: Viele Menschen heutzutage wissen gar nicht mehr, was Advent bedeutet, wozu das Drei-Königs- oder Epiphaniasfest gut sein soll – außer einem Feiertag in manchen (Bundes-)Ländern. Himmel- oder Auffahrt ist für manche nur der Vatertag – als Pendant zum Muttertag. An Pfingsten ist vielen nur wichtig, dass es dabei einen freien Montag gibt oder gar Ferien – wie bei Weihnachten und Ostern.

Und heutzutage kennen zwar viele Halloween und seine Bräuche, aber dass dahinter früher das Reformations- und das Allerheiligenfest standen, ursprünglich ja sogar ein keltischer Feiertag, ist vielen unbekannt. Und statt des Martins- oder Lichterfestes am 10. November feiern manche Kindertageseinrichtungen heute sogar ein »Sonnen-, Mond- und Sternenfest« …, um nur einige Beispiele zu nennen.

Man könnte zwar bei Festen und Feiern neben der abendländisch-christlichen Kultur tatsächlich auch noch die Fülle von Traditionen anderer Religionen und Völker einbeziehen, die heute mit und bei uns leben: jüdische, islamische, buddhistische oder hinduistische Feste, Gedenktage und Bräuche. Mir geht es aber in diesem Buch entscheidend darum, dass Sie, liebe Leserin, lieber Leser, etwas davon erfahren und erspüren, was die traditionellen Feste im deutschsprachigen Raum, die das Jahr durchziehen und auch strukturieren, für Ihr konkretes Leben bedeuten. Dass Sie auf dem Weg durch dieses Buch erleben: Das sind nicht nur Chiffren und alte, abgelegte Worthülsen, sondern das ist Hilfe zur Lebensbewältigung, Begleitung für gelingendes Leben, Ermöglichung einer Vertiefung, eines neuen Verständnisses und Lebens- und Praxisvollzuges.

Was Ihnen früher vielleicht nur vage bekannt war, wozu wir im Jahreslauf ab und zu innehalten, Pause machen, den Normalablauf unterbrechen, Fest- und Feiertage genießen: Was das bedeutet, wozu es gut ist, inwiefern es heilsam ist: das will dieses Buch eröffnen und vermitteln. So können Sie die Schätze unserer eigenen Kultur wieder erkennen, neu entdecken, verstehen und heben. Damit wir nicht etwa Angst vor dem Fremden haben oder das Fremde ablehnen müssen aus Unkenntnis der eigenen Werte …


»Bedienungsanleitung«

Dieses Buch soll demnach verschiedenen Zielen, Erwartungen und Zwecken dienen: Als Adressaten stelle ich mir einerseits Menschen vor, die mit den christlichen Festen oder den Festen im Jahreskreis gar nichts (mehr) verbinden können, die diesen Inhalten fernstehen; andererseits jene, die im Altgewohnten, obwohl sie es kennen, nach lebendigen Erfahrungen suchen, die den ganzen Menschen ansprechen. Menschen also, die bewusst im Schatz des christlichen Kulturkreises suchen.

Und für all jene, denen die christlichen Feste und Traditionen unserer Kultur bisher nur wenig zu sagen haben und eher fremd sind, kann es – so hat es die Erfahrung der letzten 20 Jahre mit dem Buch und seiner Wirkung gezeigt – ganz neue Zugänge schaffen, Perspektiven eröffnen, heilsame Dimensionen erschließen und fürs Leben hilfreiche Weisheiten und Erfahrungen vermitteln. Ganz konkret, lebensnah und praxisorientiert begleitet es Sie hin zu größerer Tiefe, Lebensfreude und einer wirksamen Bewusstseinserweiterung und neuen Balance.

Wenn Sie das Buch als Entdeckungs- und Arbeitsbuch für sich selber verwenden, so ist es sicher ratsam, es nicht auf einmal zu lesen, sondern »portionenweise«. Sie könnten auch den Weg eines Jahres ganz bewusst damit verfolgen, die jeweiligen Abschnitte, die der Jahreszeit entsprechen, intensiver er- und durchleben, sich von den Gedanken und Impulsen zu eigenen Ideen und Erfahrungen anregen lassen. Das Buch will Zugänge eröffnen zu neuen Lebens-, Erfahrungs- und Wirklichkeitsräumen. Das Geschriebene erhebt keineswegs den Anspruch, dass »es so sei« – nur so, und nicht anders –, sondern möchte einladen, sich den Wirklichkeiten zu stellen, die mit den Festen gemeint und ausgedrückt werden. Denn die Wirklichkeit und die Wahrheit sind ja immer noch viel größer als das, was mir mit Worten, Gedanken und Interpretationen auszudrücken möglich ist. Und diese Gedanken sollen nicht Ihrer eigenen Begegnung mit dem »ganz Anderen« im Wege stehen, der oder das hinter dem Gemeinten steht und in den Festen und auch sonst in unserem Leben wirkt.

Manche der angebotenen Überlegungen, Impulse und Rituale zur Vertiefung sind zunächst notwendigerweise sehr persönlich auf Einzelne bezogen, ganz individualisierend. Denn auch jedes Weitergeben braucht erst die eigene Erfahrung, Berührtheit und Betroffenheit. »In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst«, sagte Augustinus. Dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für die sinnvolle Verwendung für andere. Denn solche meditativ-inneren Zugänge können gut ins Gespräch hinein geöffnet werden bei Veranstaltungen und Gruppenprozessen jeglicher Art.

Das Buch ist eine Fundgrube für Menschen, die als Multiplikator/innen in Gruppen, Gemeinden, in Schulen verschiedenster Art, (Fach)akademien und Hochschulen, generell in der Arbeit mit Jugendlichen, Erwachsenen und auch mit Senioren tätig sind: Es gibt Arbeitsmaterial für viele Diskussionen, Selbsterfahrungseinheiten, Vorträge und Seminare. Leitende und/oder Gruppenteilnehmer/innen können Texte daraus lesen, die Impulse gemeinsam bearbeiten und dann ihre Erfahrungen miteinander austauschen.

Betrachten Sie doch bitte alles als ein »Kaltes Buffet«, von dem Sie sich nehmen, was Ihnen wohlschmeckend, verdaulich und gut erscheint. Oder betrachten Sie es als einen kreativen Steinbruch, aus dem Sie sich je nach Bedarf ein Thema herausnehmen können – z.B. zu Advent, Maria, Karfreitag oder Erntedank. Man kann dann das Vorgegebene einfach in den eigenen Rahmen einflechten, oft vielleicht sogar, ohne sehr viel verändern zu müssen. Die angebotenen »Impulse« sind jahrelang erprobt und bewährt und eignen sich fast alle ebenso gut für Meditation und Begegnung mit sich selbst allein wie für die gemeinsame Erfahrung in Gruppen.

Eine Fülle von theologischen, tiefenpsychologischen, philosophischen und dem Leben abgelauschten Gedanken, von Impulsen zur Hereinnahme der Gefühlswelt und des gesamten Bereiches der Affekte und Emotionen, Hinweise für die praktische Umsetzung im konkreten Lebensalltag sind versammelt.

Der Wirkungsprozess solcher Gedanken geht ja in beide Richtungen: von innen nach außen wie auch von außen nach innen: Wer innerlich Neues erkannt und erfahren hat, wer sich neue Räume erschließen konnte, wird anders handeln, leben, feiern. Natürlich haben neue Rituale und Feststrukturen auch eine Rückwirkung nach innen! Und in der Tat: Uns fehlen heute oftmals neue Rituale für Familienfeste, Gottesdienste, neue Formen des Feierns. Die aber entwickeln sich/werden entwickelt als Auswirkung, als Frucht der erweiterten Innenerfahrung! Darum haben die ganz individuellen Zugänge so große Bedeutung, da der Schatz des christlichen Festkreises sich dann neu erschließt, wenn er zuerst aktuell und individuell ausgegraben und dann mit anderen geteilt wird.

So denke ich, dass durch die intensive Eigenerfahrung in der Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen, durch die Bearbeitung der vielen »Impulse«, die immer wieder den Text auf unser konkretes Leben beziehen und zur Eigenbeteiligung hinführen und auffordern, viele Ideen, eigene Umsetzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten entstehen, in die auch mühelos andere in Gruppenprozessen einbezogen werden können.

Am schönsten wäre es, wenn wir in einen Dialog miteinander kämen: Ich habe Ihnen meine Entdeckungen und Erfahrungen seit über 30 Jahren beschrieben und in der Hoffnung anvertraut, dass sie für Sie nun fruchtbar werden können. Wie wäre es, wenn Sie mir ein Echo gäben, von Ihren Erfahrungen mit dem Buch erzählten, Weiterführendes, Vertiefendes oder auch Kritisches mit mir teilten? Ich habe versucht, durch eine oftmals fast gesprächshafte, dialogische und teilweise sehr persönliche Schreibweise diesen Prozess einzuleiten und zu fördern. Sie brauchen mich nur auf meiner Homepage zu besuchen unter www.hgbehringer.de. Dort finden Sie auch meine Kontaktadressen.

Aber abgesehen davon wäre es gut – wie auch immer Sie dieses Buch verwenden und einsetzen wollen –, wenn Sie immer wieder in den Austausch mit anderen Menschen und mit deren Erfahrungen beim Lesen und Durcharbeiten der folgenden Seiten träten. Gönnen Sie sich viel Muße und Zeit, das Gelesene »durchzukauen«, »wiederzukäuen«, in sich zu bewegen, zu verdauen und dann in sich umzusetzen, Fruchtbares daraus werden zu lassen, oder auch nicht Benötigtes abzulehnen oder wieder loszulassen. Ich hoffe, dass meine Worte Ihnen Wege eröffnen, die Sie dann selber frei gehen können, ohne dass jemand von uns wüsste, wohin diese Wege Sie führen und was »dabei herauskommt«.

So machen wir uns denn auf diesen Weg ins große, offene, unbekannte und letztlich unbegreifliche Land der Wirklichkeit: Lassen wir uns davon ergreifen!


Wiedergewinnung einer verlorenen Dimension

Feiern heißt, mein Leben steuern, bewusst eingreifen in meinen »Lebens-Lauf«, den Lauf der Geschäftigkeit des Alltags, und Zäsuren schaffen, Zeiten des Auftankens, Kraftschöpfens, Zu-mir-Kommens und Neuwerdens. Heute, da gilt »Zeit ist Geld«, und da die Zeit – wie alle Rohstoffe – immer knapper zu werden scheint, müssen wir das vielleicht erst wieder lernen3: Weithin ist die Dimension des Zur-Ruhe-Kommens, des Feierns verloren gegangen, in Vergessenheit geraten, der Schnelllebigkeit und Hetze allen Tuns zum Opfer gefallen.

Dieses Buch möchte und kann mit dazu verhelfen, dass wir diese verlorene Dimension wiedergewinnen, dass wir wieder lernen, in und bei uns zu Hause zu sein, in dem großen, vielräumigen, vielseitigen Haus, das wir sind. Oder in einem anderen Bild: dass wir auf dem Weg, den wir gehen, in unserem Lebenslauf, gelegentlich langsamer werden und zur Ruhe kommen können. »Zur Ruhe kommen« – darin drückt sich Verschiedenes aus: dass die Ruhe eigentlich schon da ist, dass sie auf uns wartet, uns zu empfangen und zu umfangen bereit ist, und dass auch dieses ein Prozess ist, ein Werden, ein Weg. Wir werden dahin »kommen« – aber auch das braucht Dauer und Zeit. Vielleicht ist es ja sogar ein langer Weg. Und: Das kommt nicht von selbst, es geschieht nicht von allein – wir müssen uns aufmachen, auf den Weg, müssen dorthin gehen, wo die Ruhe ist, um »zur Ruhe zu kommen«.

6394.jpg Impuls: Was ist Ihr Zugangsweg »in die Ruhe«, um »zur Ruhe zu kommen«? Welchen Anlauf, welche Vorbereitung brauchen Sie? Können Sie gleich und sofort umschalten auf Ruhe? Manche Menschen brauchen erst Stress/Aktivität/Körperbewegung. Andere nutzen Musik, Kreativität. Was hilft Ihnen?

Zeiten der Pause, der Ruhe, der heilsamen Unterbrechung unseres Lebens und Alltagsflusses sind unverzichtbar. Sie sind wie Ankerpunkte für ein Schiff, das unterwegs ist; wie Einkehrstationen, wie Raststätten, wo wir buchstäblich »Einkehr halten«; wie Tankstellen, die wir bei Verkehrsmitteln als selbstverständlich empfinden und immer wieder anfahren und wo wir auch etwas dafür auszugeben bereit sind! Wie viel mehr aber ist der Mensch doch als ein Auto …

6394.jpg Impuls: Was sind Ihre Rastpunkte, Einkehrstätten – und wie gestalten Sie das Feiern? Wo und wie feiern Sie? Haben Sie dafür bestimmte Rituale? Was gehört unbedingt dazu, was ist schön, wenn es dabei ist, was aber auch verzichtbar? Was unterstützt Sie auf dem Weg zu Ihrer Ruhe?

Wieder feiern lernen – manche können das nur noch mit großem Pomp und Aufwand, mit Hilfe von viel Investition und Geld, Organisation und Animation. Andere können es leichter, brauchen nicht viel dazu, haben noch nicht verlernt, auch den Abend jedes Tages zu feiern – den »Feier-Abend«; müssen sich nicht die Zeit oder die Ruhe vertreiben durch Freizeitstress, Aktivitäten, das Fernsehen oder sonst wie. Manche suchen Gemeinschaft, andere feiern gerne und lieber allein oder zu zweit – ganz personal und individuell.

Der Jahreskreis – ein heilsamer Kreis

Das bewusste Begehen und Feiern der verschiedenen Zeiten und Feste des Jahreskreises im Kirchenjahr, wie wir es hier im Folgenden üben wollen, kann für uns zu einem bewusstseinserweiternden, ja therapeutischen und heilenden Weg werden und dadurch große Bedeutung gewinnen. Denn das Jahr bietet mit seinen Festen eine bunte und umfassende Palette der Vielfalt von Lebenssituationen, Freuden und Krisen, wie sie im Leben eben vorkommen. Schon in der Form des Zyklus – des Kirchenjahres-Kreises – liegt etwas Lebensnahes, Lebensbejahendes und Lebensförderndes: Das Kirchenjahr ist ein Kreis, der sich alljährlich wiederholt. Das bedeutet, dass im Laufe eines Jahres alle Punkte dieses Kreises, alle Feste, alle Einzelstationen dieses Zyklus »durchlaufen werden«, nichts wird übersprungen. Das Gegensätzliche, das Ungeliebte und das Geliebte, das Dunkle und das Helle kommen vor. Es gibt dabei also im Grunde kein »wichtigstes« Fest, keinen allein wichtigen Aspekt, kein herausragendes Geschehen: Jede Etappe, Erfahrungsweise, jede »Station« dieses Kreises steht gleichberechtigt neben den anderen. Alle sind mit der Mitte gleichermaßen verbunden, haben in diesem Kreis dieselbe Mitte und zugleich ihre Ausrichtung zur Mitte hin.

Existenzielle Themen: die Vielfalt des Lebens

Jeder Aspekt unseres Lebens, jede Regung unserer Seele, alle freudigen und schweren Erfahrungen und die damit verbundenen Inhalte und Emotionen, alles ist in diesem großen Kreis des Jahres repräsentiert, aufgenommen und angenommen. Der Jahreskreis lässt nichts Wesentliches im Leben aus, nichts muss tabuisiert werden, nichts bagatellisiert, nichts kann ungestraft ausgeblendet, ausgespart, verpönt oder gar verteufelt bleiben/werden, aber auch nichts ist einzigartig herausragend und etwa ganz allein wichtig. Denn die Überbewertung ebenso wie die Tabuisierung in bestimmten Bereichen dieser breiten Palette von Lebensäußerungen, wie sie das Kirchenjahr »feiert«, von bestimmten Bereichen des Gefühls, des Lebens, des Ganzen – würden krank machen und seelische und soziale Störungen hervorrufen. In diesem »heilenden Kreis« jedoch gehört alles dazu und ist alles unverzichtbar. So ist der Jahreskreis wirklich Lebenshilfe, indem er alle Aspekte des Lebens in die Gesamtheit, in die Gesamtgestalt des Lebens als Teilaspekte aufnimmt, von denen nur alle zusammen das Ganze ausmachen.

Dies ist der Psychotherapie und Psychoanalyse ähnlich: Freud nennt als Grundhaltung der Analyse die der »gleichschwebenden Aufmerksamkeit«. Damit ist Achtsamkeit gemeint, Offenheit für alles, was im Inneren aufsteigt. Nichts wird kritisiert, nichts ist schlecht, verboten, tabu; alles ist sagbar und soll möglichst »unzensiert« ausgedrückt werden. Das entspricht auch dem Grundmodell der sogenannten humanistischen Psychologie: Erst alle lebendigen Teile zusammen, ins Ganze integriert, ergeben die Fülle und Integrität eines Lebens, bilden zusammen die »gute Gestalt«. Dies entspricht zugleich der Weisheit westlicher und östlicher Spiritualität, der Mystik verschiedenster Zeiten und Kulturen, auch der »Meditation als Wahrnehmung dessen, was ist«. Ich schaue, nehme wahr, ich bin Zeuge dessen, was in mir und um mich ist. So wie Vervollkommnung, Ganzwerdung und Vollendung erst durch das »Durchwohnen« aller »inneren Räume« unserer »Seelenburg« geschehen (ein Bild der christlichen Mystikerin Teresa von Avila), so kann das tiefe Erfahren, Erfassen, ja Ergriffenwerden von den Facetten und Anteilen des Jahreskreises Hilfe bieten auf unserem Weg zur Ganz- und damit Heilwerdung. Denn jedes Jahr bietet und repräsentiert die ganze Fülle und Bandbreite dessen, was ist – im einzelnen menschlichen Leben wie in der Gemeinschaft und Gesellschaft.


Der integrierte Mensch

Wenn wir dies begehen, im Denken und Spüren, im Tasten und Riechen, Schmecken und Hören und Schauen, es mit allen Sinnen erfassen, erfahren und reflektieren, dann werden wir behutsam in alle Bereiche des Lebens, zu denen eben Licht- und Schattenseiten, das Schwere und das Beglückende gehören, begleitet. Und gerade darin ist der Jahreskreis »praktische Seelsorge«, »Lebenshilfe und Therapie«, Bewusstseinserweiterung, die hineinführt in die Fülle des Lebens und vorbereitet auf seine verschiedenen Seiten, diese inszeniert und darstellt, begleitet oder rückblickend verarbeiten hilft. Im symbolischen Erleben der unterschiedlichen Seiten der Realität bietet der Jahreskreis Konfrontation und Bewältigungshilfen für alle Lebensphasen an.

Es geht nicht nur um das kognitive Verstehen der Feste, sondern um ein tieferes, existenzielles Erleben und Mit-Leben-Füllen. Wir werden nun in einer zugleich tiefenpsychologischen und tiefentheologischen Weise die Feste zu ergründen suchen, wir werden existenziell und existenzial an sie herangehen und ihren ganz konkreten Bezug zu unserer Lebens- und Alltagswirklichkeit suchen. Solches Begehen und Feiern der Feste ermöglicht die Hereinnahme der seelisch-emotionalen und körperlich-pragmatischen Seite unseres Wesens, ist damit ganzheitlich und darin Lebensschule und helfende Begleitung zugleich – eben Lebenshilfe als Hilfe zur Lebendigkeit!


Achtsamkeit als Zugangsweg:
Schlüssel der Lebens- und Welterfahrung

Wenn die hebräische Sprache ausdrücken will, dass man etwas besonders intensiv, mit besonderem Nachdruck, mit Bewusstheit und Intensität tun will, dann kennt sie eine Sprachform, mit der das verwendete Verb sozusagen wiederholt wird. Im Deutschen könnte man das etwa so wiedergeben: gehend gehen, singend singen, sprechend sprechen, lesend lesen.4

6394.jpg Impuls: Versuchen Sie das doch gleich einmal auszuprobieren: Statt weiter zu lesen, stehen Sie auf und gehen einige Schritte. Gehen Sie langsam und in bewusstem Bodenkontakt. Versuchen Sie zu spüren, wie Ihr Fuß den Boden berührt, drückt, und wie der Boden antwortet. Machen Sie einmal schnellere oberflächlichere Schritte, wie Sie vielleicht sonst gewohnt sind zu gehen, wenn Sie in Eile sind, um daran den Unterschied zu spüren. Jetzt gehen Sie wieder ganz langsam, sozusagen in Zeitlupe: behutsam den Boden berührend, erspü­rend, wie Ihre Fußsohle, Ihre Zehen Kontakt mit dem Boden, dem Teppich oder der Unterlage aufnehmen. Gehend gehen. Anders wäre: Denkend gehen, oder singend gehen, oder redend gehen. »Spürend gehen« kommt dem am nächsten, was gemeint ist. Achtsam werden und wirklich wahrnehmen, wie sich das anfühlt, vom Boden getragen zu werden und mich meinen Füßen zu überlassen. Wirklich vom Kopf in die Füße gehen!

Diese kleine Übung lehrt uns die Bedeutung der Langsamkeit in Verbindung mit Spürsamkeit und Wahrnehmung – mit einem Wort ausgedrückt: Achtsamkeit. Und wenn wir nun miteinander den Weg durchs Jahr be-»gehen«, den Jahreskreis von Fest zu Fest, von Phase zu Phase durch-»schreiten«, so wird es uns dann zum Gewinn werden, wenn wir uns einüben in diese Haltung der Achtsamkeit. Achtsamkeit umfasst den ganzen Menschen in der Konzentration auf den jeweiligen Augenblick. Ganz da sein, volle Präsenz im Hier und Jetzt. Und bewusstes Wahrnehmen dessen, was ist. Nicht bewerten, nichts beurteilen, alles darf sein, wie es ist. Achtsam sein für meine Gefühle, die auftauchen, für die Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, für Erinnerungen, Gefühlsbilder, Planungen und Ziele, Körperreaktionen und Stimmungen, die aus der Seele aufsteigen und im Körpergefühl sich ausdrücken.

Wir wollen einen Weg durch das Jahr betrachten, der uns dann zum Lehrer, Helfer, zur Lebenshilfe werden kann, wenn wir uns darauf einlassen, ihn achtsam zu gehen. Denn wenn wir Feste und Feiern als lebensschaffendes, lebensbejahendes und zum Leben und zur Lebendigkeit helfendes Element erkennen und leben wollen, so ist die Grundvoraussetzung eine Einübung in die Achtsamkeit: Achtsamkeit im Erleben der Jahreszeiten, im Umgang mit den eigenen Gefühlen und Empfindungen dabei, mit Erinnerungen, Bildern, Gedanken, die in uns auftauchen. Achtung vor uns selbst, unserem Innern, unseren Reaktionen haben wir in unserer vom Intellekt und vom Willen, Planen und Tun bestimmten Lebensweise weithin verlernt. Wir haben oft die Fähigkeit verloren, zu achten und zu be-achten. Auch das Kleinste und Unscheinbarste verdient Beachtung, an einem Spazierweg, bei einer Begegnung, in einem Gespräch, in meinen Träumen, in meinem Seelenhaushalt und meiner Gefühlswelt. Und auch das gehört zu mir, was ich bisher noch nicht annehmen konnte, was ich an mir noch nie mochte, was ich anders haben und verändern möchte, auch das verdient liebevolle Hinwendung, Zuwendung und Beachtung, denn es gehört zu mir – wie vieles andere mehr. Dies heißt, es wahrnehmen, ernst nehmen, nicht verachten, sondern achten, mit Respekt empfangen und zulassen.


Die Kunst der Wahrnehmung

Wenn wir dem Leben begegnen wollen, wie es wirklich ist, wenn wir nach wahrer Lebenshilfe suchen, müssen wir das Leben wieder leise lernen. Denn es besteht nicht nur aus den lauten Tönen, aus den großen Gesten und Posen, aus dem, was durch Anstrengung und Leistung erworben wird. Wir müssen auf die Langsamkeit des Wachstums achten, auf die sanften Stimmen hören, Respekt auch gerade vor dem Kleinen, Schwachen und Geringen entwickeln. Sonst werden wir einseitig und nur bestimmt von den grellen Farben und den schrillen Tönen, wir überhören den leisen Klang der Stille und verlernen, ihr zu lauschen. Ein Weg, das zu lernen und das Leben in seiner Vielfalt zu verehren, bewusst zu erfahren und einzuüben, sind die verschiedenen Stationen des Jahreskreises, die verschiedenen Festzeiten des Kirchenjahres. Alljährlich kehren darin in geduldiger Wiederholung die verschiedensten Facetten und Ausdrucksformen von Lebendigkeit, von Lebenserfahrungen wieder und bieten sich uns an, uns mit ihnen vertraut zu machen und mit ihnen zu befreunden. So kann der Weg durchs Jahr für uns zum Einführungsweg in ein meditatives, reicheres, tieferes und weiteres, spirituelles Leben hinein werden.

Fangen wir also an, in dieser achtsamen Haltung den Weg durchs Kirchenjahr zu gehen. Bevor Sie die folgenden Kapitel lesen, halten Sie bitte erst noch einen Moment inne:

6394.jpg Impuls: Setzen Sie sich hin, schließen Sie die Augen und schauen Sie sich einfach selber zu. Seien Sie ein achtsamer innerer Beobachter dessen, was ist. Spüren Sie in sich hinein, wo Anspannung ist oder Schmerz, oder wo Gegenden in Ihrem Körper sind, wo Sie sich wohlfühlen, wo es warm und angenehm ist. Einfach nur wahrnehmen heißt: Ich verurteile nichts, beurteile nichts, beklage nichts, heiße nichts willkommen. Alles darf sein, wie es ist. Und ich achte es. Hören Sie mit einem Ohr nach außen, welche Geräusche, Klänge oder Laute an Ihr Ohr dringen, mit dem anderen Ohr nach innen, ob Ihr Körper Geräusche von sich gibt oder welche Stimmen, Laute und Gedanken in Ihnen klingen. Oder ist da ein Echo? Worauf? Schauen Sie Ihren Gedanken zu, ohne sie etwa abschalten, bremsen oder anhalten zu wollen. Lassen Sie sie vorüberziehen, wie Wolken am Himmel oder wie Vögel, die vorbeifliegen. Seien Sie einfach der Beobachter, der keinen der Gedanken begrüßt, aber auch keinen wegschickt, der keinem nachgeht, den Gedanken nicht folgt, aber auch keine herbeilockt, keine ruft. Und schauen Sie den Bildern zu, die in Ihrem Innern vielleicht aufsteigen, Gefühls­bildern, Erinnerungen aus der Vergangenheit, vor langer Zeit oder vor kurzem, Filmen, die in Ihnen ablaufen, Tagträumen oder was auch immer geschieht. Nur in der Haltung des Beobachters, eines wachsamen Zeugen bleiben, nicht mitspielen, nicht hinein­gehen, sondern freundlich und wohlwollend alles wahrnehmen und beachten. Schau­en Sie Ihrem Atem zu, wie er in Sie strömt und Sie wieder verlässt, ohne dass Sie sich mühen müssen. Und lernen Sie daran eines der wesentlichen Grundgesetze des Lebens: wie alles in Wellen geht. Und wie das Wesentliche nicht erkämpft werden muss. Vielleicht spüren Sie zum Abschluss ein Lächeln auf Ihrem Gesicht – oder auch nicht. Bleiben Sie noch eine Weile mit geschlossenen Augen sitzen und spüren dem nach. Dann öffnen Sie wieder die Augen.

In solch einer inneren Haltung, geleitet von der meditativen Kunst der Wahrnehmung und der Achtsamkeit, werden uns die Feste zu wirklicher Lebens-, Entwicklungs- und Entfaltungshilfe werden.

Die zugänglichsten Feste

Wenn ich bei meinen Vorträgen, Seminaren und Gruppen nach dem wichtigsten, beliebtesten und zugänglichsten Fest frage, so zeigt sich fast immer dasselbe Ergebnis: Zwei Drittel bis drei Viertel sagen »Weihnachten«, für den Rest ist es Ostern (mit Karfreitag!). (Als am unbeliebtesten und unzugänglichsten gelten Pfingsten, Trinitatis/Dreifaltig-/Dreieinigkeit und Buß- und Bettag.)

Nach Auskunft von Jugendlichen in der Ausbildung und jungen Erwachsenen sind es besonders zwei Feste im Jahr, die bekannt und beliebt sind und gefeiert werden, ob Menschen nun einen religiösen Hintergrund haben oder nicht: Erntedankfest und »Drei-König«/Epiphanias. Bei anderen Befragungen ergaben sich immer nur Weihnachten und Ostern als die liebsten Feste. Wenn wir nun diese vier Feste miteinander vergleichen, nach dem Gemeinsamen suchen, was vielleicht Grund dafür sein könnte, dass sie im Bewusstsein der Bevölkerung, auch von Jugendlichen, die sonst mit Kirche so gut wie »gar nichts am Hut haben«, so präsent sind, dann fällt Folgendes auf: Alle vier sind Feste, die mit Ritualen, Gaben und Geschenken zu tun haben, wo unser ganzer Mensch im Schmecken, Sehen, Riechen und Fühlen angesprochen wird. Bei Weihnachten und »Drei-König« kommt noch der Aspekt des Spielens, der Darstellung, des Rollenspiels mit hinzu.

Gerade an solchen Auskünften zeigt sich, welch große Bedeutung Feste und Rituale haben, wie sie im Bewusstsein und im Erleben verankert sind, auch ohne tieferen religiösen Hintergrund oder ohne genaueres Verstehen dessen, was die Wurzeln solcher Feste sind oder was ursprünglich damit gemeint war: In einem Kurs für Erzieherinnen in kirchlichen Einrichtungen innerhalb der neuen Bundesländer Deutschlands kannten von 16 Teilnehmerinnen fünf die Person »Jesus« überhaupt nicht, wussten nicht, wer er ist oder welche Bedeutung er gehabt haben könne. Alle von ihnen hingegen kannten das Weihnachtsfest. Und auch für die fünf bedeutete es ein Fest für die Familie, wo es um unser Miteinander, um Frieden untereinander, den Zusammenhalt der Familie und um das Schenken geht.

Im Beschenktwerden, im Mitgestalten und Mittun sind wir also besonders empfänglich. Denn das gehört wohl zu all diesen Festen: die große Erwartung vorher, die Planungen, das Basteln, Selbstmachen, Einkaufen, Zusammenstellen in der Vorbereitungszeit – das Empfangen, Genießen mit allen Sinnen beim Feiern selbst und das spielerische Umgehen miteinander.5

Die folgende Grafik gibt einen Überblick über den gesamten Festkreis. So können Sie sich mit der Lage des jeweiligen Festes im Jahres-Zyklus vertraut machen und mit seiner Benennung.

Die meisten Feste und Festzeiten haben bei evangelischen und katholischen Christen denselben Namen. Bei Unterschieden ist das in der folgenden Abbildung vermerkt mit (ev) für evangelische oder (k) für katholische Bezeichnungen.

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ÜBER DEN AUTOR

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© Silvia Jägli

Hans Gerhard Behringer ist Theologe, Diplom-Psychologe (approbierter Psychologischer Psychotherapeut), Berater/Coach und Schriftsteller. Seminar- und Vortragstätigkeit im gesamten deutschsprachigen Raum. Er lebt mit seiner Familie in Davos/Schweiz.

www.hgbehringer.de

ÜBER DAS BUCH

Wie wird das Leben ganz und heil, was gibt uns Kraft und Lebensmut? Was gehört zu uns, will akzeptiert und integriert werden, damit wir ein erfülltes Leben haben? Dass wir uns entwickeln können hin zu mehr Zufriedenheit, Weisheit und Reife? Diese Entdeckungsreise durchs Jahr zeigt, wie Leben gelingen kann.

Hans Gerhard Behringers Werk bietet eine völlig neue Deutung der christlichen Feste. Seine konkrete und lebensnahe Begleitung wirkt anhand zahlreicher Übungen tief ins Leben hinein und schenkt so neue Lebensfreude.

Auch als Printausgabe erhältlich:

www.patmos.de/ISBN978-3-8436-0758-2

IMPRESSUM

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© 2015 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern

Umschlaggestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

Umschlagabbildung oben: © faniemage / photocase.de

Umschlagabbildung unten: © shutterstock.com

ISBN 978-3-8436-0758-2 (Print)

ISBN 978-3-8436-0800-8 (eBook)

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Inhalt

Hinführung

Ein Buch über die Tiefendimension des Jahreskreises

Und die multikulturelle Perspektive?

»Bedienungsanleitung«

Wiedergewinnung einer verlorenen Dimension

Der Jahreskreis – ein heilsamer Kreis

Existenzielle Themen: die Vielfalt des Lebens

Der integrierte Mensch

Achtsamkeit als Zugangsweg:
Schlüssel der Lebens- und Welterfahrung

Die Kunst der Wahrnehmung

Die zugänglichsten Feste

Sehnsucht und Erwartung: die Adventszeit

Vorbereitungszeiten: lebenswichtig!

Adventszeit als Lebenshilfe

Zeit der Erwartungen

Die Sehnsucht nach Hoffnung

Licht im Dunkel: Weihnachten und der Weihnachtsfestkreis

Der Anfang im Winter

Wir kommen aus dem Dunkel

Die Geschichte meiner Geburt

Stille Nacht, heilige Nacht?

»Einmal werden wir noch wach …«

Der Weihnachtsstress oder: die Enttäuschung

»Wo viel Licht ist …«

Im Unscheinbaren Gott erkennen

Das unterscheidend Christliche

In Gegensätzen das Ganze

Das innere Kind

Heilung des inneren Kindes

Aufforderung zur Neugeburt

Geburt in uns

Wage zu träumen! Die Bedeutung des Träumens und der Träume in den Weihnachts-Traditionen

Abschluss und Neubeginn: Silvester und Neujahr

Silvester

Neujahr: Neubeginn

1. Januar

Vom Suchen und Finden: das »Dreikönigsfest«/Epiphanias

»Die Heiligen Drei Könige mit ihrem Stern …«

Die Geschichte von der Suche und vom Ziel

Nur in der Nacht …!

Gefunden

Die Weisen in uns: Magier, Schwarzer und König – auch ich!

Ein Blick zurück

Freudenzeiten

Gewinn durch Verzicht: Fastenzeit/Passionszeit

Der Körper – dein Freund

Leibfeindliche Tradition

Neue Körperverbundenheit

Hilfreiche Affirmationen

In Rhythmen leben

Was bedeutet Fasten?

Offen werden

Gewinn durch Verzicht

Von der Freiheit loszulassen – die »Entdeckung der Langsamkeit«

Verschiedene Zielsetzungen

Fasten – Weg nach innen

Öffnung nach oben

Innere Weiterentwicklung und Integration

Die Wende

Gelassenheit siegt: empfangen und annehmen: »Mariä Verkündigung«/Verkündigung des Herrn (25. März)

»Maria« – eine Lebenshaltung

Durch mich kommt Gott zur Welt

Lasst uns Gott gebären!

Grundhaltung der Meditation

»Mir geschehe«

Die »streitbare« Kriegerin

Die Ohnmacht der Liebe

Integriertes, vollständiges Leben

Abschied gestalten und ringen um den Weg: Gründonnerstag

Eucharistie und Abendmahl: Lebenshilfe?!

Gott erwartet uns in allen Dingen

Der Herr als Knecht

Gebet als Lebenshilfe? Ringen mit Gott!

Als Jesus mit dem Tode rang …

Die Not und Notwendigkeit von (All-)Einsamkeit

»Dein Wille geschehe«

Judas und Petrus

War Judas Jesu Schatten?

Ein Brief an Judas: »Danke, Judas!«

Ist in jedem alles?

Krisen durchleiden und bewältigen: Karfreitag

Man muss es selbst erfahren haben …

»Was wissen die, die nicht gelitten haben?«

Heillose Fixierung?

Passion und Karfreitag: Verletzung, die nötig ist

Jesus »für uns« gekreuzigt?! – Stellvertretung? Solidarität!

»Sterbe-Hilfe«: Sieben Schritte

Erleben und erleiden, wie es ist

Unsere Zerreißprobe

Der Weg des Heilers

Stationen der Einweihung

Vergib ihnen, denn sie wissen nicht …

Verlassen

… und Jesus schrie laut: unser Fragen und Schreien

Raum für Klage

Ostern ohne Karfreitag?

Erst Tod, dann Auferstehung

Begrabene Hoffnungen, Träume, Ideale: Karsamstag

Leben aus der Stille

Begrabene Hoffnungen

Begraben: Leblos!

»Begraben – hinabgestiegen in das Reich des Todes«

»Prinzip Hoffnung« – das »Stirb und werde«: Ostern und der Osterfestkreis

Wie ein Weizenkorn …

Osteranfang

Erfahrungen mit Tod und Auferstehung heute

Einwände?

Ostern – eine Geschichte der Frauen!

Und sie erkannten ihn nicht …

Der Zweifler

Begegnung mit dem Auferstandenen

Ich glaube an das Leben, weil …

Der Schwerpunkt

Ostern: Feier des Lebens

Trennung, Abschied und Neuanfang: Himmelfahrt/Auffahrt

Durch Trennung und Abschied dem eigenen Leben entgegen

Den Schmerz zulassen

Die heilsame Befreiung – »Der Guru muss weg!«

Mündig – unabhängig – selbstständig

Abschied und Neubeginn: Vergegenwärtigung in uns

Zeugen kämpfen nicht

Wir seine »Stellvertreter«?!

Mündigkeit, Begeisterung und Freiheit: Pfingsten

»Das heilige Gespenst«?

Fest der Fruchtbarkeit, Freiheit und Vereinigung

Heiliger Geist? Die heilige Geistin

Die Weiblichkeit Gottes

Fruchtbarkeit des Geistes: Kreativität

Fest der Freiheit: Beschreibung von Pfingst-Träumen

Geist der Freiheit

Das wichtigste Fest?!

Mündig durch den Geist

Gaben des Geistes – Kriterien zur »Unterscheidung der Geister«

Fest der Vereinigung und der Verständigung

Sprache, die alle verstehen: Die soziale Dimension von Pfingsten

Umwertung aller Werte

Erwachsen werden

Das »große Geheimnis«: Trinitatis – Dreifaltigkeitsfest

Das Geheimnis wahren?!

Verstehensversuche

Ein dynamisches Beziehungsverhältnis oder: Gott im Beziehungsdreieck

Der Sommer

Feste der Verbundenheit und Rückschau – der Herbst

Der Herbst

Unsere Verbundenheiten

Ein Umwelt- und Innenweltfest: Erntedankfest

Arbeitsdankfest?!

Lebens-Dank

Danken durch Genießen

Ökologie: die Grenzen achten

Immer kritisch und in Bewegung bleiben: Reformationsfest (31. Oktober)

Eine Chance für den Zweifel

Lob der Freiheit – oder: Gottes erwachsene Kinder

Wir Priesterinnen und Priester

Spiritualität im Alltag

Ichstarke, heilsame Regression

Vorbilder und Orientierungspunkte: Allerheiligen (1. November)

Heilige? Orientierungspunkte!

Vorbilder und Leitfiguren

Gemeinschaft der Heiligen

Woher – wohin? Abschied nehmen – Abschied geben: Allerseelen (2. November)

Auf der Spur unserer Ahnen

Unsere Wurzeln

Ein Abschiedsritual

Standortbestimmung und Neuorientierung: Bußtag

Bilanz und Umkehr

Innehalten – Reflexion – Neuorientierung

Grenzenlos wachsen? Oder ökologisch-ethische Wende?

Mit dem Sterben leben: Totensonntag/Ewigkeitssonntag

Was ist für uns so schwer daran?

Den Tod annehmen

Mitten im Leben

Ungelebtes Leben leben

Abschiedlich leben

Perspektivenwechsel: Zielgerecht leben

Sterben können heißt loslassen

Der Verlust der Sicherheiten

Unsere höchste Würde: Christkönigsfest

Totensonntag – Ewigkeitssonntag – Christkönigsfest

Antihierarchisch und antiautoritär!

Der Jahreslauf als Lebenszyklus

Initiation: Einübung ins Leben

Spiegelungen: das Jahr im Leben – das Leben im Jahr

Nie fertig!

Zum Schluss

Wie ein Reiseführer und ein Rezeptbuch!

Anmerkungen