Petra Wiegers

Nur die Liebe fehlt

Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten

Patmos Verlag


Eine glückliche Mutter ist für die Kinder segensreicher als hundert Lehrbücher über die Erziehung.

Johann Heinrich Pestalozzi

Für Ida und Theo!

Danke für deine liebevolle Unterstützung und Geduld, Stefan!

Danke, Mama und Papa.

ÜBER DIE AUTORIN

Petra Wiegers ist Journalistin, Autorin, Filmemacherin und Moderatorin. Sie arbeitet für Arte und den Bayerischen Rundfunk, dort unter anderem für die Sendung »quer«. Zum Thema postpartale Depression hat sie einen Dokumentarfilm (Mein fremdes Kind – Wenn Müttern die Liebe fehlt) gedreht, der in der ARD  und den dritten Programmen ausgestrahlt wurde. Sie lebt mit ihrer Familie in München.

www.petrawiegers.de

ÜBER DAS BUCH

Eine Mutter, die ihr Kind nicht liebt? So etwas gibt es nicht, darf es nicht geben! Ein Baby zu bekommen, ist doch das größte Glück. So die Erwartung. Doch was, wenn nach den Strapazen der Geburt kein Hochgefühl kommt? Wenn Mütter erschöpft und niedergeschlagen sind und die Liebe zu ihrem Kind ausbleibt? Meist wird dann die Diagnose einer postpartalen Depression gestellt.

Petra Wiegers geht diesem Tabuthema auf den Grund und erzählt die bewegenden Geschichten von vier ganz unterschiedlichen Frauen, die nach der Geburt eines Kindes in eine schwere Krise geraten – und erst mühsam wieder Lebensmut und Liebe für ihn Kind entdecken. Die Psychiaterin Susanne Simen kommentiert die Geschichten aus psychotherapeutischer Sicht.

Ein Buch, das aufklärt, bewegt und Mut macht.

Auch als Printausgabe erhältlich.

www.patmos.de/ISBN978-3-8436-0698-1

IMPRESSUM

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© 2016 Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern

Umschlaggestaltung: Finken & Bumiller, Stuttgart

ISBN 978-3-8436-0898-1 (Print)

ISBN 978-3-8436-0699-8 (eBook)

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Inhalt

Einleitung

Erste Begegnung – Mavi und die Suche nach der Perfektion

Zweite Begegnung – Isabel und die bereute Mutterschaft

Dritte Begegnung – Sarah mutterseelenallein

Vierte Begegnung – Charlotte und die Angst vor der Angst

Einleitung

Es gibt kaum ein größeres Tabu in unserer Gesellschaft: Eine Mutter liebt ihr Baby nicht! »Postpartale Depression« lautet ein Grund dafür – kalt und klinisch. Wie kann es passieren, dass Mütter – quer durch alle gesellschaftlichen Schichten – nach der Geburt ihres Babys nichts empfinden?

Dieses Buch soll zwar auch Antworten geben. Aber in erster Linie soll es wachrütteln. Es soll den Frauen Mut machen, die sich bisher nicht getraut haben, über ihre Krankheit zu sprechen. Die meisten Frauen, die unter einer postpartalen Depression leiden, können sich niemandem anvertrauen. Selbst den engsten, liebsten Menschen nicht. Zu groß ist die Scham, die Angst als verantwortungslose Egoistin oder gar als Monster zu gelten. Zu groß sind auch gleichzeitig die Schuldgefühle dem Baby gegenüber:

»Wie kann das sein, dass ich dich nicht liebe?«

Dieses Buch soll jungen Müttern helfen, sich zu öffnen, Angehörigen helfen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und Mitmenschen helfen, genauer hinzusehen.

Die Geschichten von Mavi, Isabel, Sarah und Charlotte machen vielleicht ein bisschen klarer, wie diese Krankheit entstehen kann. Und wie schnell sie voranschreitet, wenn Frauen weiter Skrupel haben (müssen), sich in ihrer Not zu öffnen.

Das Muttersein ist offenbar immer noch ein Mysterium! Denn im Laufe meiner Recherche haben Frauen immer wieder zu mir gesagt: »Das hatte mir niemand vorher gesagt« oder »So habe ich mir das nicht vorgestellt.« Das Idealbild der sich aufopfernden, überglücklichen, selbstlosen Mutter, die vor Freude schier zerplatzt, wird heute gepaart mit den Ansprüchen der modernen Welt und der Selbst­optimierung. Und an diesem Bild »Übermensch Mutter« zerbrechen viele Frauen. Der Druck auf die Frauen ist groß: Sie wollen gute Mütter sein, sich liebevoll um ihre Kinder kümmern, schnell wieder zurück an den Arbeitsplatz. Sie wollen bewusst leben, sich gesund ernähren, sportlich, gepflegt, modisch und attraktiv sein. Ja, und dann wollen sie natürlich auch noch eine gute Ehe führen. Sex haben. Und das alles bitte mit der gebührenden Leichtigkeit! Dabei ist doch die einhellige Meinung: Wir Frauen haben es eigentlich gut im Vergleich zu unseren Müttern und Großmüttern. Uns steht die Welt doch offen. Aber viele Frauen wollen alles – und sie wollen alles ganz perfekt!

»Es scheint (…), als verkläre eine Art von illusorischem Heiligenschein die Wirklichkeit des Mutterseins. Zukünftige Mütter träumen nur von Liebe und Glück. Sie ignorieren die Kehrseite der Medaille: Erschöpfung , Frustration, Einsamkeit, ja sogar Entfremdung und die damit einhergehenden Schuldgefühle.«

Elisabeth Badinter: Der Konflikt – die Frau und die Mutter1

Eine Psychiaterin erzählte mir im Laufe meiner Recherche: Die häufigste Todesursache junger Mütter ist der Suizid! Zu viele junge Mütter scheitern heute an einem völlig überhöhten Idealbild der Mutter. Das ist nur eine Ursache, die eine postpartale Depression begünstigen kann. Jede vierte Mutter erleidet eine Depression nach der Geburt ihres Kindes. Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Was sind das für Frauen, die ihre Kinder nicht lieben können? Sind es Frauen, die vorher schon einmal erkrankt waren, oder trifft es junge Mütter wie ein Sommergewitter – ganz ohne Vorankündigung? Sind es eher gebildete oder eher ungebildete Frauen, leben sie eher in glücklichen oder unglücklichen Beziehungen? Die Antwort ist: Es kann alle Frauen treffen! Und darum erzähle ich hier die Geschichten von vier Frauen, deren Krankheitsverläufe exemplarisch sind für die vielen Geschichten, die ich während meiner Recherche gehört habe. Diese vier Frauen leben mitten unter uns – wir sehen in ihnen aber vielleicht nur die glückliche junge Mutter, die sie nach außen hin vorgibt zu sein.

Ich möchte mit diesem Buch nicht den Eindruck erwecken, Kinderkriegen sei schrecklich. Aber ich möchte dazu beitragen, mit einem Mythos aufzuräumen. Dem Mythos der perfekten Mutter! Im 21. Jahrhundert wäre es wünschenswert, Frauen die Wahrheit über den Vorgang einer Geburt und die Mutterschaft zu sagen. Und zwar BEVOR sie schwanger werden. Denn mit all dem Wissen wären Frauen besser auf ihre neue Rolle vorbereitet. Denn diese Rolle ist nicht nur von Glück und unbeschreiblicher Liebe geprägt, sondern eben auch von der Realität, die das Muttersein in der heutigen Gesellschaft bestimmt. Und die ist manchmal hart und einsam. Es sollte in unserer Gesellschaft möglich werden, offen darüber zu reden, dass das Muttersein auch (Start-) Schwierigkeiten mit sich bringt. Und allzu häufig eben in Form einer postpartalen Depression! Durch eine Entmystifizierung wird sicher keine postpartale Depression verhindert, aber durch einen offenen Umgang damit könnten Frauen leichter über psychische Probleme nach der Geburt ihrer Kinder sprechen.

Ich erzähle die Geschichten von Mavi, Isabel, Sarah und Charlotte. Es sind die Geschichten von vier Frauen, die mit der Geburt ihrer Kinder ihr Leben und die Liebe erst einmal verloren haben. Es ist die Suche nach der eigenen Rolle in einem völlig neuen Leben. Diese neue Rolle als Mutter muss von allen Frauen gleichermaßen erlernt werden. Wenn das für eine Frau besonders schwer ist, begünstigt das die Entstehung einer Depression. Manche Depression beginnt schon in der Schwangerschaft, manche erst nach der Geburt oder eben noch später. Auch führt die postpartale Depression nicht automatisch immer dazu, dass eine Mutter ihr Baby nicht lieben kann. In der Depression ist es vielen Frauen möglich, ihr Kind anzunehmen und Liebe zu spüren. Aber die Energie fehlt. Und damit sind alle Gefühle reduziert. Manche Frauen hassen aber einfach ihre neue Rolle als Mutter und können sich darin nicht wiederfinden.

Ich hoffe, anhand dieser vier Geschichten zeigen zu können, wie unterschiedlich der Verlauf einer postpartalen Depression sein kann und wie unterschiedlich die Wege der Heilung aussehen. So unterschiedlich wie eben jeder Mensch ist. Die Geschichten und Charaktere von Mavi, Isabel, Sarah und Charlotte beruhen auf meinen Begegnungen mit betroffenen Frauen, sie wurden aber von mir aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes stark verfremdet.